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So können Sie Mitarbeitende für BGM-Angebote begeistern

BGM Angebote werden zunehmend
wichtig. Sie halten Mitarbeitende fit, beugen mentalen und physischen
Krankheiten vor und binden Mitarbeitende an das Unternehmen. Samuel Turnwald
von Gympass erklärt, wie man Mitarbeitende zur Teilnahme motivieren kann, damit
sich diese Effekte einstellen.

HR-Werkstatt-Logo: gekreuzter Hammer und Schraubenzieher.

Frage an die HR-Werkstatt: Wie können Unternehmen
Mitarbeitende für BGM-Angebote begeistern?

Es antwortet:
Samuel Turnwald, Head of Corporate Wellbeing, Gympass Deutschland

Der einst von McKinsey
ausgerufene War for Talents ist bereits voll in Gange und stellt Unternehmen
vor neue Herausforderungen. Mitarbeitende müssen nicht nur gefunden, sondern
auch von ihnen überzeugt und anschließend möglichst lange gebunden werden. Da
reichen kostenloser Kaffee, Kaltgetränke, Obstkörbe und flexible Arbeitszeiten
nicht mehr aus. Schon gar nicht nach den letzten 18 Monaten, die Arbeitsort und
-zeiten von Grund auf verändert hat. So stehen Themen wie physische als auch
mentale Gesundheitsmaßnahmen und die Wertekultur von Betrieben im Fokus bei der
Auswahl von neuen Arbeitgebenden.

Gründe für diese Entwicklung
sind nicht zuletzt der demografische Wandel, eine zunehmende Globalisierung und
“New Work from anywhere”. Beispielsweise trägt die geburtenschwache Gen-Y dazu
bei, dass nicht alle Stellen der Babyboomer besetzt werden können. Organisationen
werben nicht mehr nur national um die Talente, sondern konkurrieren aufgrund
der Globalisierung und des “work from anywhere” auch mit internationalen
Unternehmen. Berufseinsteigende haben in den meisten Fällen Auslandserfahrungen
während der Schul- und Studienzeit gemacht, sind gewohnt, ihren Wohnsitz zu
wechseln und schrecken nicht vor Jobangeboten in oder von Übersee zurück.
Aufgewachsen mit Netflix, Spotify und AirBnB ist Flexibilität ihnen ein großes
Anliegen und so steigen ihre Ansprüche auch hinsichtlich Work-Life-Balance,
Arbeitszeitmodellen und weiteren Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen.
Vodafone Deutschland hat beispielsweise das “Full Flex Office” eingeführt und
gleichzeitig allen Mitarbeitenden Tools an die Hand gegeben, damit sie
erfolgreich und gesund von überall aus arbeiten können.

Corporate Wellbeing als Schlüsselfaktor

Gesundheit ist Priorität.
Moderne Unternehmen wie Vodafone unterstützen ihre Mitarbeitenden bei der
Gesundheitserhaltung. Sowohl Unternehmen als auch ihre Mitarbeitenden
profitieren hierbei von einem starken Corporate Wellbeing, da sie das
Wohlbefinden der Belegschaft verbessern, krankheitsbedingte Fehlzeiten
verringern und die Produktivität und Effektivität erhöhen. Die Wirksamkeit
solcher Maßnahmen kann jedoch nur Früchte tragen, wenn sich die Mitarbeitenden
auch daran beteiligen und Nutzen daraus ziehen. Die Ergebnisse einer Studie, die Gympass in Verbindung mit der Deutschen
Sporthochschule Köln erstellt hat, zeigt allerdings, dass die
Mitarbeiterbeteiligung an Gesundheitsmaßnahmen im Durchschnitt bei etwa 15
Prozent liegt. Damit liegt sie zwar circa. 25 Prozent über dem Durchschnitt der
Fitness-Mitgliedschaften in Deutschland, dennoch ist die Quote nicht hoch
genug, damit die positiven Effekte flächendenkend Wirkung entfalten. Bei der
Auswertung der Daten haben wir festgestellt, dass der Schlüssel in der
Kommunikation liegt.

Mitarbeitende wünschen sich Motivation durch den
Arbeitgeber

So sind beispielsweise nur
wenige Mitarbeitende der Meinung, dass die Firmen ausreichend Anreize schaffen,
die Teilnahme zu steigern. Es kommt das Gefühl auf, dass sie keinen großen Wert
darauf legen, ob die Angestellten die Corporate Wellbeing Maßnahmen tatsächlich
nutzen. Durchschnittlich bewerteten die Befragten die Unterstützung seitens
ihrer Arbeitgeber mit nur 4 von 10 möglichen Punkten. Ein ausbaufähiger Faktor,
da diese schließlich Interesse daran haben, eine Teilnahme zu fördern und es
dazu nur wenig Aufwand bedarf. So können regelmäßige und kreative Motivationsmaßnahmen
hilfreich sein. Diese können von gemeinsamen Studio-Besuchen bis hin zu
regelmäßigen Bekanntgaben von neuen Angeboten via E-Mail reichen. Frei nach dem
Motto “steter Tropfen höhlt den Stein.”

