Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Digitalisierung führt oft erst einmal zu Mehrkosten

Hand über PC-Tastataur auf Enter-Zeichen mit Beschrifttung
Wie steht es mit der Digitalisierung in deutschen Unternehmen? Eine Bestandsaufnahme zeigt positive und negative Erfahrungen.
Foto: © Olivier Le Moal-stock.adobe.com

45 Prozent der Unternehmen und Behörden hierzulande transformieren derzeit die eigene Unternehmenskultur. Etwas weniger als jedes zweite Unternehmen (46 Prozent) gibt an, bei der Digitalisierung den Anschluss zu halten. Jede dritte Firma (32 Prozent) sieht sich im Rückstand und ein Sechstel (16 Prozent) sagt, oben mitzuspielen. 30 Prozent stellen fest, dass die Corona-Krise einen Digitalisierungsschub bewirkt. 50 Prozent sehen außer Homeoffice und Videokonferenzen keine Auswirkungen und bei 14 Prozent der Unternehmen läuft der Digitalisierungsprozess weiter wie vorher. Bei vier Prozent hat die Krise die Entwicklung sogar ausgebremst. Das sind Ergebnisse der Studie “Potenzialanalyse Reality Check Digitalisierung” von Sopra Steria in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut. Dafür wurden im letzten September und Oktober 315 Entscheider und Führungskräfte aus den Branchen Finanzdienstleistungen, verarbeitendes Gewerbe, öffentliche Verwaltung und Versorgung sowie Telekommunikation und Medien befragt.

Mehr Zufriedenheit bei Kunden und Mitarbeitern

Was die Erfolge der Digitalisierung betrifft, so verzeichnen rund sechs von zehn Unternehmen (59 Prozent) zufriedenere Kunden (59 Prozent). Die Mehrheit der Befragten sagt, es habe sich ausgezahlt, dass sie Kunden früh in Verbesserungen einbezogen haben, etwa bei der Entwicklung von Apps oder bei der Einführung neuer Online-Geschäftsprozesse. Jeder zweite Studienteilnehmer gibt an, die Digitalisierung habe einen positiven Einfluss auf die Mitarbeiterzufriedenheit. Auch neue Formen der Zusammenarbeit und neue Führungsstile erweisen sich laut Aussage der Firmen als motivierend. Außerdem berichten 70 Prozent der Entscheider, dass es sich auszahlt, Teams mit gemischten Qualifikationen zu bilden.

Arbeitslast nach Digitalisierungsprojekten bei jedem vierten Unternehmen gestiegen

In 44 Prozent der befragten Unternehmen war die Arbeitslast nach Digitalisierungsprojekten größer als vorher. Dazu führen häufig technische Anlaufschwierigkeiten und fehlende Benutzerfreundlichkeit der eingesetzten digitalen Lösungen, aber auch strategische Fehlplanungen. Viele Unternehmen führen beispielsweise im Kundenservice neue Online-Kanäle wie Chatbots ein, ohne die Abläufe neu zu organisieren und diese, wo es möglich ist, zu automatisieren. Die Folge: noch mehr Anfragen für die Mitarbeiter.

Es passieren immer noch einige Kardinalfehler bei der Digitalisierungsstrategie. Zu den häufigsten zählt, dass Prozesse, Organisation und das gesamte Geschäft eins zu eins in die Online-Welt überführt werden und sonst alles beim Alten bleibt,

sagt Frédéric Munch, Leiter von Sopra Steria Next.

38 Prozent verzeichnen gestiegene Kosten durch Automatisierung

Durch die Digitalisierung wollen Unternehmen ihre Kosten senken, so die Studie. Allerdings spürt momentan erst ein Viertel (25 Prozent) Einspareffekte. Ein weiteres Viertel kann noch kein Fazit dazu ziehen. 38 Prozent der Befragten geben hingegen an, dass die Kosten steigen, dabei spielen die Personalausgaben eine nicht zu unterschätzende Rolle. Viele Unternehmen haben massiv in den Aufbau von Know-how investiert und beispielsweise Data Scientists und andere Digitalspezialisten rekrutiert. Ein weiterer Posten sind laufende Kosten nach der Einführung neuer IT-Lösungen, die häufig aufgrund längerer Verträge oder aus Sicherheitsgründen eine Zeitlang parallel zur bestehenden Infrastruktur betrieben werden müssen. Laut einer Untersuchung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geht der Mittelstand künftig von weiteren Kostensteigerungen aus: Mehr als jedes vierte kleine und mittlere Unternehmen (28 Prozent) prognostiziert, dass die Digitalisierung in den kommenden vier Jahren ihre Kosten erhöht.

Steigende Kosten, so die Studie, rechneten sich jedoch nur, wenn Unternehmen genügend positive Effekte durch die Digitalisierung erzielen. Die ließen aber noch auf sich warten: Bislang verbucht nur jedes fünfte Unternehmen zusätzliche Umsätze, beispielsweise durch neue digitale Dienstleistungen oder durch das Erschließen neuer Kundengruppen. Fast ebenso viele (19 Prozent) erzielten höhere Gewinne unter anderem dadurch, dass sie mithilfe neuer Technologien Abläufe automatisiert haben.

Weitere Informationen zur Studie gibt es > hier.