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Frühzeitig die Weichen stellen

Die Rückkehr aus der Elternzeit sollte gut vorbereitet sein. Bild: Ervin Monn/Fotolia.de
Die Rückkehr aus der Elternzeit sollte gut vorbereitet sein. Bild: Ervin Monn/Fotolia.de

Es klang doch alles gut: Als Susanne Krämer * (Name von der Redaktion geändert) ihrem Arbeitgeber von ihrer geplanten Babypause erzählte, reagierte er positiv: “Wir unterstützen dich, wenn du wieder kommst. Reduziert arbeiten, vielleicht auch in Verbindung mit Heimarbeit, ist bestimmt möglich.”

Ein Jahr nach der Babypause klingen die Worte ihres Chefs für sie wie Hohn. Mehrmals hat die Projektleiterin eines Automobilzulieferers nach einem Gespräch mit ihm und auch der Personalabteilung gesucht – jedoch ohne Erfolg. Ständig wurde sie vertröstet – und bis heute hat sie noch keinen Job. So wie Susanne Krämer geht es vielen Arbeitnehmerinnen, die nach einer Familienpause in ihren Job zurückkehren wollen. Sie sind hoch motiviert, engagiert und wollen arbeiten – nur eben unter anderen Bedingungen, die für den Arbeitgeber häufig nicht passen beziehungsweise so nicht gewollt sind.

Familienfreundlichkeit nur auf dem Papier

Diese Situation überrascht auf den ersten Blick: Die zahlreichen Zertifizierungen und Qualitätssiegel, die unter anderem von der Hertie- oder der Bertelsmann-Stiftung verliehen werden, geben doch den Anschein: Es tut sich viel, da werden viele familienbewusste Maßnahmen umgesetzt. Ist das wirklich so?

Viele Führungskräfte in Unternehmen halten die praktizierte Familienfreundlichkeit immer noch für nachrangig. Das hat die Düsseldorfer Unternehmensberatung A.T. Kearney herausgefunden. Gemeinsam mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und dem Infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft hat sie rund 1.800 Beschäftigte in mehr als 400 Unternehmen befragt.

Viele Unternehmen verweisen demnach zwar auf zahlreiche Programme oder Anreizsysteme zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, doch von den Mitarbeitern werden sie vielerorts eher als Marketingwerkzeug denn als gelebte Unternehmenskultur wahrgenommen.

Mutterschaft als soziale Rolle wird gesellschaftlich zu wenig wertgeschätzt,

kritisiert Martin Sonnenschein, Zentraleuropachef der Düsseldorfer Unternehmensberatung. Besonders den Wiedereinstieg sehen viele Mitarbeiter laut der Umfrage als problematisch an: Nur rund 20 Prozent der Befragten beurteilen sowohl das Angebot an Heimarbeit als auch das Angebot für Kinderbetreuung als zufriedenstellend.

Doch genau hier hakt es in vielen Fällen: Wer seine Arbeit zeitlich nicht flexibel einteilen und keine Notfallbetreuung organisieren kann, wird schnell an seine Grenzen kommen. Viele berufstätige Frauen kennen diese Notfälle zu genüge: Das System mit Kita, Tagesmutter für Ferienzeiten der Kita oder Omabetreuung klingt gut. Doch was ist, wenn nur ein Rädchen im Getriebe ausfällt? Dann bricht das schöne System wie ein Kartenhaus zusammen.

Dass dem Wiedereinstieg oft die Frage der Kinderbetreuung in die Quere kommt, stellt auch Stefan Becker fest. Der Geschäftsführer der Beruf und Familie gGmbH hat die Erfahrung gemacht, dass sich gerade Mittelständler beim Angebot familiengerechter Maßnahmen zu große Barrieren setzen. Oft gehen sie von einem hohen finanziellen Aufwand aus und versperren ihren Blick für alternative Lösungen: “Der teure Betriebskindergarten muss ja gar nicht sein. Es gibt auch Einrichtungen mit Belegplätzen. Und warum schließen sich nicht mehrere Unternehmen zusammen, um gemeinsam eine Kita mit Ferienbetreuung aufzubauen?”

Eine Herausforderung für beide Seiten

Es ist keine Frage, dass nicht nur für den Mitarbeiter, sondern auch für die Unternehmen der Wiedereinstieg nach der Familienpause eine Herausforderung darstellt. Das fängt beim Erhalt der Qualifikation des Mitarbeiters während der Elternzeit an, über das Angebot einer adäquaten Stelle bis hin zu Angeboten wie Teilzeit oder Arbeit im Home Office. Auch betriebliche Abläufe lassen nicht immer mit letzter Sicherheit planen und verlangen gelegentlich nach Flexibilität der Beschäftigten.

