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Die Politik dreht am Mobility-Rad

+++ Die wichtigsten Aussagen unserer Experten in der › Bilderstrecke +++

Bild: pexels.com (CC0-Lizenz)
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Unternehmen, die ihre Absatzmärkte sichern wollen, müssen sich darauf einstellen, ihre grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit einigen Ländern neu zu organisieren. Dazu zählen Russland, die Türkei, Großbritannien, die USA und möglicherweise auch China, wie die Experten des Round Tables, den die Personalwirtschaft im März in Frankfurt veranstaltete, betonten. Unter der Moderation von Professor Dr. Michael Heuser von der Fachhochschule der Wirtschaft, Mettmann, diskutierten sieben Mobility-Fachleute die aktuellen Entwicklungen im Bereich Auslandsentsendung: Gisela Baum (AXA Krankenversicherung AG), Giovanni De Carlo (Crown World Mobility), Frank Dissen (WTS Steuerberatungsgesellschaft mbH), Omer Dotou (BDAE Consult), Kay Hall (AIRINC Europe), Jürgen Heidenreich (Techniker Krankenkasse) und Michael Weiß (Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft).

Trump, Erdoğan und andere Probleme

Jede Region erfordert ein unterschiedliches Vorgehen. So ziehen Unternehmen aus der Türkei bereits ihre Mitarbeiter ab und verlegen Standorte. Im Fall von Großbritannien warten viele Organisationen die Austrittsverhandlungen ab, doch schon jetzt prüfen sie aufenthalts-, steuer- oder sozialversicherungsrechtliche Folgen sowie Fragen rund um die Vergütungspolitik und Wechselkursschwankungen.

Anderer Kontinent, andere Probleme: Trumps Einreiseverbot für Bürger aus bestimmten muslimischen Staaten verunsichert auch Unternehmen in Deutschland. Vereinzelt kommt es schon zu Einreiseverboten für Mitarbeiter mit irakischer Herkunft. Sorge bereiten auch US-Regierungspläne, die Visa-Kategorien ändern zu wollen.

Augen auf im Entsendungsmanagement

Im Blick behalten sollten Arbeitgeber in allen geopolitisch kritischen Ländern zum einen die migrationsrechtlichen Vorschriften. Zum anderen sollten sie die Währungseinflüsse regelmäßig analysieren, da Anpassungen bei Gehältern und Zulagen notwendig werden könnten. Nicht wenigen Global-Mobility-Verantwortlichen bereiten die Wechselkursschwankungen Kopfzerbrechen. Seit das britische Pfund fällt, stellt sich die Frage, wie eine neue Wechselkurs-Policy aussehen sollte. Bislang war es üblich, einmal jährlich oder seltener die Cost of Living-Allowance (CoLA), die Teuerungszulage, zu überprüfen. Das ändert sich: Die Post-Brexit-Phase hat zu viel mehr signifikanten CoLa-Bewegungen geführt, als es für eine harte Währung zu erwarten war. Die Entsende-Policies und Vergütungsmodell finden darauf verschiedene Antworten.

Ebenso wichtig ist es, steuerliche Aspekte zu verfolgen, weil verschiedene Länder gezielt neue Anreize schaffen, um Firmenansiedlungen zu fördern. Ein weiteres To-do: Letztlich müssen Unternehmen darauf vorbereitet sein, ganze Gruppen von Mitarbeitern umzusiedeln. Sinnvoll ist es, sich auf sämtliche Szenarien einzustellen und den Einfluss der wichtigsten Aspekte durchzuspielen, um im Ernstfall besser die richtige Entscheidung fällen zu können.

Controlling im Global Mobility Management

Ignorieren, schlampig angehen oder gründlich abarbeiten – so lässt sich die Bandbreite des Controlling-Verhaltens im Entsendungsmanagement beschreiben. Dem Laissez-faire-Umgang geht es jedoch insgesamt an den Kragen. Auch immer mehr kleine und mittlere Unternehmen entwickeln eine verbindliche Expat Policy, um einheitliche Strukturen für die Umsetzung betrieblicher Auslandsvorhaben zu gewährleisten. Eine detaillierte Planung des Auslandseinsatzes unter Berücksichtigung aller Einflussfaktoren ist ebenso wichtig wie deren Kontrolle während der Auslandstätigkeit und danach – hier besteht Nachholbedarf. Ein Fallstrick sind auch die neuen Base Erosion and Profit Shifting (BEPS)-Regeln. Diese können eine Zunahme von ungewollten Betriebsstätten im Ausland zur Folge haben.

Compliance und digitale Tools

Controlling per Excel? Das funktioniert, doch es ist kaum noch zu bewältigen. Der konsequente Schritt sind geeignete Software Tools, auch um nicht Gefahr zu laufen, Compliance-Vorschriften unabsichtlich nicht einzuhalten oder wichtige Termine zu versäumen. Während große Unternehmen häufiger ihr Global-Mobility-Outsourcing rückgängig machen, gehen kleine und mittelständische Unternehmen einen anderen Weg. Sie geben das Entsendemanagement nach außen. Angefangen von der Risikoprüfung und der kompletten Übernahme der erforderlichen Melde- und Antragspflichten bis zur Beantragung der Visa delegieren sie die Aufgabe an Spezialisten. Oder aber sie nutzen passende IT-Tools der Global-Mobility-Dienstleister, mit denen sie die Workflows abwickeln und alle Dashboard-Funktionen nutzen können.

Insgesamt verdeutlicht die Expertenrunde des Round Tables: Wenngleich die internationale wirtschaftspolitische Entwicklung aktuell die Aufmerksamkeit des Mobility Managements auf sich anzieht, ist es ratsam, die permanenten Anforderungen an moderne rechtssichere Entsendeprozesse nicht in den Hintergrund treten zu lassen.

Autorin:
Christiane Siemann, freie Journalistin, Bad Tölz

+++ Die wichtigsten Aussagen der Global-Mobility-Experten hier noch einmal im › Bild +++

Den ausführlichen Bericht zum Round Table lesen Sie im › Sonderheft “Auslandsentsendung”.