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„Ohne kritische Geister keine Spitzenprodukte“

Eine Hand zeigt mit den Finger in die Richtung von Wolken. Geste wie beim Bedienen eines Tablet.

Die neue Arbeitswelt verlangt nach neuen, cloudbasierten Werkzeugen. Davon sind HR-Deutschland-Chef Cawa Younosi und SAP-SuccessFactors-Vertriebsleiter Dirk Hakenes überzeugt. Ein Gespräch über die Wechselwirkung von guter Software und guter Personalarbeit.

Personalwirtschaft: Herr Younosi, wie muss man sich im Hause SAP die Zusammenarbeit zwischen HR und dem Produktmanagement vorstellen?

Cawa Younosi: Wir nutzen nicht nur selbstverständlich unsere eigene Software. Wir arbeiten auch über eine Projektgruppe eng mit der Produktentwicklung zusammen, geben Feedback und machen SuccessFactors so kontinuierlich besser. Wir sind aus der Anwenderperspektive eine zentrale Qualitätskontrolle. Wir überprüfen die Usability der SAP-Software auch in unseren Mitarbeiterbefragungen regelmäßig.

Herr Hakenes, sind Sie froh über die kritischen Geister im eigenen Haus?

Foto von Dirk Hakenes
Dirk Hakenes, Leiter Line of Business
SAP SuccessFactors Deutschland. Foto: Ingo Cordes

Dirk Hakenes: Ohne kritische Geister gibt es keine Spitzenprodukte. Deshalb ist dieser Austausch für uns sehr wichtig. Wir sind auch deshalb so gut, weil wir nicht nur die Urteilskraft der Kunden, sondern auch die der Mitarbeiter nutzen. SAP leistet exzellente Personalarbeit. Das gelingt nur mit einer exzellenten Software. Wenn uns unsere Mitarbeiter und der HR-Bereich Vertrauen schenken – und das tun sie –, fällt es uns gegenüber den Kundenunternehmen leichter, sie von den Vorteilen einer cloudbasierten Software zu überzeugen.

Foto von Cawa Younosi
Cawa Younosi, Head of HR SAP SE & SAP Deutschland/Mitglied der Geschäftsführung SAP Deutschland. Foto: Ingo Cordes

Younosi: Die Arbeitswelt hat sich gewandelt. HR-Software muss mobile, flexible Arbeitskonzepte unterstützen. Selfservice-Systeme müssen einfach zu bedienen und mobil nutzbar sein. Ob Learning, Talent Management oder Recruiting: All das hat sich gewandelt und kann durch gute Werkzeuge unterstützt werden. Es geht um Customer und Employee Experience.

SAP punktet seit Jahren mit guter Personalarbeit. Wie schaffen Sie das, dass die SAP-Mitarbeiter eine gute Employee Experience haben?

Younosi: Unser Anspruch ist, für die Mitarbeiter das attraktivste Unternehmen in Deutschland zu sein. Wir haben Spitzenbewertungen auf Arbeitgeberbewertungsplattformen wie Glassdoor oder Kununu. Auch unsere internen Bewertungen sind sehr gut, die Fluktuationsquote beträgt nur ein Prozent. Wir verlangen also nicht nur Leistung, sondern bieten im Gegenzug auch Leistungen und Tools, die es unseren Mitarbeitern erleichtern, produktiv und innovativ zu sein. Gute HR-Konzepte und der Einsatz modernster Technik zahlen letztlich auch auf den wirtschaftlichen Erfolg unseres Unternehmens ein.

Hakenes: Wenn wir sehen, wie wir heute mit Software umgehen, zeigt sich ein enormer Wandel. In der alten Softwarewelt waren vor allem die Gehaltsabrechnung und das jährliche Mitarbeitergespräch die typischen Anwendungen. Heute mit SAP SuccessFactors nutzen die Mitarbeiter deutlich mehr Anwendungen aus den bereits erwähnten Bereichen Learning und Talent-Entwicklung oder für Kollaboration und Feedback. Auch Apps erleichtern das Arbeitsleben. So gibt es eine Work-Life-App, mit der wir die Mitarbeiter für unsere Angebote im Gesundheitsmanagement sensibilisieren.

Es soll sogar eine App “Dinner to go” geben, mit der sich Mitarbeiter Essen für zu Hause bestellen können. Das geht ja schon in Richtung Rundum-Wohlfühl-Paket.

Younosi: Das ist ein sinnvolles Angebot für Mitarbeiter, die wenig Zeit und Lust haben, abends noch zu kochen. Es wird momentan vor allem von Singles genutzt.

Für Aufmerksamkeit in der HR-Szene haben Sie jüngst mit der Meldung gesorgt, dass Führungspositionen im Job-Sharing-Modell besetzt werden können. Wie wichtig ist dieses Co-Leadership-Angebot?

Younosi: Die Belegschaft hat uns in einer Umfrage dazu ermutigt. Es ist sicherlich ein Nischenangebot, es sendet aber ein wichtiges Signal aus. Damit zeigen wir, dass man auch in Teilzeit Karriereoptionen hat.

