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Frauenquote hinkt den Vorgaben noch stark hinterher

Für die Erfüllung der Frauenquote müssen börsennotierte Unternehmen noch Hausaufgaben machen. 
Bild: © B. Wylezich/Fotolia.com
Für die Erfüllung der Frauenquote müssen börsennotierte Unternehmen noch Hausaufgaben machen.
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Ab dem 1. Januar 2016 müssen in den Aufsichtsräten der derzeit 105 börsennotierten Unternehmen mindestens 30 Prozent Frauen vertreten sein. Die feste Quote gilt für Firmen, die sowohl börsennotiert als auch paritätisch mitbestimmt sind. In diesen Aufsichtsräten sitzen Vertreter des Kapitals, also die Anteilseigner, und Vertreter der Arbeitnehmer. Allerdings erfüllen bislang nur 22 Firmen die Quote, das ist lediglich ein Fünftel. Und das auch nur, weil sich auf Arbeitnehmerseite mehr Frauen in den Aufsichtsräten befinden, als das Gesetz vorgibt. Insgesamt fehlen in den Aufsichtsräten Anfang des kommenden Jahres 171 Frauen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung.

Erst in acht Unternehmen erfüllen beide Seiten die 30 Prozent

In elf der 22 Unternehmen, die die Geschlechterquote bereits erfüllen, gleicht die Arbeitnehmerseite das Defizit an Frauen auf der Kapitalseite aus, sonst wäre die Lücke noch größer. Umgekehrt gilt das nur in drei Firmen. Auf beiden Seiten zu mindestens 30 Prozent vertreten sind Frauen heute lediglich in den folgenden acht Unternehmen: Adidas, Allianz, Cewe, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, Henkel, Kabel Deutschland und Siemens.

In jedem fünften Aufsichtsrat sitzen nur männliche Aktionäre

Auf Seiten der Kapitaleigner sind heute nur 25 Posten entsprechend der künftigen Frauenquote besetzt; auf der Seite der Arbeitnehmer sind es 39. Gleich stark vertreten sind Männer und Frauen bei den Aktionären lediglich in zwei Unternehmen, während es auf den Arbeitnehmerbänken in 14 Firmen der Fall ist. Dagegen sind rein männlich besetzte Gremien auf der Kapitalseite wesentlich häufiger: Es gibt 21 Aufsichtsräte, in denen nur männliche Anteilseigner sitzen. Auf Arbeitnehmerseite haben nur elf Aufsichtsräte kein weibliches Mitglied.

Im Extremfall würden noch mehr weibliche Aufsichtsräte fehlen

Die Mindestquote von 30 Prozent gilt laut Gesetz zwar für den gesamten Aufsichtsrat, doch können Aktionäre und Arbeitnehmer darauf bestehen, dass jede der beiden Seiten für sich die 30-Prozent-Marke erreichen muss. Dazu ist vor der Wahl ein Widerspruch gegenüber dem Aufsichtsratsvorsitzenden notwendig. Würde das in allen 105 Unternehmen umgesetzt, stiege der Bedarf an zusätzlichen weiblichen Aufsichtsräten auf 204 an.

Die Studie steht > hier zum Download bereit.