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Doping am Arbeitsplatz nimmt deutlich zu

Laut DAK-Gesundheitsreport nehmen fast eine Millionen Berufstätige regelmäßig leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Substanzen ein, um mit den Anforderungen im Job besser zurechtzukommen. Damit zählen 1,9 Prozent der Arbeitenden zu den notorischen Dopern. Der Anteil der Erwerbstätigen, die mindestens einmal gedopt haben, liegt bei 6,7 Prozent (knapp drei Millionen). Bei einem vergleichbaren DAK-Report in 2008 waren es erst 4,7 Prozent.

Hirndoping mit hoher Dunkelziffer

Die eingenommenen Mittel sollen vor allem die geistige Leistungsfähigkeit steigern. Experten sprechen von pharmakologischem Neuro-Enhancement, umgangssprachlich Hirndoping genannt. Die DAK geht von einer hohen Dunkelziffer aus, sodass bis zu zwölf Prozent der Berufstätigen schon einmal ohne medizinische Notwendigkeit zu verschreibungspflichtigen Arzneien gegriffen haben. Das sind annähernd fünf Millionen Menschen. Unter den übrigen Erwerbstätigen ist jeder Zehnte für diese Form der Leistungssteigerung prinzipiell aufgeschlossen.

Als Gründe für den Griff zur Pille führt die Studie hohen Leistungsdruck, Stress und Überlastung auf. Häufig dopen die Beschäftigten bei konkreten Anlässen, etwa wenn eine Präsentation oder eine wichtige Verhandlung ansteht. Am häufigsten nehmen die Berufstätigen Medikamente gegen Angst, Nervosität und Unruhe (61 Prozent) und gegen Depressionen (34 Prozent) ein. Hinzu kommen Tabletten gegen Tagesmüdigkeit und Betablocker. Die Mehrheit erhält für die Mittel ein Rezept vom Arzt (54 Prozent). Jeder Siebte bekommt Tabletten von Freunden, Bekannten oder Familienangehörigen, jeder Zwölfte bestellt sie ohne Rezept im Internet.

Risikofaktoren: Unsicherer Job und einfache Arbeit

Bei den Betroffenen handelt es sich keineswegs primär um Führungskräfte, die sich zu Höchstleistungen pushen wollen. Es gilt vielmehr: Je unsicherer der Arbeitsplatz und je niedriger das Tätigkeitsniveau, desto stärker ist der Drang zum Medikamentenmissbrauch. Beschäftigte mit einer einfachen Tätigkeit haben bereits zu 8,5 Prozent auf diesem Weg versucht, ihre Leistung zu erhöhen oder ihre Stimmung zu verbessern. Bei Gelernten oder Qualifizierten sind es nur 6,7 Prozent und bei den Hochqualifizierten noch weniger (5,1 Prozent).

Für den DAK-Gesundheitsreport hat das IGES Institut (Berlin) Arzneimitteldaten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten analysiert und mehr als 5.000 Berufstätige im Alter von 20 bis 50 Jahren befragt. Weiter Informationen und ein Download der Studie stehen auf der Homepage der DAK-Gesundheit bereit.