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Seelische Leiden auf Platz drei der Krankheitsarten

Schwarzweißfoto: Frau in Rückenansicht vor Fenster mit geschlossenen Vorhängen, dunkler Raum
Frauen sind öfter wegen psychischer Erkrankungen wie Depressionen krankgeschrieben als Männer.
Foto: © Artinun/StockAdobe

Im vergangenen Jahr fehlte hierzulande jeder 18. Arbeitnehmer im Job wegen einer psychischen Erkrankung. Auch wenn die Zahl der Krankschreibungen aufgrund seelischer Leiden nach dem Höchststand von 250 Fehltagen pro 100 Versicherten im Jahr 2017 um 5,6 Prozent auf 236 Fehltage zurückging: Psychische Erkrankungen lagen 2018 bundesweit auf dem dritten Platz der Krankheits-arten, wie der DAK-Psychoreport 2019 berichtet. Für die Langzeit-Analyse wurden die anonymisierten Daten von rund 2,5 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet.

Häufigste Leiden: Depressionen und Anpassungsstörungen

Die meisten Ausfalltage wurden im letzten Jahr durch Depressionen (93 Fehltage je 100 Versicherte) und > Anpassungsstörungen (51 Fehltage) verursacht. Es folgten neurotische Störungen (23 Tage) und Angststörungen (16 Tage). Die Ausfalltage aufgrund von Anpassungsstörungen haben sich seit dem Jahr 2000 fast verdreifacht. DAK-Vorstandschef Andreas Storm führt diese Entwicklung auch auf einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen zurück, denn aus wissenschaftlicher Sicht seien diese seit Jahrzehnten in der Bevölkerung nahezu gleich verbreitet. Die Partei Die Linke verweist dagegen auch auf eine gestiegene Arbeitsbelastung als Ursache. Arbeitsstress mache krank, das dürfe nicht heruntergespielt werden, sagte Jutta Krellmann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag. Es brauche eine Anti-Stress-Verordnung und flächendeckende Arbeitsschutzkontrollen.

Proportional mehr Fehltage bei Frauen, in der Verwaltung und im Gesundheitswesen

Frauen waren letztes Jahr mit 298 Fehltagen je 100 Versicherte deutlich häufiger wegen psychischer Leiden krankgeschrieben als Männer mit 183 Ausfalltagen. Mit dem Alter nimmt die Zahl der Fehltage wegen seelischer Erkrankungen laut Report bei beiden Geschlechtern kontinuierlich zu. Außerdem zeigt die Analyse, dass die öffentliche Verwaltung (358 Tage) und das Gesundheitswesen (321 Tage) überproportional viele Fehltage aufwiesen.

Krankschreibungen aufgrund von Burnout nehmen wieder zu

Die Zusatzdiagnose Burnout wurde ab 2012 weniger gestellt; die Anzahl der Fehltage hat sich seitdem fast halbiert. 2018 gab es jedoch mit 5,3 Fehltagen je 100 Versicherte wieder mehr Krankschreibungen als im Vorjahr (4,6 Ausfalltage). Arbeitnehmer ab 60 Jahre fehlten mit neun Tagen am häufigsten aufgrund von Burnout im Job. Kürzlich stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Burnout als Syndrom ein, das infolge von chronischem Stress am Arbeitsplatz entstehe, der nicht erfolgreich verarbeitet werde. 

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.