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Frauen sind erfolgreicher, aber…

Weibliche Vorstände fahren mehr Erfolg ein. Nur nach oben zu kommen bleibt schwer. Ist die Frauenquote der richtige Weg? Foto: © Gina Sanders/Fotolia.de
Weibliche Vorstände fahren mehr Erfolg ein. Nur nach oben zu kommen bleibt schwer. Ist die Frauenquote der richtige Weg? Foto: © Gina Sanders/Fotolia.de

Zu dieser Erkenntnis kommt eine aktuelle Studie anhand unkonventioneller Untersuchungsmethoden.

Seit dem 1. Januar 2016 ist sie verpflichtend, die Frauenquote, die allerdings bisher nur für die 101 börsennotierten Unternehmen in Deutschland gilt. Danach müssen sie 30 Prozent ihrer Aufsichtsratsmandate mit Frauen besetzen.

Ursache und Wirkung noch unerforscht

Doch erstens ist bisher kaum etwas geschehen und zweitens ist das vielleicht gar nicht nötig: Anleger beurteilen die Leistungen der wenigen Frauen, die sich ohne Quote bis an die Spitze durchkämpfen konnten, besser als die Arbeit der vielen männlichen Kollegen. Das geht aus einer Studie von Ökonomen der Technischen Universität München (TUM) und der University of Hong Kong hervor. Ob die Unternehmen nun erfolgreicher sind, weil sie weibliche Vorstände haben oder ob sich erfolgreiche Firmen häufiger Frauen auf den Chefsessel holen, wurde allerdings wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt, da viele Studien Ursache und Wirkung nicht zweifelsfrei bestimmen konnten.

Für ihre Studie setzten die Forscher eine ungewöhnliche und etwas makabre Methode ein: Dr. Daniel Urban von der TU München und Prof. Thomas Schmid von der University of Hong Kong untersuchten in 51 Ländern, wie sich die Aktienkurse von Unternehmen entwickelten, nachdem Mitglieder des Vorstands oder des Aufsichtsrats durch Tod oder Krankheit ausgeschieden waren. Um den Einfluss des Frauenanteils auf den Unternehmenserfolg zu untersuchen, betrachteten sie rund 3.000 Fälle, in denen es von 1998 bis 2010 keine Frauenquote gab, um solche Wirkungsfaktoren zu minimieren.

Wenn Männer nachrücken, fällt der Kurs am stärksten

Die Studie zeigt, dass nach einem plötzlichen Ausscheiden von Managerinnen der Aktienkurs durchschnittlich um zwei Prozent sank. Wurde eine Frau durch einen Mann ersetzt, sank der Kurs sogar um drei Prozent. Schied dagegen ein Mann aus, gab es gar keinen Effekt und die Aktien hielten ihren Wert.

Frauen, die nicht durch Quoten in die Führungsgremien gelangt sind, tragen also mehr zum Wert der Unternehmen bei als Männer,

lautet ein Fazit, das Daniel Urban aus der Studie zieht.

Frauen müssen besser sein, um aufzusteigen

Diese Ergebnisse sprechen zwar für das weibliche Geschlecht, doch es ist ein dicker Wermutstropfen dabei: Frauen müssen härter arbeiten als Männer, um in Führungspositionen zu kommen. Was oft vermutet wurde, das belegt nämlich ein anderer Untersuchungsaspekt der Studie. Danach trauen Aktionäre den Frauen durchaus nicht per se mehr zu. Vielmehr ist es offenbar so, dass sie die konkreten Leistungen der Führungskräfte beurteilen. Die Forscher fanden dies heraus, indem sie den jeweiligen Frauenanteil der Vorstände und Aufsichtsräte in den untersuchten Ländern einbezogen. Dieser betrug beispielsweise nur drei Prozent in Japan, acht Prozent in den USA, aber 20 Prozent auf den Philippinen. In Ländern, in denen es Frauen besonders schwer hatten, auf eine Führungsposition zu gelangen, waren die Kursverluste bei ihrem Ausscheiden größer. Hier wirkt laut Urban der harte Auswahlprozess: Die Frauen müssten deutlich bessere Leistungen zeigen als ihre männlichen Kollegen. Entsprechend groß sei die Wirkung, wenn sie ausscheiden.

Empfehlung: lieber gleiche Maßstäbe statt Quoten

Die Ökonomen sprechen Unternehmen angesichts dieser Ergebnisse zwei Empfehlungen aus: Die Firmen sollten die Auswahl ihrer Führungskräfte verbessern und sie sollten vor allem für beide Geschlechter dieselben Maßstäbe anlegen. Zugleich sprächen die gewonnenen Erkenntnisse gegen eine Frauenquote. Schon frühere Studien hätten belegt, dass sich in Norwegen nach der Einführung einer Frauenquote für Aufsichtsräte der Erfolg der betreffenden Unternehmen verringerte. Die Quote, so Urban, habe dazu geführt, dass nicht immer die besten Führungskräfte ausgewählt worden seien.

Offene Fragen

Die Erkenntnisse der Untersuchung dürften Wasser auf die Mühlen all jener sein, die sich schon immer gegen Quoten ausgesprochen haben. Darunter befinden sich jedoch nicht nur Gestrige, die sich hartnäckig gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter sträuben, sondern auch viele Frauen, die diese Art des Aufstiegs mit einem Stigma behaftet sehen und selbst lieber Karriere machen wollen, ohne sich als “Quotenfrau”  abgewertet zu fühlen. Warum Unternehmen allerdings strengere Anforderungen an Frauen stellen, bevor diese es in höhere Führungspositionen schaffen und ob sie sich an die Empfehlungen der Wissenschaftler halten werden, mehr Gerechtigkeit walten zu lassen, bleibt offen…

Die Studie “Women on Corporate Boards: Good or Bad? American Finance Association 2016 San Francisco Meetings Paper” steht > hier zum Download zur Verfügung.