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Sommerferien 2021: Mitarbeiter erholungsbedürftig, aber trotzdem beruflich erreichbar

Beruflich erreichbar im Urlaub
Die Mehrheit der Berufstätigen in Deutschland ist im Urlaub beruflich erreichbar. Foto: © photoschmidt-stock.adobe.com

Fast drei Viertel der Arbeitnehmer hierzulande lassen sich auch in den Ferien von Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden kontaktieren. Die meisten glauben, dass ihre Chefs erwarten, dass sie durchgehend erreichbar sind. Die am häufigsten genutzten Kanäle für die berufliche Kommunikation sind SMS und Messenger-Dienste.

72 Prozent der deutschen Angestellten geben an, dass sie auch im Urlaub beruflich erreichbar sind – vor einem Jahr waren es mit 70 Prozent noch etwas weniger. Von den Männern sagen 82 Prozent, dass sie für dienstliche Belange zur Verfügung stehen, während es bei den Frauen mit 62 Prozent deutlich weniger sind. Das zeigt eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 1.007 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren, davon 554 Berufstätige.

Die meisten wollen vermutete Erwartungen erfüllen

Gefragt danach, warum sie auch in der Ferienzeit für die berufliche Kommunikation zur Verfügung stehen, antworteten 60 Prozent der Arbeitnehmer, dass sie glauben, ihre Vorgesetzten würden dies von ihnen erwarten. 55 gehen davon aus, dass ihre Kollegen diese Erwartungshaltung haben und wollen diese erfüllen. 38 Prozent denken, dass ihre Kunden die lückenlose Ansprechbarkeit wünschen. Weitere 21 Prozent möchten mit der Erreichbarkeit im Urlaub die Erwartungen von Geschäftspartnern erfüllen und 16 Prozent wollen für ihre Mitarbeiter da sein.

Sechs von zehn Arbeitnehmern sind auch telefonisch ansprechbar

Mit 70 Prozent ist die Mehrheit der Urlauber per SMS oder Messenger ansprechbar. Via Telefon lassen sich 60 Prozent kontaktieren und 31 Prozent sind über E-Mails ansprechar. Jeder Fünfte (21 Prozent) führt in der Erholungszeit sogar Videotelefonate mit Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden durch und fast jeder Siebte (15 Prozent) kommuniziert in den Ferien beruflich über Kollaborationsplattformen wie Microsoft Teams oder Slack.

Erholungsbedürfnis nach über einem Jahr Corona besonders hoch

Obwohl der Anteil der Arbeitnehmer, die in diesen Sommerferien beruflich erreichbar sind, leicht angestiegen ist, achten drei Viertel (74 Prozent) der Angestellten dieses Jahr stärker darauf, im Urlaub gezielt abzuschalten. Fast ebenso viele (73 Prozent) derjenigen, die in diesem Urlaub dienstlich ansprechbar sind, geben an, dass ihnen das gut gelingt. Rund zwei Drittel (65 Prozent) setzen sich für die berufliche Erreichbarkeit feste Zeiten. Gut jeder Zweite (54 Prozent) sagt, nur im Notfall zur Verfügung zu stehen, beispielsweiseüber eine spezielle Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. Darüber hinaus hätten 41 Prozent der Befragten Angst, etwas zu verpassen, wenn sie im Urlaub nicht ständig erreichbar wären. Angesichts dieser Ergebnisse erscheint es fraglich, ob das gestiegene Erholungsbedürfnis der Arbeitnehmer tatsächlich erfüllt wird.

Für viele Menschen sei mobiles Arbeiten seit dem letzten Jahr Alltag geworden, Berufus- und Privatleben seien damit stärker verschmolzen als je zuvor, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Er hält es für wichtig, dass Berufstätige gerade jetzt im Sommerurlaub wirklich abschalten und neue Energie tanken.

Wichtig ist, dass innerhalb der Unternehmen funktionierende Vertretungslösungen etabliert werden. Eine Störung im Urlaub sollte, wenn überhaupt, dann nur im absoluten Notfall erfolgen,

so Rohleder. Hier seien klare Aussagen von den Vorgesetzten gefordert, die das Wohl ihrer Mitarbeiter mehr denn je im Blick haben müssten.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.