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Zunehmende Arbeitsintensität belastet Mitarbeiter

Multitasking: Mann im Büro mit vielen Armen bedient mehrere PCs und Smartphone gleichzeit, Uhr symbolisiert Zeitdruck
Mehr Arbeit unter Zeitdruck und Multitasking – die Arbeitsintensität für Berufstätige ist gestiegen.
Foto: © alphaspirit/StockAdobe

Die Menschen arbeiten heute – auch aufgrund der Beschleunigung – mehr
und härter als noch vor einiger Zeit und fühlen sich stärker belastet. Das sind Erkenntnisse der letzten Betriebs- rätebefragung des Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, die kürzlich auf einer Fachkonferenz zum Thema Arbeitsintensivierung vorgestellt wurden.

Gemeinsam mit dem WSI hatte die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zur Fachkonferenz “Arbeitsintensivierung” eingeladen. Dr. Elke Ahlers vom WSI, die sich mit der Arbeitsintensivierung als betrieblichem Handlungsfeld befasste, präsentierte Ergebnisse der aktuellen WSI-Betriebsräte- befragung, für die im letzten Jahr 2288 Interviews geführt wurden. Danach berichten gut drei Viertel der Befragten (78 Prozent) von einer gestiegenen Arbeitsintensität. 80 Prozent sagten, die Arbeitsmenge habe zugenommen. Eine erhöhte Leistungserwartung stellen 76 Prozent fest. Von fast ebenso vielen (74 Prozent) ist Multitasking gefordert. Dass die Aufgaben komplexer und vielfältiger geworden sind, gaben 71 Prozent zu Protokoll. Außerdem haben zwei Drittel (66 Prozent) festgestellt, dass sie sich verstärkt mit Kunden und Kollegen abstimmen müssen. Laut der Studie sind zumeist Fachangestellte mit mittlerer Qualifikation betroffen.

Jeder Zweite ist im Job unzufriedener geworden

Die härter gewordenen Arbeitsbedingungen haben zur Folge, dass die Zufriedenheit im Job bei mehr als jedem zweiten Befragten (56 Prozent) gesunken ist. Rund neun von zehn Betriebsräten gaben an, dass das Thema Arbeitsintensität in ihrem Unternehmen Gegenstand von Verhandlungen ist. Wenn es darum geht, die Arbeitsmenge zu begrenzen, steht in 83 Prozent der Fälle die Forderung nach mehr Personal an erster Stelle.

Rationalisierung als Treiber bewirkt höhere Verfügbarkeit

Arbeitsintensität entstehe durch das Verhältnis von Anforderungen (wie die zu bewältigende Arbeitsmenge) und Ressourcen (etwa die zur Verfügung stehende Zeit), erklärte Dr. Nick Kratzer vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung in München. Letztlich sei die Rationalisierung ein Treiber, der durch Flexibilisierung, Extensivierung und Intensivierung auch auf die Arbeitszeit wirke. Verfügbarkeit werde optimiert, es werde länger gearbeitet oder mehr Leistung in weniger Zeit erbracht.

Fünf Handlungsfelder für Arbeitgeber

Doch was können Unternehmen angesichts dieser Entwicklung tun? Die Teilnehmer der Fachtagung diskutierten fünf verschiedenen Aspekte und Handlungsfelder und zeigten praxisnahe Lösungen auf. Im Vordergrund standen die Gefährdungsbeurteilung, die Mitwirkung bei der Organisation von Arbeitsmenge und Arbeitszeit auch über Betriebsvereinbarungen sowie die Gesundheitskompetenz der Mitarbeiter und Führungskräfte. Weitere Informationen dazu und zu den Vorträgen gibt es > hier.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.