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So wächst Ihr Unternehmen ohne Kulturchaos

Frage an die HR-Werkstatt: “Als junges Unternehmen zeichnet uns unsere offene Start-up-Kultur aus. Wie schaffen wir es, unsere positive Unternehmenskultur auch bei Expansion und steigenden Mitarbeiterzahlen in Zukunft beizubehalten?”

Es antwortet: Olivier Ramel, Mitgründer und Geschäftsführer von Kymono

Schnelles Wachstum kommt mit vielen internen Veränderungen. Ab einer bestimmten Größe müssen neue Rollen verteilt und Abläufe angepasst werden. Vergrößern sich Teams, so besteht das Risiko, dass die Beziehung zu Unternehmen und Kollegen verloren geht. Diese Befürchtung bereitet vielen Unternehmern schlaflose Nächte und lässt Mitarbeiter das Thema Wachstum oft kritisch sehen. Seien Sie beruhigt: Expansion ist mit einer gesunden, stimmigen und nachhaltigen Unternehmenskultur kompatibel. Nichtsdestotrotz sollten, gerade bei Wachstumsschüben, die Werte des Unternehmens im Mittelpunkt stehen und diesen Prozess immer begleiten. Aber wie geht man die Sache richtig an?

Tipp 1: Achten Sie schon bei der Auswahl neuer Mitarbeiter auf den “Culture Fit”

Um Ihre hart erarbeitete Unternehmenskultur zu bewahren, sollten Sie sicherstellen, dass Ihre neuen Mitarbeiter nicht nur fachlich qualifiziert sind, sondern auch menschlich zu Ihnen und Ihren Werten passen. Einstellen, nur um dringend Positionen zu füllen, führt nicht selten ins Kulturchaos, wenn bei Neuankömmlingen nicht die gleichen Maßstäbe angesetzt werden wie bei Mitarbeitern der ersten Stunde.

In Zeiten des Fachkräftemangels ist es aber für junge Unternehmen schwer, Talente für sich zu gewinnen, die beides mitbringen – Know-how und “Culture Fit”. Wie finden Sie also diese heiß begehrten Mitarbeiter? Gehen Sie bei der Suche aktiv auf Bewerber zu: Während Stellenanzeigen manchmal im ganzen Online Jobbörsen-Jungle untergehen, erweist sich das direkte Anschreiben über ein Business-Netzwerk oder von Bewerbern aus einem internen Talentpool als effektiver.

Seien Sie dabei von Anfang an ehrlich und nehmen Sie sich für einen Aspekt besonders viel Zeit: Die Ausschreibung Ihrer Stellenanzeigen. Hierbei zählen heutzutage Transparenz und Ehrlichkeit bezüglich Verhaltensweisen und Erwartungen, die für den Job und Ihr Unternehmen geeignet sind. Nehmen wir zum Beispiel die Arbeitgeber Hubspot oder Facebook: “Wir engagieren uns wahnsinnig sowohl für unsere Mission als auch für unsere Kennzahlen” oder “Großartigkeit und Komfort koexistieren selten”.

Sie denken Sie haben Ihren Traumkandidaten gefunden? Verwenden Sie beim Vorstellungsgespräch einen Teamansatz, der den Mitarbeitern hilft, die Übereinstimmung mit dem Unternehmen in Bezug auf Handlungsweisen und Wertvorstellungen besser einzuschätzen und die richtige Entscheidung zu treffen. Es kann sich dabei um eine Arbeitssituation im Team oder ein Gespräch mit potenziellen Mitarbeitern sein.

Tipp 2: Verlieren Sie Ihr Mitarbeiter-Engagement nicht aus den Augen

Den Unternehmenserfolg haben Sie zum großen Teil Ihren Mitarbeitern zu verdanken. Pflegen Sie daher Engagement und Motivation aktiv weiter.

Der Zielgedanke ist entscheidend und jeder sollte mit den qualitativen und quantitativen Zielen, die Sie sich gemeinsam gesetzt haben, im Einklang sein. “Innerhalb der nächsten zwei Jahre zum führenden Unternehmen Europas werden”, “das Team bis Ende des Jahres verdoppeln”, “neue Dienstleistungen entwickeln”. Die Einbeziehung der Mitarbeiter und die transparente Kommunikation über den aktuellen Stand des Unternehmens sind entscheidend, um ihre Motivation zu erhalten. Je nach Bedarf können Sie die Ergebnisse vierteljährlich mit allen Mitarbeitern auswerten und gegebenenfalls anpassen.

Mitarbeiter-Engagement wird auch mit Anerkennung für Leistungen und gute Arbeit verstärkt. Wie geben Sie konstruktive Rückmeldung? Durch regelmäßige Feedbackgespräche, eine Dankes-Notiz oder einen gemeinsamen Ausflug? Eines der wichtigsten jedoch allzu oft unterschätzten Tools ist tatsächlich der Dialog. Bei dem unverbindlichen Austausch an der Kaffeemaschine öffnet ein kurzes Gespräch oft die Tür zu vielen positiven Entwicklungen. Wächst die Struktur rasant, wird es schwierig sich regelmäßig mit jedem auszutauschen. Kleiner Zusatz-Tipp: Die Zufriedenheit über digitale Umfrage-Tools abfragen kann oft schon die Produktivität erhöhen. Mitarbeiter fühlen sich dadurch
besser wahrgenommen.