Bei der Kommunikation und der
Bewerbung können auch BGM-Dienstleister und -Anbieter helfen. Ein guter
Anbieter kann Arbeitgebenden zudem DSGVO-konforme Berichte zur Verfügung stellen und so
gezielt die Aktivierung von “Couch Potatoes” fördern. In diesen Berichten
werden die wichtigsten KPIs zur Verfügung gestellt, beispielsweise die Anzahl
der Besuche, Diversifikation der Sportarten oder die beliebtesten Aktivitäten.
Die Wahrscheinlichkeit, den richtigen Anreiz für eine Aktivität zu schaffen und
ideale Angebote hervorzuheben, steigt somit.

Geteilte Kosten steigern die Beteiligung 

Die Kosten spielen ebenfalls
eine große Rolle. So zeigt die Auswertung, dass die Zuzahlung von Angestellten
auf eine Mitgliedschaft ungefähr 19 Euro beträgt. Je mehr sich der Arbeitgeber
jedoch an den Kosten beteiligt, desto höher ist auch die Teilnahmequote.
Mitarbeitende haben eine Schmerzgrenze, was die Ausgaben für Sportangebote
angeht und allein der Fakt, dass es ein Angebot des Arbeitgebers ist, erhöht
die Erwartung, dass sich dieser auch maßgeblich an den Kosten beteiligt.
Ähnlich dem Modell einer Firmenkantine, bei der die Mahlzeiten ebenfalls vom
Unternehmen bezuschusst werden. Dennoch ist eine Anmeldung nur die halbe Miete
– schließlich sollen die Mitarbeitenden das Angebot auch in Anspruch nehmen und
sowohl körperlich als auch mental davon profitieren.

Mit Vorbildcharakter zum Erfolg 

Die Studie zeigt weiterhin,
dass die Beteiligung mit der Größe der Unternehmen abnimmt. Je kleiner Betriebe
also sind, desto mehr Mitarbeitende nehmen das Corporate-Wellbeing-Angebot in
Anspruch. Das liegt daran, dass bei kleinen Betrieben das Management meist
näher an den Angestellten dran ist und kürzere Kommunikationswege herrschen. Es
entsteht deutlich schneller ein Netzwerk-Effekt. Diese Korrelation ist eine der
wichtigsten Erkenntnisse aus der Befragung. Das Ausmaß, in dem das Management
die Teilnahme an einem betrieblichen Gesundheitsprogramm also fördert und
erleichtert, hat einen großen Einfluss auf dessen Erfolg. Eine klare
Positionierung und stärkere interne Kommunikation leisten hierzu ebenfalls
einen positiven Beitrag, sodass Mitarbeitende das Interesse an ihrem
Wohlbefinden und den Vorbildcharakter wahrnehmen: Als CEO das Team ruhig mal
wissen lassen, dass man gerade beim Sport ist.

Gesundheitsmaßnahmen müssen zur Priorität werden 

Damit ein modernes Corporate
Wellbeing seine positiven Wirkungen entfalten kann und sich die Beschäftigten
aktiv an den Angeboten beteiligen, bedarf es Motivation und Kommunikation
vonseiten der Führungskräfte und HR. Eine Unternehmenskultur, in der
Gesundheit als Priorität angesehen wird, bildet die Grundlage. Das
Führungspersonal sollte die Teilnahme durch vorbildliches Verhalten fördern.
Die Ergebnisse der Studie der Sporthochschule Köln
geben Aufschluss darüber, dass die körperliche Aktivität und ein damit
verbundenes Gesundheitsverhalten von so großer Bedeutung sind, dass sie ein
hohes Maß an Aufmerksamkeit der Führungsebene verdienen und benötigen. Jeder
Anreiz, der vom Management und den Personalverantwortlichen gegeben werden
kann, ist es somit wert, um das Wohlbefinden und die Produktivität der
Belegschaft zu steigern.

+++ Weitere Wartungsfälle unserer HR-Werkstatt +++

– Teil 79: Wie kann durch eine Workation der Teamzusammenhalt gestärkt werden?

– Alle bisherigen Folgen der HR-Werkstatt lesen Sie › hier.

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