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Ingenieure wollen mehr Geld für stressigen Job

Mann mit Bauhelm sitzt auf Treppe, Zeichenrolle neben sich und hält müde Kopf in den Händen
Ingenieure stehen unter großem Leistungs- und Termindruck, was sich häufig negativ auf die Gesundheit auswirkt. Foto: © zephyr_p/StockAdobe

Ingenieure in Deutschland klagen häufig über eine belastende Arbeitssituation. Als Hauptgrund nennen 45 Prozent die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit. Genauso viele sehen die Ursache ihrer stressigen Arbeitssituation jedoch bei der Führungsebene. So halten 85 Prozent der Ingenieure die Budgetplanung für unrealistisch und fast 60 Prozent bemängeln, dass das Projektmanagement ineffektiv ist. Die Situation ist durch hohes Engagement bei zu wenig Ressourcen geprägt. Termine können zwar eingehalten werden, aber dafür sind viele Überstunden notwendig. Die Folge: Mehr als jeder zweite Ingenieur fühlt sich im privaten Bereich eingeschränkt. Bei mehr als jedem Dritten führt die Arbeitsbelastung zu Rückenschmerzen und/oder Schlafstörungen. Auch klagen über 20 Prozent über berufsbedingte Kopfschmerzen oder sogar Depressionen. Das geht aus einer aktuellen Befragung von > Gulp unter 225 Ingenieuren in Deutschland hervor.

Kündigungsgründe: Wunsch nach mehr Gehalt oder besserer Work Life Balance

Die Befragungsergebnisse zeigen, dass sich mehr als zwei Drittel der Ingenieure regelmäßig auf Jobportalen nach anderen Arbeitsstellen umsehen. Laut Gulp sind es auch die viele Überstunden, die sich gesundheitlich und sozial bemerkbar machen, die dazu motivieren. Auf die Frage, warum sie wechselbereit sind, gaben jedoch 57 Prozent und damit die meisten Ingenieure an, dass sie die Aussicht auf ein höheres Gehalt dazu verlocken würde, den derzeitigen Arbeitgeber zu verlassen. Eine ausgewogene Work Life Balance folgt mit rund 50 Prozent an zweiter Stelle. Fehlende Anerkennung vom Vorgesetzten ist nur für knapp 30 Prozent ein Kündigungsgrund.

Empfehlung für Arbeitgeber: Wahl zwischen mehr Geld oder mehr Freizeit anbieten

Das Ergebnis sei überraschend, so die Studienautoren, lasse sich aber vielleicht so erklären, dass sich Ingenieure die hohe Arbeitsbelastung zumindest gut entlohnen lassen möchten. Für Arbeitgeber, die auf dem hart umkämpften Markt um Fachkräfte bestehen möchten, könnten die Ergebnisse bedeuten, entweder tiefer in die Tasche greifen zu müssen oder ihre Ingenieure durch interessante Arbeitszeitmodelle zu halten. Mitarbeiter zwischen mehr Gehalt oder mehr Freizeit entscheiden zu lassen – ein Ansatz, der bereits in Unternehmen Einzug gehalten hat – sei vielleicht eine lohnende Alternative, die Fachkräfte bindet und anzieht, so die Studie.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.