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Fast drei Viertel der Studenten wollen später Kinder

Flexible Arbeitszeitmodelle erleichtern die Entscheidung für Kinder.
Foto: © Jürgen Fälchle/Fotolia.com
Flexible Arbeitszeitmodelle erleichtern die Entscheidung für Kinder.
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In keinem anderen Land ist die Geburtenrate inzwischen derart niedrig wie in Deutschland. Das zeigte jüngst eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Dabei betrachteten die Forscher nicht die Zahl der Geburten pro Frau – wobei Deutschland auch hier in der unteren Skala liegt, wenngleich nicht an letzter Stelle weltweit –, sondern die Zahl der Geburten pro tausend Einwohner. Danach liegt die Bruttogeburtenziffer bei 8,28, noch hinter der von Japan mit 8,36.

Akademiker verzichten eher auf den Traumjob als auf Nachwuchs

Trotz der niedrigen Geburtenrate hierzulande plant der Großteil der Studierenden Kinder fest mit ein. Für 70 Prozent sind eigene Kinder oder eine eigene Familie wichtiger als der Traumjob. Grundsätzlich schließen lediglich sechs Prozent der Frauen und acht Prozent der Männer Kinder in ihrer Lebensplanung vollkommen aus. Selbst bei Aussicht auf den Traumjob würde nur knapp jeder dritte Student und jede vierte Studentin auf Nachwuchs verzichten wollen.

Lieber erst Berufserfahrung sammeln und dann Eltern werden

Über 70 Prozent der künftigen Akademiker haben bereits konkrete Vorstellungen, wann sie Kinder planen: Gut ein Drittel – 37 Prozent – würde der Familienplanung zunächst gern einige Jahre im Job voranstellen, von den Frauen möchten sogar 45 Prozent erst einige Jahre im Beruf sein. Acht Prozent wünschen sich Kinder nach der Probezeit im Job, sieben Prozent direkt nach dem Studienabschluss und nur zwei Prozent wollen schon während des Studiums Kinder bekommen. Das zeigt der Unicensus kompakt, eine deutschlandweite Umfrage des Personaldienstleisters Univativ. Dafür wurden im Mai und Juni dieses Jahres 1.742 Studenten und Studentinnen zum Thema Kinder- und Karriereplanung befragt.

Frauen sorgen sich vor allem um die Karriere, Männer ums Geld

Wenn es darum geht, was den Studierenden im Hinblick auf die Vereinbarung von Job und Kindern die größten Sorgen macht, zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede: Weibliche Studenten haben die meiste Angst vor einem möglichen Karriereknick, 25 Prozent der Befragten geben dies an. 20 Prozent stellen sich besorgte Fragen wegen der Kinderbetreuung und 17 Prozent befürchten finanzielle Einschränkungen durch die Familiengründung. Bei den Männern steht die Furcht vor den finanziellen Einbußen mit 21 Prozent an erster Stelle. Auf Platz zwei der erwarteten Probleme landet bei ihnen mit 17 Prozent der Faktor Betreuung. Erst an dritter Stelle folgt mit 15 Prozent die Angst vor einem Karriereknick. An der unterschiedlichen Priorisierung zeigt sich, dass klassische Rollenbilder immer noch Bedeutung haben.

Beruf und Familie: Arbeitgeber sollten die Rahmenbedingungen schaffen

Allerdings machen sich immerhin 30 Prozent der befragten Frauen und 37 Prozent der Männer gar keine großen Sorgen um die Familienplanung. Damit aber nach dem Berufseinstieg keine Ernüchterung folgt, müssten Politik und Wirtschaft noch mehr für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun, fordert Olaf Kempin, Co-Geschäftsführer von Univativ:

Wenn Arbeitgeber die richtigen Voraussetzungen schaffen, damit die Pläne der Studierenden nicht an den Gegebenheiten der Realität im Berufsleben scheitern, zum Beispiel indem sie auf flexible Arbeitszeitmodelle setzen, dann sollte es keine Wahl mehr geben müssen zwischen Kindern und Karriere.

Weitere Informationen unter:
www.unicensus.de