Vertrauen Sie Ihren Mitarbeitern, die Eigeninitiative zu ergreifen und zu entscheiden, welche Fähigkeiten Sie verbessern müssen. Die Bereitstellung von Budget für Nebenprojekte kann sich oft als sehr nützlich für das Unternehmenswachstum erweisen. Eine weitere Möglichkeit ist die Erstellung individueller Entwicklungspläne mit den notwendigen Trainings- und Leistungszielen: zum Beispiel “bis Ende des Monats mit den internen Tools vertraut sein”, “bei einem Projekt die Leitung übernehmen”, “die Vertriebskompetenz verbessern”. Durch die Herausforderung Ihrer Mitarbeiter, ihre Komfortzone zu verlassen, helfen Sie ihnen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen und ihr Leistungsspektrum zu erweitern.

Tipp 3: Machen Sie Ihre Kultur für alle greifbar

Mehr Mitarbeiter bedeutet oft eine Vergrößerung der Räumlichkeiten. Um ein positives Umfeld zu schaffen, machen Sie Ihre Kultur in Ihrem neuen Arbeitsumfeld greifbar und identifizierbar. Mit starken und firmenspezifischen Symbolen – Logo, Unternehmensfarben, einheitliches Büro-Design oder individualisierte Willkommenspakete. Kommunizieren Sie Ihre visuelle Unternehmensidentität und schaffen damit ein Zugehörigkeitsgefühl. Eine mit der Kultur stimmige Identität macht es einfacher alle Mitarbeiter an Bord zu holen und auf der gleichen Wellenlänge zu sein.

Wenn Ihr Unternehmen noch aus einer Handvoll Mitarbeitern besteht, entwickeln sich in der Regel kleine Traditionen, die jedoch mit zunehmendem Wachstum verloren gehen können. Lassen Sie dies nicht zu! Stellen Sie diese Rituale während dem Onboarding vor und vertrauen Sie auch Ihren Mitarbeitern, dass sie Ihre Traditionen, Rituale und Symbole pflegen und weitergeben. Generell ist es im Onboarding-Prozess wichtig klare Erwartungen zu setzen, damit die Mitarbeiter des Teams Ihre Kultur von Anfang an verstehen. Einige Unternehmen planen sogar ein paar Tage bis mehrere Wochen ein, um neuen Mitarbeitern zu zeigen, wie alles anfing und wie die Teams funktionieren.

Tipp 4: Kultur ist wandelbar

Eine Unternehmenskultur entwickelt sich mit den Menschen, die im Unternehmen arbeiten. Die Kultur um jeden Preis identisch beizubehalten ist unrealistisch und kann Sie letztendlich vom Wachsen abhalten. “Wir haben es schon immer so gemacht” hat jeder schon mal gehört. Eine solche Einstellung macht Wachstum und Entwicklung einfach unmöglich. Ihre Kultur sollte sich an Ihren Geschäftskontext anpassen und diesen unterstützen – ohne jedoch durch den Wandel wichtige Werte über Bord zu werfen oder besonders liebgewonnene Eigenschaften vorschnell zu opfern.

Haben Sie ein offenes Ohr für Mitarbeiter und Kundenfeedback. Durch die Auswertung von Fallstudien, Bewertungen oder Feedbackgesprächen erhalten Sie in der Regel wichtige Daten und Verbesserungsvorschläge. Diese Rückmeldung dient als Lernquelle und hilft das Verhalten für die Zukunft zu verbessern. Durch die Anpassung der Prozesse an Ihr wachsendes Umfeld geben Sie Ihren Partnern Anerkennung und erhöhen damit deren Zufriedenheit.

Im Zuge des Team-Wachstums erweist sich die Pflege einer offenen Kultur als besonders große Herausforderung. Ruhen Sie sich nicht zu sehr auf Ihren Erfolgen aus. Offen bleiben für Neues! Belohnen Sie Mitarbeiter, die mit ihren Erfahrungen und Ideen die Unternehmenskultur bereichern und wiederum Ihre Ergebnisse verbessern.

Fazit

Wachsen und gleichzeitig Ihre Kultur im Alltag und bei Neueinstellungen zu pflegen ist leichter gesagt als getan. Dennoch sind Sie nicht allein. Alle Mitarbeiter tragen zum Erfolg des Unternehmens bei und sollten deshalb immer im Prozess einbezogen sein. Dabei achten Sie darauf, Ihre Werte und Kultur in jedem Schritt zu berücksichtigen. Und nicht vergessen: das Team ist der Schlüssel zum Erfolg.

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