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Wie viel Freiheit wollen Mitarbeitende bei der Arbeit haben?

Brian Elliott, Executive Leader des Future Forums von Slack, hat gemeinsam mit seinem Team erforscht, wie viel Flexibilität sich Mitarbeitende zukünftig wünschen. (Foto: Slack)
Brian Elliott, Executive Leader des Future Forums von Slack, hat gemeinsam mit seinem Team erforscht, wie viel Flexibilität sich Mitarbeitende zukünftig wünschen. (Foto: Slack)

Wie viel Flexibilität soll es zukünftig in der Arbeitswelt geben? Darüber sind sich Führungskräfte und Mitarbeitende uneinig. Während sich Mitarbeitenden ihre meist durch die Pandemie gewonnenen Freiheiten auch in Post-Corona-Zeiten aufrechterhalten wollen, halten Führungskräfte deutlich stärker an Präsenzarbeit und strikten Arbeitszeiten fest. Das geht aus der neuen Studie des Future Forums des Instant-Messaging-Dienstes Slack hervor.

Für die Studie wurden rund 10.000 Wissensarbeitende aus den USA, Großbritannien, Australien, Frankreich, Japan und Deutschland dazu befragt, wie die für sie perfekte zukünftige Arbeitswelt aussehen soll. Zudem richteten die Studienverfasser Dialogrunden unter Führungskräften ein, bei denen sich diese über Herausforderungen und ihre Vorstellungen vom Arbeiten der Zukunft austauschten.

76 Prozent möchten ortsflexibel arbeiten

Eine Erkenntnis daraus: “Die Pandemie hat die Erwartungen an die Art, wie wir arbeiten, verändert”, sagt Brian Elliott, Executive Leader des Future Forums. “Flexibilität – sowohl was den Arbeitsort und die -zeit angeht – ist für Unternehmen im War for Talents entscheidend geworden.” 76 Prozent der Mitarbeitenden möchten laut den Studienergebnissen zukünftig ortsflexibel arbeiten. In Deutschland sind dies sogar 81 Prozent. Nur 24 Prozent der Mitarbeitenden wollen zurück zur 5-Tage-Präsenzwoche. In der Bundesrepublik ist im Ländervergleich vor allem die Gruppe an Beschäftigten groß, die ein Sowohl-als-auch präferieren und zwei bis drei Tage pro Woche im Büro und den Rest der Zeit von zu Hause aus arbeiten möchten.

Die Führungskräfte haben eine andere Wunschvorstellung. 68 Prozent der weltweiten Führungskräfte möchte die meiste Zeit oder immer vom Büro aus arbeiten. Von dieser Gruppe geben 59 Prozent an, dass ihr Unternehmen plane, die Mitarbeitenden überwiegend oder die gesamte Arbeitswoche ins Büro zurückzuholen. Diese Diskrepanz wird HR beschäftigen.

Wie auch der Wunsch der Mitarbeitenden nach zeitlicher Flexibilität. 96 Prozent der befragten Beschäftigten in Deutschland möchten frei entscheiden können, wann sie ihrer Arbeit nachgehen. 69 Prozent der Befragten wären damit zufrieden, einige festgelegte Stunden synchron mit ihren Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten und die restliche Arbeitszeit selbst auswählen zu können.

Unterschiedliche Erlebnisse in der Pandemie

Die Differenz zwischen den Vorstellungen der Führungskräfte und denen der Mitarbeitenden sei auf die unterschiedlichen Erfahrungen zurückzuführen, die beide Gruppen in den vergangenen Monaten gemacht haben. Die meisten Führungskräfte haben es laut Elliott leichter gehabt, im Homeoffice ungestört zu arbeiten und hatten zudem bereits zuvor eine größere Autonomie und mehr Flexibilität in ihrem Arbeitsalltag. Für sie habe sich folglich zum einen nichts verändert, zum anderen haben sie kein größeres Bedürfnis nach flexiblem Arbeiten erlebt. Das alles habe sie daran erinnert, wie sie sich selbst beruflich weiterentwickelt haben. Dies war vor Ort und nicht remote geschehen. Aufgrund eigener Erfahrungen sei die Präsenzarbeit deshalb für sie effizient. Hinzu komme, dass Führungskräfte in der Regel bessere Voraussetzungen im Büro vorfinden – beispielsweise Einzelbüros, während Mitarbeitende oft in offenen Räumen arbeiten müssen.

Der Großteil der Mitarbeitenden habe hingegen oftmals Arbeit und Familienverpflichtungen sowie Haushalt mit der Arbeit unter einen Hut bringen müssen. Allerdings hätten viele von ihnen auch selbstbestimmter arbeiten können, womit die Vorteile von Flexibilität als positiv und essenziell für die Work-Life-Balance wahrgenommen wurde.

Welche Vorstellung sich am Ende durchsetzen wird, sei auch vom War for Talents beeinflusst. Denn: 57 Prozent der weltweit und 53 Prozent der in Deutschland befragten Büroangestellten sind bereit, sich beruflich neu zu orientieren, wenn ihre Erwartungen von Flexibilität bei der Arbeit nicht erfüllt werden.

Damit Führungskräfte und Mitarbeitende zukünftig beide zufrieden mit der Arbeitsweise sind, sind laut Elliott vor allem folgende Dinge wichtig: Führungskräfte können nicht einfach die Entscheidung darüber, wie in Zukunft gearbeitet wird, alleine treffen. “Derzeit lässt sich eine Situation beobachten, die wir Bestätigungsfehler nennen”, sagt Elliott. “Nur zwei Drittel der Führungskräfte beziehen Mitarbeitende mit in die Entscheidung ein, wie flexibel zukünftig gearbeitet werden soll.” Das könne Konsequenzen nach sich ziehen: Unternehmen, die ihre Mitarbeitende in den Prozess einbeziehen, erzielen ein höheres Engagement dieser und die Wahrscheinlichkeit ist geringer, dass Mitarbeitende das Unternehmen verlassen.

Wichtig sei auch, dass Zukunftspläne transparent kommuniziert werden, was momentan nicht der Fall sei. Während etwa zwei Drittel der Führungskräfte davon überzeugt sind, dass sie ihre Post-Corona-Pläne transparent kommunizieren, sehen das nur 42 Prozent der Mitarbeitenden so. “Die kommunizierten Inhalte scheinen nicht anzukommen”, sagt Elliott. In der Debatte um mehr Flexibilität sei es zudem essenziell, den Fokus auf den Output und nicht den Input zu legen. “Wir müssen den Führungskräften beibringen, wie sie ihre Mitarbeitenden nicht anhand der Stunden beurteilen, die sie in ein Projekt investieren, sondern anhand des Endprodukts”, so Elliott.

Kernzeiten für synchrone Arbeit

Als zukünftigen Trend sieht der Executive Leader des Future Forums das flexible Arbeiten in einem Rahmen. “Die Meisten möchten zu einer fixen Zeit gemeinsam mit den Kollegen arbeiten und diese ab und zu sehen”. “Nur eben nicht mehr 8 Stunden fünfmal in der Woche.” Um diesem Bedürfnis nachzukommen, müsse eine Balance zwischen den Wünschen der einzelnen Mitarbeitenden und denen des Teams gefunden werden. Diese Balance sollte jedes Team individuell herstellen. Das könne beispielsweise in Form von Kernarbeitszeiten und Tagen, an denen sich alle im Büro treffen, geschehen. Um die Flexibilität innerhalb eines Rahmens zu finden, sei aber vor allem eines nötig: das Gespräch zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.