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Fluch oder Segen für Manager?

Kopfloser Manager mit digitalem Gehirn
Wird Künstliche Intelligenz zum Assistenten oder macht sie Manager überflüssig?
Foto: © Jakub Jirsák/Fotolia.de

Über konkrete Erfahrungen mit Künstlicher Intelligenz verfügt bisher jeder vierte Manager in Deutschland: 14 Prozent setzen KI in ihrem Unternehmen bereits ein, elf Prozent haben erste Erfahrungen gemacht. Zwölf Prozent geben an, mit den Möglichkeiten der KI gut vertraut zu sein.

Die meisten Manager akzeptieren KI als Entscheidungshilfe

Mit 92 Prozent würde die große Mehrheit der Führungskräfte in Deutschland KI-Software bei strategischen Entscheidungen mit einbeziehen, jedenfalls als Vorbereitung. So würden sie eine nach rationalen Gesichtspunkten optimale Lösung von der Software ermitteln lassen, die endgültige Entscheidung jedoch selbst treffen. Aus der Sicht vieler Manager hat die Leistungsfähigkeit von KI-Systemen Grenzen. Grundsätzliche Vorbehalte gegenüber der KI und fehlendes Vertrauen haben jedoch nur neun Prozent der Führungskräfte. Das zeigt eine neue Studie von > LAB & Company und der Technologiemanagement-Expertin der Universität Kassel, Prof. Dr. Sabrina Schneider. Dafür wurden branchenübergreifend rund 200 Führungskräfte befragt, knapp die Hälfte gehört den höchsten Entscheidungsgremien in Unternehmen (Vorstand, Geschäftsführung oder Aufsichtsrat) an.

Ist Künstliche Intelligenz die bessere Führungskraft?

Gefragt danach, ob KI der bessere Manager sei, sagten immerhin neun Prozent, dies treffe zu. Jeder Vierte (25 Prozent) findet, es treffe eher zu und 41 Prozent antworteten mit “teils-teils”. 23 Prozent halten es für eher nicht zutreffend und nur zwei Prozent finden es überhaupt nicht zutreffend.

Man ist sich durchaus der Tatsache bewusst, dass wir im Extremszenario die Selbstabschaffung des Managements und im Fall der Beratungsindustrie sogar eines großen Teils der Branche diskutieren,

sagt Marcel Ramin Derakhchan, Managing Partner von LAB & Company. Die Frage, welche Rolle die KI künftig spielen wird, rühre dabei dramatisch an das Selbstverständnis der Führungskreise im Unternehmen, denn im Kontext der Automatisierung und Digitalisierung verenge der Vormarsch der KI die Grenzen der bislang ausschließlich menschlichen Domäne strategischer Entscheidungen. Das sorge zum Teil für eine sehr emotionale Auseinandersetzung mit den Grenzen der KI.

Skeptiker, Pragmatiker und Optimisten

Insgesamt lassen sich die befragten Manager in drei Gruppen einteilen, die KI-Skeptiker, -Pragmatiker und -Optimisten. Die Skeptiker sagen, Algorithmen würden niemals bessere Entscheidungen treffen können als Menschen; es fehle der KI an Kreativität und Empathie. Die Pragmatiker denken, dass sich Erfahrung und Bauchgefühl durch intelligente komplexe Algorithmen unterstützen, aber (noch) nicht ersetzen lassen. Die Optimisten sagen, KI sei schon heute in der Lage, komplexe strategische Entscheidungen zu fällen. Algorithmen würden in Zukunft ebenso wichtig sein wie die Meinung des CEO. Zu den weiterhin genannten Kritikpunkten gehört, dass sich KI nur auf quantitative Faktoren fokussiere und unfähig sei, indirekte Entscheidungsfolgen abzuschätzen.

Bisher eher eine Glaubensangelegenheit

Derakhchan gibt zu bedenken, dass den Führungskräften oft Anwendungsbeispiele fehlten, die eine objektive Validierung der eigenen Vorstellungen ermöglichten. Gerade im Management sei die künstliche Intelligenz bislang überwiegend eine Glaubensangelegenheit. Auf jeden Fall müssten sich die Unternehmen angesichts des rasanten technischen Fortschritts bei der KI schnell die Frage stellen, was diese Entwicklung für ihre Organisations- und Personalstrategie konkret bedeutet und welche Strukturen und Fähigkeiten sie in einer Zukunft brauchen werden, in der die KI allgegenwärtig sei.