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E-Learning statt Verzicht auf Weiterbildung in der Corona-Krise

In der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 haben Arbeitgeber ihre Weiterbildungs- aktivitäten stark zurückgefahren. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise noch größer sind und Unternehmen wieder an der Qualifizierung ihrer Mitarbeiter sparen könnten. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) plädiert in dieser Situation für E-Learning.

Mann im Homeoffice an Laptop mit zwei Töchtern, die spielen wollen
E-Learning zu Corona-Zeiten im Homeoffice – wenn das so einfach wäre…
Foto: © Romolo Tavani/StockAdobe

Der Shutdown der Wirtschaft bringt für Arbeitgeber viele Unsicherheiten mit sich, die auch die Weiterbildungsaktivitäten betreffen. Vor allem kleinere Betriebe, die derzeit keine oder nur geringe Umsätze erzielen, dürften davon Abstand nehmen, jetzt in Weiterbildung zu investieren, so das IAB. Das Institut spricht sich dennoch für ein verstärktes Engagement der Unternehmen aus, da die Notwendigkeit von Weiterbildung vor allem in Zeiten der Digitalisierung und des schnelleren Wandels der Arbeitswelt größer sei als vor zehn Jahren. Arbeitgeber könnten damit auch ein positives Signal an die Belegschaft senden, dass sie weiter in deren Zukunft investieren möchten. Außerdem dürfte sich das Engagement nach Ansicht des Instituts auch im Hinblick auf weiter zu erwartende Fachkräfteengpässe auszahlen. Unternehmen sollten die Krise als Chance nutzen, um sich besser für die Herausforderungen des digitalen Wandels zu rüsten.

Vorteile von E-Learning in Zeiten von Corona

Da Präsenzveranstaltungen derzeit schwierig oder gar nicht durchzuführen sind, spricht sich das IAB für E-Learning in der beruflichen Weiterqualifizierung aus, zumal es heute viel mehr Möglichkeiten digitalen Lernens gebe als noch in der Finanzkrise. Auch sei E-Learning in vielen Fällen kostengünstiger als andere Weiterbildungsveranstaltungen und darüber hinaus zeitlich und örtlich flexibel einsetzbar. Die Beschäftigten könnten beispielsweise zuhause lernen und dafür Zeiten nutzen, die mit der Kinderbetreuung vereinbar sind. Für Online-Angebote spreche zudem, dass jeder Mitarbeiter ohne persönlichen Kontakt zu Trainern oder Kollegen für sich allen lernen könne, etwa im Homeoffice. Gleichzeitig gebe es die Möglichkeit für die Beschäftigten, sich über Lernplattformen miteinander auszutauschen.

Digitales Lernen auch attraktiv für kleine Betriebe

Bislang liegen dem IAB noch keine Daten vor, wie viele und welche Unternehmen in Zeiten von Corona E-Learning nutzen. Einer Betriebsbefragung des IAB und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus dem Jahr 2016 zufolge nutzten knapp vier von zehn Betrieben digitale Lernmedien oder E-Learning-Angebote für die Fort- und Weiterbildung. Zwar setzten große Unternehmen am häufigsten auf digitale Weiterbildungsformate, doch es zeigte sich auch, dass die ganz kleinen Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern E-Learning häufiger nutzten als jene mit zehn bis 49 Beschäftigten. Ein Vorteil digitaler Lernmedien besteht darin, dass keine Mindestanzahl an Teilnehmern erforderlich ist, das kann gerade für kleine Unternehmen attraktiv sein.

Online-Formate vor allem für besser Qualifizierte und Jüngere?

Abgesehen davon, sich die Häufigkeit der Nutzung von E-Learning laut Befragung je nach Branche unterscheidet (insbesondere wissensintensive Betriebe im Dienstleistungssektor sind hier aktiv), zeigt sich auch, dass ältere und geringqualifizierte Arbeitnehmer Online-Lernformate seltener einsetzen als jüngere und höher qualifizierte Mitarbeiter. Letzteres wird von einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2017 bestätigt. Danach sehen auch Lehrende in digitalem Lernen eher Vorteile für Beschäftigte mit höherer Qualifizierung. “Die bekannten Muster der ungleichen Weiterbildungsbeteiligung von Menschen mit unterschiedlichem Qualifikationsniveau scheinen sich also beim E-Learning ebenfalls abzubilden”, stellt das IAB fest.

Zum vollständigen Text “Weiterbildung in der Corona-Krise: E-Learning ist eine Chance für Unternehmen” des IAB geht es > hier.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.