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„Es geht vor allem ums Vernetzen“

Bastian Risse, Feelgood-Manager bei Uniq; Bild: Uniq/Zabel
Bastian Risse, Feelgood-Manager bei Uniq; Bild: Uniq/Zabel

Personalwirtschaft: Frau Kolesnik, warum hat sich Uniq entschieden, einen Feelgood-Manager einzustellen?
Martina Kolesnik: Mit › Urlaubsguru.de fing im Sommer 2012 alles an. Die beiden Gründer Daniel Krahn und Daniel Marx arbeiteten anfangs ganz allein an dem Projekt, später kamen die ersten Mitarbeiter hinzu. Im kleinen Kreis konnte man abends ab und an noch einmal etwas trinken gehen oder gemeinsame Aktivitäten starten. Mit heute mehr als 100 Angestellten wird das schwieriger. Als die Gründer mit einer Wirtschaftsdelegation im Silicon Valley unterwegs waren, haben sie diese besondere Art des Feelgood-Managements in Unternehmen kennen- und schätzen gelernt. Die Schaffung der Stelle eines Feelgood-Managers geht auch auf diese Reise zurück.

Herr Risse, Sie sind seit September 2014 bei Uniq als Feelgood-Manager beschäftigt. Wie lautet Ihr Arbeitsauftrag?
Bastian Risse: Es geht vor allem darum zu vernetzen und soweit wie möglich den familiären Charakter im Unternehmen zu bewahren. Wir stellen jeden Monat bis zu zehn neue Kollegen ein. Da fällt es schon schwer, jeden einzelnen kennenzulernen. Wir sind ein internationales Unternehmen und es kommen viele neue Kollegen aus dem europäischen Ausland zu uns. Hier ist es wichtig, Starthilfe im neuen Land zu leisten und einen guten Einstieg ins Unternehmen zu sichern. Außerdem bin ich Ansprechpartner für das Team, wenn es um Ideen, Probleme oder Wünsche für Team-Events geht.

Welche typischen Aufgaben bringt der Job mit sich?
Bastian Risse: Die Aufgaben sind insgesamt sehr abwechslungsreich. Zurzeit bin ich vor allem mit Feedback-Gesprächen beschäftigt. Wir führen diese Gespräche zweimal im Jahr durch und versuchen, durch die Rückmeldungen des Teams die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern. Zudem stehe ich mit zukünftigen Kollegen bereits vor dem ersten Arbeitstag in Kontakt. Wir wollen, dass jeder einen entspannten Einstieg in den neuen Job hat. Des Weiteren organisiere ich gemeinsam mit anderen Kollegen eine Vielzahl von Firmen-Events.

Eine eigene Stelle für die Pflege der Unternehmenskultur und für die Stimmung im Team – Rechnet sich diese Investition denn betriebswirtschaftlich?
Martina Kolesnik: Das kommt sicher auf das Unternehmen an. Wenn es wie bei uns um kreative Berufe und eine hohe Mitarbeiterzahl geht, muss jeder Angestellte im Durchschnitt nur ein bis zwei Prozent mehr Leistung erbringen, damit sich die Stelle bezahlt macht. Letztlich geht es auch darum, Prioritäten zu setzen. Für uns hat die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter eine hohe Priorität.

Viele Aspekte solch einer Stelle sind betriebswirtschaftlich auch nur schwer zu erfassen. Unser Fazit fällt aufgrund eines sinkenden Krankenstands, eine höhere Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen und mehr Bewerbungen von passenderen Kandidaten durchgehend positiv aus.

Martina Kolesnik, HR-Managerin bei Uniq; Bild: Uniq/Nauditt
Martina Kolesnik, HR-Managerin bei Uniq; Bild: Uniq/Nauditt

Was leistet ein Feelgood-Manager, das eine Personalabteilung nicht leisten kann?
Martina Kolesnik: Ich würde nicht sagen, dass engagierte Mitarbeiter der Personalabteilung das nicht auch leisten können. Viele Dinge, die Bastian übernimmt, erledigen in anderen Firmen auch Personaler und schließlich ist unser Feelgood-Manager dem HR-Team zugeordnet. Ich finde aber schon wichtig, dass das Thema Feelgood-Management schwerpunktmäßig bei einem Mitarbeiter verankert ist. Früher sprach man gern von “der guten Seele” der Firma. Diesem zentralen Fixstern im Team wollen wir mit einer eigenen Stelle besondere Bedeutung beimessen.

