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Digitalisierung (be)trifft auch Juristen

Auch Rechtswissenschaftler müssen sich zunehmend mit dem technologischen Wandel auseinandersetzen.
Transformative Technologien ziehen auch in den Rechtsmarkt ein. Foto: © sdecoret/StockAdobe

Auch der Rechtsmarkt ist im Umbruch: Juristen müssen sich mit steigender Informationskomplexität sowie sich ändernden Kunden- und Mandantenansprüchen auseinandersetzen. Mehr als jeder Zweite erwartet, dass er in den kommenden drei Jahren mindestens gewisse Auswirkungen durch transformative Technologien spüren wird. Nach Ansicht der Juristen aus Kanzleien und Rechtsabteilungen werden die größten Änderungen bezüglich der Art und Weise, wie sie ihre Services erbringen, künftig in der verstärkten Nutzung von Technologie in Arbeitsprozessen und in größerer Spezialisierung liegen. Um bessere Ergebnisse zu erzielen, setzen Juristen bereits heute zunehmend technologische Lösungen. Die Zahl der Juristen, die Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), Big Data, Predictive Analystics und Machine Learning zur Unterstützung von Entscheidungen nutzen, wird sich ihrer Ansicht nach bis 2022 fast verdoppeln. Das sind Ergebnisse der Studie “Future Ready Lawyer 2019” im Auftrag von > Wolters Kluwer. Für die Studie wurden von Dezember bis Januar 700 Juristen aus Anwaltskanzleien, Rechtsabteilungen und Dienstleistungsunternehmen in zehn europäischen Ländern – darunter Deutschland – und den USA interviewt.

Juristen nutzen zunehmend innovative und leistungsstarke Technologien, die sie dabei unterstützen, durch datengestützte Analysen und Erkenntnisse effizienter und produktiver zu arbeiten, bessere Ergebnisse zu erzielen und einen deutlichen Mehrwert für Mandanten und Kunden zu bieten.

kommentiert Martina Bruder, CEO von Wolters Kluwer Deutschland, die Befragungsergebnisse.

Top-Trends auf dem Rechtsmarkt für die nächsten drei Jahre

Gefragt nach den Top-Trends, die in den nächsten drei Jahren Auswirkungen auf ihre Organisation haben, gaben die meisten (72 Prozent) die Bewältigung der zunehmenden Informationsmenge und -komplexität an, dicht gefolgt vom Fokus auf verbesserte Effizienz und Produktivität (71 Prozent). Mit nur geringem Abstand folgen das Verständnis dafür, welche Technologien den höchsten Mehrwert bieten (69 Prozent), die Erfüllung sich ändernder Kundenerwartungen (68 Prozent) sowie finanzielle Themen, einschließlich des höheren Preiswettbewerbs sowie neuer/alternativer Gebührenstrukturen und Kosteneinsparungen (ebenfalls 68 Prozent).

Nur jeder dritte Jurist fühlt sich sehr gut auf Änaderungen vorbereitet

Allerdings denkt nicht einmal jeder dritte Befragte, dass seine Organisation insgesamt sehr gut vorbereitet ist, um auf einen dieser Trends reagieren zu können. So glauben nur 31 Prozent, dass sie gut präpariert sind, die zunehmende Informationsmenge und-komplexität zu bewältigen. Ebenso wenige sind darauf eingestellt, den Fokus auf verbesserte Effizienz und Produktivität zu legen. Insgesamt schätzt sich nur rund ein Drittel der Studienteilnehmer (34 Prozent) als sehr gut vorbereitet ein, um mit den Veränderungen auf dem Rechtsmarkt Schritt zu halten.

Technologievorreiter sind optimistischer

Hier und auch in anderen Punkten gibt es jedoch Unterschiede zwischen Organisationen, die bereits Technologie einsetzen (in der Studie “Technologieführer” genannt) und jenen, die Technologie bislang lediglich eingeschränkt nutzen, aber einen stärkeren Einsatz planen (“Organisationen im Übergang”). Von den Technologieführern sieht sich jeder zweite als sehr gut vorbereitet, während es bei den Übergangsorganisationen nur knapp jeder fünfte (19 Prozent) von sich behauptet.

Gut jeder zweite Jurist (53 Prozent) gibt an, dass die Investitionen seiner Organisation in Technologie während der kommenden drei Jahre steigen wird; bei Technologieführern ist das öfter der Fall. Sie gehen auch deutlich häufiger als die anderen Unternehmen davon aus, dass sie neue Technologien künftig nutzen Werden. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass die Technologieführer mehr Gewinn erzielen als die Organisationen im Übergang.

Abwehr gegen Digitalisierung vor allem aufgrund fehlender Kompetenz

Trotz aller Prognosen in Sachen technischer Wandel gibt nur rund ein Viertel der befragten Juristen (knapp 24 Prozent) zu Protokoll, die transformativen Technologien sehr gut zu verstehen. Die Generation der Millennials schneidet insgesamt deutlich besser ab, wenn es darum geht, wie die Technologien genutzt werden können. Überhaupt ist der Mangel an Technologiekenntnissen, -fähigkeiten und -verständnis der Hauptgrund für den Widerstand gegen neue Technologien: Gut ein Drittel (36 Prozent), gab dies an. 34 Prozent nannten organisatorische und 30 Prozent finanzielle Gründe.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.