Wie kann ein gelungener Kompromiss aussehen, der die Bedürfnisse beider Seiten berücksichtigt und den beruflichen Wiedereinstieg für Mütter oder Väter erleichtert? Folgende vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (www.bmfsfj.de) erarbeiteten Konzepte und Maßnahmen bieten interessante Möglichkeiten für den Wiedereinstieg:

Maßnahmen vor dem Wiedereinstieg

1) Mentoring- oder Patenprogramm
Dem Mitarbeiter in Elternzeit wird ein Mentor oder Pate zur Seite gestellt. Dies ist eine gute Möglichkeit, um Kontakt zu halten und den Mitarbeiter über aktuelle Entwicklungen im Unternehmen zu informieren. Der Mentor kann sowohl die Interessen der Beschäftigten (z.B. bei der Vergabe geeigneter Projekte) oder die des Unternehmens (z.B. das Angebot einer der Qualifikation entsprechenden Teilzeit-Stelle) kommunizieren.

2) Qualifikation erhalten
Weiterbildungsangebote während der beruflichen Auszeit unterstützen Mitarbeiter dabei, fachlich am Ball zu bleiben. Das motiviert den Mitarbeiter und hat auch finanzielle Vorteile für den Arbeitgeber: Die Einarbeitungszeit verkürzt sich, spätere Qualifizierungsmaßnahmen werden überflüssig.

3) Das Rückkehrgespräch
Um den Wiedereinstieg gemeinsam auszuloten, ist ein institutionalisiertes Rückkehrgespräch  zwischen einem Ansprechpartner aus der Personalabteilung und dem Mitarbeiter wichtig. Idealerweise sollte dabei auch der direkte Vorgesetzte des Beschäftigten eingebunden werden, um die Möglichkeiten einer Rückkehr an den bisherigen Arbeitsplatz und die zukünftigen Aufgabenbereiche gemeinsam zu besprechen. Das Rückkehrgespräch sollte einige Monate vor Ende der Elternzeit stattfinden und kurz vor dem tatsächlichen Einstieg wiederholt werden.

Maßnahmen nach dem Wiedereinstieg

1) Gestaltung der Arbeitszeit
Diese ist je nach betrieblichen und persönlichen Bedürfnissen individuell gestaltbar. Ob Halbtagsjob am Vormittag, am Nachmittag oder auch ein blockweiser Einsatz: Auf Teilzeit- oder Gleitzeitmöglichkeiten reagieren die Mitarbeiter in der Regel mit hoher Loyalität und Einsatzbereitschaft. Durch das Jobsharing  (sich einen Arbeitsplatz teilen) können zudem Teilzeitwünsche der Eltern in Einklang zum Beispiel mit den Kernarbeitszeiten des Unternehmens erfüllt werden.

2) Flexibilisierung des Arbeitsortes 
Mobiles Arbeiten als Ergänzung zur Arbeit im Büro ist als Angebot sehr hilfreich, insbesondere was die Organisation der Kinderbetreuung betrifft. Waren Home Office-Modelle vor einigen Jahren vorwiegend für computergestützte Tätigkeiten geeignet, lassen sich auch Fach- und Spezialisten-Tätigkeiten, wie ein Vertriebsjob, dank der heutigen IT gut von zuhause aus bewältigen.

3) Die Einarbeitung
Zur Einarbeitung gehören nicht nur regelmäßige Feedbackgespräche zu den Erfolgen und Herausforderungen im Wiedereinstiegsprozess. Auch Themen wie bewältigte und anstehende Aufgaben, die Zusammenarbeit im Team sowie Fragen zur Arbeitsorganisation sollten regelmäßig mit dem Vorgesetzten besprochen werden.

Sehen Unternehmen die Mütter oder Väter, die nach einer Babypause wiederkehren, weniger als Belastung, sondern als Investition in die Zukunft, stärkt das langfristig die Bindung zum Arbeitgeber – und davon profitieren beide Seiten.

Autorin: Annette Neumann, freie Journalistin

Linktipps

Im Netz gibt es zahlreiche Websites, die Informationen zum Wiedereinstieg von Eltern nach einer längeren Abwesenheit liefern. Hier eine kleine Auswahl:

www.perspektive-wiedereinstieg.de (für Unternehmen: z.B. Fördermöglichkeiten, für Wiedereinsteiger: Checkliste beruflicher Wiedereinstieg)
www.bmfsfj.de: Checkheft: Familienorientierte Personalpolitik für kleine und mittlere Unternehmen
www.beruf-und-familie.de
www.familienservice.de
www.mittelstand-und-familie.de
www.wiedereinstiegsrechner.de

› Noch mehr Wissenswertes finden Sie in unserem Themenspecial Wiedereinstieg.