Es gibt zudem viele Dinge, um die wir HRler uns allein nicht kümmern könnten: Veranstaltungen planen, durchführen und evaluieren oder jederzeit Ansprechpartner für alle Mitarbeiter sein, auch bei privaten Problemen. Gerade das kommt bei Firmen oft zu kurz. Ich glaube, dass Personalverantwortliche diese Aufgabe niemals in ihrer Gesamtheit so übernehmen könnten wie ein eigens damit betrauter Feelgood-Manager.

Die Rolle hat aber sicherlich auch ihre Grenzen. Bei welchen Problemen kann selbst ein Feelgood-Manager nichts ausrichten?
Bastian Risse: Es gibt natürlich einige Situationen, in denen ich machtlos bin. Schwere Krankheiten oder Todesfälle in der Familie eines Mitarbeiters zum Beispiel. Dann bin ich als Kumpel gefragt und biete den Kollegen gern eine Schulter zum Anlehnen, ich höre zu und gebe vielleicht eine Zweitmeinung ab. Zudem versuche ich auch bei dienstlichen Dingen, die vielleicht nicht so angenehm sind, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, zu vermitteln und Wege aufzuzeigen. Ich bin für jeden jederzeit da; Das wissen alle sehr zu schätzen.

Einige Menschen können mit dem Begriff wenig anfangen. Wie lautet das nervigste Vorurteil über Ihren Job?
Bastian Risse: Einige Leute denken, dass man mit einer roten Clownsnase durch das Büro läuft. Außerdem wird oft vermutet, dass Unternehmen mit einem Feelgood-Manager beabsichtigen, ihre Mitarbeiter zu Überstunden zu motivieren. Sicherlich gibt es da auch einige schwarze Schafe, bei uns wird jedoch jede einzelne Arbeitsstunde festgehalten und ausgeglichen oder entlohnt.

Was war Ihr bisheriges Feelgood-Highlight?
Bastian Risse: Vor allem große Feste wie die Weihnachtsfeier, Karneval oder das Sommer- und Oktoberfest bleiben in Erinnerung. Etwas Besonderes war aber auch die Eröffnung der ersten Praktikanten-WG: Zwei Praktikanten wurde damals von ihrem Vermieter recht kurzfristig gekündigt und die beiden wussten nicht, wo sie unterkommen sollten. Ich habe schnell eine Wohnung für sie organisiert, die dann unser Unternehmen angemietet hat. Heute unterhalten wir drei solcher Firmen-Wohngemeinschaften.

Feelgood-Manager sind nicht zuletzt ein Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte. Wie macht sich die Stelle im internen und externen Personalmarketing bemerkbar?
Martina Kolesnik: Aus der Belegschaft erreicht uns immer wieder das Feedback, dass Bastian ein wichtiger Ansprechpartner ist. Er ist Bindeglied zwischen Mitarbeitern, Teamleitern und Geschäftsführung. Extern ist er zu einem Botschafter unserer Unternehmenskultur geworden, etwa mit Referaten an Hochschulen und in der Zusammenarbeit mit unserer PR- und Marketing-Abteilung. Eine Folge dieser Arbeit ist eine deutlich gestiegene Zahl von Bewerbungen hoher Qualität. Uns ist vor allem die externe Wahrnehmung als mitarbeiterorientiertes Unternehmen wichtig. Die IHK und die lokale Wirtschaftsförderung sind derart begeistert, dass unser Beispiel Schule machen soll. Außerdem hat Uniq das Personalmanagement Prädikat “New Deals” erhalten und wurde als familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet. Das alles geht auch auf die Schaffung der Stelle des Feelgood-Managers zurück.

Das Interview führte Christoph Bertram.

Hinweis: In der › Dezemberausgabe der Personalwirtschaft beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema Feelgood-Manager.