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Familienunternehmen – werteorientiert, aber wenig innovativ?

Älterer mit jüngerem Mann und jüngerer Frau
Die Deutschen schreiben Familienunternehmen vor allem Werte wie Verantwortlichkeit zu.
Foto: © Minerva Studio/StockAdobe

Die Familienunternehmen in Deutschland haben bei der Bevölkerung einen guten Ruf. In Sachen Wirtschaft- lichkeit und bei Zukunftsthemen trauen die Bürger den inhabergeführten Betrieben jedoch weniger zu als Konzernen.

Familienunternehmen stellen hierzulande 58 Prozent der Arbeitsplätze und erwirtschaften 52 Prozent des Gesamtumsatzes. Doch welches Image haben sie bei in der Bevölkerung? 87 Prozent der Deutschen bewerten die Aufstellung von Familienunternehmen als Arbeitgeber mit sehr gut oder eher gut. Damit liegen diese Unternehmen vor Konzernen (80 Prozent), Startups (79 Prozent), Öffentlicher Hand (75 Prozent) und Nichtregierungsorganisationen (66 Prozent). Als Wunscharbeitgeber bevorzugen die Deutschen allerdings die öffentliche Hand (30 Prozent), gefolgt von Familienunternehmen (28 Prozent), Konzernen (18 Prozent), Startups (14 Prozent), Nichtregierungsorganisationen (acht Prozent) und sonstigen Arbeitgebern (zwei Prozent). Azubis und Studenten hingegen würden am liebsten bei einem Start-up anfangen. Das zeigt eine Befragung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1000 Bundesbürgern. Im Einzelnen wurden die Studienteilnehmer zu fünf Themenbereichen befragt, die laut PwC zur Reputation von Unternehmen beitragen.

Wirtschaftliche Performance

Was die wirtschaftliche Stärke betrifft, so stehen Familienunternehmen aus Sicht der Deutschen deutlich schlechter da als Konzerne. So bescheinigen lediglich drei Prozent Familienunternehmen Marktmacht, bei Konzernen sind es 73 Prozent. Auch hinsichtlich der Rendite (zehn versus 59 Prozent), internationaler Wettbewerbsfähigkeit (fünf gegenüber 70 Prozent) und Krisensicherheit (neun versus 31 Prozent) sind Familienunternehmen in den Augen der Bevölkerung unterlegen.

Attraktivität als Arbeitgeber

Als Arbeitgeber können Familienunternehmen mit einigen Vorteilen punkten. Für sie spricht aus Sicht der Befragten zunächst vor allem die regionale Verwurzelung (62 Prozent). 49 Prozent bescheinigen ihnen einen wertschätzende Umgang mit Mitarbeitern, den lediglich sieben Prozent auch Konzernen zuschreiben. 30 Prozent bestätigen Familienunternehmen flache Hierarchien, von denen bei Konzernen nur fünf Prozent ausgehen. Anders sieht es bei “harten Fakten” aus: Internationale Karrierechancen sehen die Deutschen eher bei Konzernen (62 Prozent gegenüber vier Prozent bei Familienunternehmen) ebenso wie attraktive Gehälter und Karrieremöglichkeiten (jeweils 51 versus acht Prozent). Auch die Weiterbildungsmöglichkeiten (48 gegenüber sechs Prozent) und der Standort (45 im Vergleich zu elf Prozent) werden bei Konzernen deutlich besser eingeschätzt. Nur sieben Prozent halten Familienunternehmen für innovationsstark, während es bei Konzernen 28 Prozent sind. Lediglich sechs Prozent der Befragten bringen Familienunternehmen mit Digitalisierung und Technologie in Verbindung gegenüber 45 Prozent bei Konzernen. In den letzten Aspekten bewerten gerade jüngere Bürger Familienunternehmen noch kritischer.

Managementqualitäten

Auch der Ruf des Managements von Familienunternehmen ist nach Ansicht der Deutschen durch traditionelle Werte geprägt wie Verantwortungsbewusstsein, Werteorientierung und Sympathie. Weniger gut bewerten sie Durchsetzungsstärke, Innovationskraft und strategisches Denken der Führungskräfte. Auch glauben nur 20 Prozent, dass Familienunternehmen langfristig denken, während 41 Prozent diese Kompetenz Konzernen zutrauen.

Produkt- und Servicequalität

Nach Ansicht der Bundesbürger stehen Familienunternehmen hinsichtlich der Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen mit 41 Prozent besser da als Konzerne mit 25 Prozent. Auch die Kunden- und Zielgruppenorientierung bewerten sie bei Familienunternehmen deutlich besser, während sie Konzernen eher Warenvielfalt und innovative Produkte zuschreiben.

Gesellschaftliche Verantwortung

Familienunternehmen haben in der Bevölkerung eher den Ruf, fair gegenüber Lieferanten und Geschäftspartnern zu sein als Konzerne (40 versus zwölf Prozent), sich für Projekte in ihrer Heimat einzusetzen (36 gegenüber 21 Prozent) und nachhaltig zu wirtschaften (27 Prozent im Vergleich zu 18 Prozent). Dass Familienunternehmen neue Arbeitsplätze schaffen, denken jedoch nur 21 Prozent (bei Konzernen 36 Prozent), ähnlich sieht es bei Ausbildungsplätzen aus (14 gegenüber 31 Prozent).

Darüber hinaus sehen die Bürger bei Familienunternehmen eher das Hochhalten von Kultur und Werten als bei Konzernen (45 versus sieben Prozent), mehr Steuerehrlichkeit (35 gegenüber elf Prozent) und Integrität (33 im Vergleich zu 18Prozent).

Unter den deutschen Familienunternehmen sind viele Weltmarktführer, die in der Öffentlichkeit aber kaum in Erscheinung treten,

kommentiert Uwe Rittmann, Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC, die Befragungsergebnisse. Gerade im War for Talents werde es immer wichtiger, dass Familienunternehmen – darunter viele Hidden Champions – ihre Bescheidenheit ablegen und ihre Stärke offensiver verkaufen.

Sämtliche Studienergebnisse gibt es > hier zum Download.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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