Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Homeoffice – die Schattenseiten

Stress im Homeoffice
Viele Mitarbeiter haben im Homeoffice keinen eigenen Arbeitsbereich und werden von der Familie gestört. Foto: © oes-stock.adobe.com

Aus bisherigen Studien zu Telearbeit geht zumeist hervor, dass die Homeworker insgesamt zufrieden sind und hauptsächlich die Zusammenarbeit und Kommunikation mit Kollegen vermissen. Eine aktuelle Umfrage zeigt jedoch, dass die Situation nicht so positiv aussieht: Viele Mitarbeiter leiden unter gesundheitlichen Beschwerden.

Auswertungen einiger Krankenkassen in Deutschland zeigten, dass die Zahl der Ausfalltage von Beschäftigten bereits im letzten Jahr gestiegen sind und die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen noch weiter zugenommen haben und einen neuen Höchststand erreichten. Nun hat die Prüfgesellschaft Dekra gemeinsam mit dem Forsa-Institut 1.502 Beschäftigte in Deutschland zwischen 18 und 65 Jahren repräsentativ befragt, um das derzeitige Wohlbefinden sowie den Stand des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu ermitteln und herauszufinden, wie gut sich Arbeitgeber in der Krise um ihre Mitarbeiter kümmern. Die Umfrage fand vom 27. November bis zum 7. Dezember 2020 statt.

Arbeit von zu Hause aus hat auch positive Aspekte

Gut drei Viertel der Studienteilnehmer (78 Prozent) sind seit Beginn der Krise weiterhin oder auch am Arbeitsplatz im Betrieb tätig. Ein Drittel (32 Prozent) arbeitet (auch) im Homeoffice, zehn Prozent üben ihren Job an anderen Orten aus, zum Beispiel im Außendienst oder auf Baustellen. Die große Mehrheit (82 Prozent) der Befragten, die auch oder ganz im Homeoffice arbeiten, findet es gut, dass dadurch der Weg zum Büro entfällt. Zwei Drittel (67 Prozent) schätzen es, dass sie im Homeoffice in gemütlicher Kleidung arbeiten können. Ebenso vielen kommt es gelegen, dass sie ihre Arbeitszeit flexibel einteilen können.

Jeder Dritte hat gesundheitliche Probleme im Homeoffice

Doch zu den positiven Aspekten gesellen sich einige negative: 71 Prozent der Mitarbeiter sagen, dass ihnen der persönliche Kontakt zu den Kollegen fehlt – was die Ergebnisse anderer Studien bestätigt. Knapp jeder Vierte (23 Prozent) vermisst Aufmerksamkeit vonseiten des Arbeitgebers. Außerdem berichtet mehr als jeder dritte Arbeitnehmer von gesundheitlichen Problemen wegen eines mangelhaften, nicht-ergonomischen Arbeitsplatzes. 36 Prozent leiden unter Verspannungen, Rücken- oder Kopfschmerzen. Fast genauso viele (34 Prozent) geben an, dass sie mit fehlender oder unzulänglicher Arbeitsausstattung wie einem zu kleinen Bildschirm oder instabilem Internet zu kämpfen haben. Knapp ein Drittel (32 Prozent) klagt über längere Arbeitszeiten oder das Arbeiten zu untypischen Zeiten, etwa abends und am Wochenende. Mit Störungen durch die Wohnsituation oder den Alltag, beispielsweise durch Familie, Nachbarn oder Lärm von außen, müssen 30 Prozent zurechtkommen. Auch verfügt gut jeder Vierte (27 Prozent) nicht über einen klar abgegrenzten Arbeitsbereich oder ein eigenes Arbeitszimmer und fühlt sich deshalb bei der Arbeit gestört. Jeder Fünfte (21 Prozent) vermeldet überdies Probleme mit der IT-Ausstattung und der Software.

Negativer psychischer Stress im Job nimmt derzeit zu

Wie die Befragungsergebnisse zeigen, nimmt auch der negative psychische Stress zu. Vermutlich ist er teilweise auch auf die Arbeitsbedingungen zu Hause zurückzuführen, doch fast neun von zehn Teilnehmern (88 Prozent) finden, dass dieser negative Stress in der Arbeitswelt generell tendenziell steigt. Ob die Ursache in der derzeitigen Krise begründet ist oder allgemein in der zunehmenden Digitalisierung und neuen Arbeitsmodellen, geht aus der Befragung nicht hervor. Für 71 Prozent der Studienteilnehmer ist die psychische Belastung im Job höher oder genauso hoch wie die körperliche Belastung. 80 Prozent halten es für erforderlich, dass gegen die hohen Fehlzeiten durch psychische Krankheiten im Rahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes mehr unternommen werden muss. Nur bei etwa einem Viertel der Befragten (26 Prozent) hat es im Unternehmen bisher eine psychische Gefährdungsbeurteilung gegeben. Bei 59 Prozent ist das nicht der Fall – ein um sieben Prozent niedrigerer Wert als im Jahr 2017.

Arbeitgeber sind in der Pflicht, auch im temporären Homeoffice Gefährdungen für die Mitarbeiter zu erfassen, vor allem im Hinblick auf Ergonomie und ungesunden Stress. Das Homeoffice darf für die Chefs keine Blackbox sein,

kommentiert Dr. Karin Müller, Leiterin des Bereichs Mensch & Gesundheit bei DEKRA, die Befragungsergebnisse. Auch sonst gibt es laut Studie noch Verbesserungsbedarf, was die psychische Gesundheit der Mitarbeiter und das Betriebliche Gesundheitsmanagement betrifft, so die Studie.

Der Dekra Arbeitssicherheitsreport 2021 kann > hier zum Download angefordert werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.