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HR-Software: Besinnung aufs Menschliche

(Foto: vegefox.com/Adobe Stock)
(Foto: vegefox.com/Adobe Stock)

HR-Software ist kein Mittel zum Zweck, sondern sollte Personaler und
alle Beschäftigten bei der Bewältigung ihrer Aufgaben unterstützen. Sie
müssen den goldenen Mittelweg zwischen dem technisch Möglichen und dem,
was in der Praxis sinnvoll ist, finden. Und das unter sich stetig
verändernden Vorzeichen: Die technologischen Fortschritte sind
beeindruckend und eröffnen neue Möglichkeiten. Über diese und weitere
Themen diskutierte die Personalwirtschaft mit neun Fachexperten beim
Round Table HR-Software.

Der Digitalisierung kann keiner entgehen – aus dieser eher defensiven Warte sehen sie einige Unternehmen. Andere schätzen eher die Chancen, die sie für das eigene Geschäft bringen kann. Irgendwo zwischen diesen beiden Polen finden sich die meisten Nutzer von HR-Software. Die Vorteile der Tools und Systeme sind in der Regel unbestritten, aber die Frage, wie tief man ins Thema einsteigen will, wird in den Personalabteilungen nach wie vor sehr unterschiedlich beantwortet.

Zahlengetriebene Analysen im Recruiting beispielsweise könnten das Standing der Personaler verbessern und zum Unternehmenserfolg beitragen. Hier hinke HR dem E-Commerce aber noch fünf Jahre hinterher. Schuld daran trägt es nicht allein, denn entsprechende Projekte sollten in eine Gesamtstrategie eingebettet sein. Die können sie nicht allein entwickeln. Hinzu kommt, dass insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen oft das interne Know-how fehlt, um belastbare Zukunftsentscheidungen zur Softwareausstattung zu treffen.

Große Sprünge, kleine Schritte

Es muss nicht gleich das Rundum-Sorglos-Paket sein: Komplettsysteme haben zwar einen großen Funktionsumfang, sind aber tendenziell auch komplizierter zu bedienen. Hinzu kommt, dass sich Kunden unter Umständen in Abhängigkeiten begeben, wenn sie allein auf einen Softwarehersteller setzen. Auf der anderen Seite lohnt es nicht, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Für einzelne HR-Prozesse gibt es gute, kostengünstige und einfache Lösungen, die mitunter schneller und zielgerichteter weiterhelfen können. Auf jeden Fall sollten die Bedarfe anderer Fachabteilungen in die Entscheidungsfindung einbezogen und darauf geachtet werden, dass Schnittstellen eine spätere Anbindung an weitere Systeme ermöglichen.

Verwirren lassen sollten sich Unternehmen jedenfalls nicht. Zukunftsfelder wie künstliche Intelligenz und Data Analytics umweht zwar ein Hauch von Science-Fiction, was sie per se spannend macht. Tatsächlich sind die Fortschritte der letzten Jahre enorm. Die digitale KI-Revolution kommt aber nicht über Nacht, auch nicht in HR. Das hat nur bedingt mit dem beschriebenen fehlenden Know-how zu tun. Für grundlegende analytische Ergebnisse braucht es das nicht – da genügen schon einige wenige aussagekräftige Kennzahlen, die erhoben werden müssten (und sollten).

Für Predictive Analytics oder KI ist es damit aber nicht mehr getan, dafür braucht man große Datenmengen – und sinnvolle Anwendungsfälle in HR, an denen es derzeit noch überwiegend mangelt. Ziemlich weit ist zumindest schon die Spracherkennung, die beispielsweise Chatbots ermöglicht, die heute schon rund um die Uhr zu einfacher Kommunikation mit interessierten Bewerbern fähig sind. Dass Maschinen darüber entscheiden, wer eine Stelle angeboten bekommt und wer nicht, halten alle Experten am Round Table aber zumindest auf absehbare Zeit für ausgeschlossen.

Die Maschine dient dem Mensch, nicht umgekehrt

Zumal derzeit eine stärkere Rückbesinnung auf das Menschliche stattzufinden scheint. Immer stärker fällt der Blick darauf, welche Probleme HR-Software gut lösen kann, und wo derzeit noch Grenzen gesetzt sind. Konsens ist, dass vor allem unterstützende Elemente, die administrative Aufgaben abnehmen und/oder zu besseren menschlichen Entscheidungen führen, derzeit das Maß der Dinge sind. Es lohne sich, sich auf diese Aspekte zu konzentrieren, anstatt die Digitalisierung als bloßes Instrument zur Automatisierung anzusehen. Der Schulterschluss mit der IT-Abteilung ist sinnvoll und gewünscht: Künftig wird HR mit den Kollegen noch viel mehr zu tun haben als heute schon.

Die Welt bleibt nämlich nicht stehen. Gute und kurz- bis mittelfristige Erfolgsaussichten räumten die neun Fachexperten neuen Technologien wie Augmented oder Virtual Reality vor allem im Weiterbildungsbereich ein. Sie ermöglichen ein neues Lernerlebnis, das mit dem Durchlesen alter Lehrbücher nur noch wenig gemein hat. Das setzt freilich voraus, dass Menschen da sind, die Unternehmen weiterbilden können – oder die es aus eigenem Antrieb möchten – Stichwort Fachkräftemangel. Zudem gilt auch hier die Maxime, dass ein persönliches Meeting im Besprechungsraum mitunter ergiebiger sein kann als eine Videokonferenz. Daran, das steht fest, wird sich nichts ändern.

Bilderstrecke: Round Table HR Software

HR-Software ist kein Mittel zum Zweck, sondern sollte Personaler und alle Beschäftigten bei der Bewältigung ihrer Aufgaben unterstützen. Hier finden Sie die wichtigsten Zitate der Round-Table-Teilnehmer.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.