Hakenes: Dieses Jobsharing-Angebot werden wir durch eine Software unterstützen, die das Posting und Matching der Bewerber erleichtert. Damit ergänzen wir unser Portfolio um eine weitere Lösung, die mitarbeiterbezogene Themen in den Mittelpunkt stellt.

Stichwort Partner: Die SAP ist in ihrer On-Premise-Welt dafür bekannt, dass man sich starke Partner am Markt sucht, die die Softwareangebote sinnvoll ergänzen. Gilt das auch für die Cloud-Welt?

Hakenes: Alle Partner am Markt haben die Anschlussfähigkeit an unsere SAP Cloud Platform (SCP). Über den SAP-App-Store stehen die Angebote für die Kunden direkt zum Download zur Verfügung.

Es bleibt also auch in der Cloud bei der Partnerstrategie, um Innovationen voranzutreiben.

Hakenes: Generell haben wir über die Cloud-Lösungen aufgrund des Liefermodells einen anderen Zugriff auf Innovationen. Wir liefern für SAP SuccessFactors viermal jährlich ein Update, sodass die Kunden permanent von den Neuerungen profitieren. Zudem geben wir über die SCP den Partnern die Möglichkeit, Anwendungen, die SAP nicht hat, ergänzend anzubieten. Die Partnerstrategie ist also im Sinne der Kunden unverzichtbar.

Bei welchen Anwendungen kommen die Partner zum Zuge?

Hakenes: Zum Beispiel bei den Themen Arbeitszeiterfassung, Workforce Management oder Dokumentenmanagement.

SAP setzt mit SuccessFactors ganz deutlich auf die Cloud. Der Ausstieg aus den On-Premise-Lösungen wurde nun aber vertagt. Wie kommt es zu diesem Sinneswandel?

Hakenes: Uns haben Kunden signalisiert, dass das für 2025 angekündigte Ende der Wartung zu früh ist. Gerade im Payroll-Bereich gibt es offenbar Bedenken. Deshalb haben wir für HR eine erweiterte Strategie entwickelt und für das Jahr 2023 eine neue, auf HANA-Technologie basierende HR-Software für den Core-Bereich angekündigt, also für die Bereiche Payroll und Administration. Damit bieten wir unseren On-Premise-Kunden Planungssicherheit. Die Weiterentwicklungen für die Bereiche Talent, Learning und Recruiting erfolgen über SAP SuccessFactors in der Cloud.

Was hat es eigentlich mit dem Motto “HR punks” auf sich, das Personalvorstand Stefan Ries ausgerufen hat?

Younosi: Die HR-Funktion hat vielerorts noch das Image eines Verwalters. Das muss sich ändern. Bei der SAP zeigen wir, dass HR innovativ und mutig sein kann. “Should I stay or should I go”, dieser Clash-Song, den Stefan auf der SuccessConnect in London zitiert hat, zeigt doch die Punk- und People- Dimension unserer Arbeit.

Punk heißt auch schöpferische Zerstörung. Wie schätzen Sie den Rationalisierungseffekt der Digitalisierung ein? Werden zukünftig Bots und Roboter die Personalarbeit übernehmen?

Younosi: Die Rationalisierung hat in den Servicecentern bereits begonnen. Ob Bots oder neuartige Ticketsysteme auf Basis von Machine Learning – das Potenzial ist groß. Wir arbeiten gerade daran, im Recruiting die Matching-Prozesse mit dem Einsatz von AI zu vereinfachen. Diese Rationalisierung ist zu begrüßen. Denn nur so bekommen wir die Ressourcen, um die strategisch wichtigen HR-Aufgaben besser ausfüllen zu können. Ohne die Digitalisierung hätten wir vonseiten HR den enormen Mitarbeiterzuwachs bei der SAP nicht stemmen können.

Herr Hakenes, wie groß ist die Bereitschaft bei den SAP-Kunden, das Potenzial der Digitalisierung auszuschöpfen und auf Robot-Technologien zu setzen?

Hakenes: Die Nachfrage nimmt zu. Vor allem im Bereich Recruiting und Onboarding ist bei einigen Unternehmen der Wunsch groß, beispielsweise über Chatbots die Prozesse zu beschleunigen.

Bremst die neue Datenschutz-Grundverordnung die Cloud-Euphorie?

Hakenes: Das Gegenteil ist der Fall. Die Kunden vertrauen uns, dass wir die Vorschriften des Datenschutzes umsetzen. Datenschutz ist Teil der Cloud-DNA bei SAP.

Blicken wir auf die SuccessConnect in Berlin. Worauf können sich die Besucher freuen?

Hakenes: Zu den erwähnten Trendthemen der Digitalisierung wird es einen intensiven Austausch geben. Das Besondere ist ja, dass wir eine Veranstaltung mit Kunden für Kunden machen. Der Praxisbezug ist also hoch. Wir stellen Lösungen rund um die Cloud vor.

Younosi: Im HR-Bereich der Veranstaltung diskutieren wir zudem über strategisch wichtige HR-Themen. Es wird also ein spannendes Netzwerktreffen.