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Interview: „Wertschätzung zahlt sich aus“

Ein zu hohes Anspruchsdenken, fehlende Netzwerke
und das Festhalten an starren Anwesenheitskonzepten halten KMU oft davon ab, den Wiedereinstieg
aktiv zu gestalten. Stefan Becker, Geschäftsführer der Beruf und Familie
gGmbH zeigt auf,
welche Maßnahmen gute Effekte haben können.

Personalwirtschaft: Herr Becker, wie beurteilen Sie die Angebote zum Wiedereinstieg in kleinen und mittleren Unternehmen?
Becker: Das Positive vorweg: Es hat sich viel getan in den letzten Jahren, angefangen von Teilzeitangeboten, Kontakthalteprogrammen während der Elternzeit, dem stufenweisen Wiedereinstieg bis hin zur stärkeren Einbindung der Väter zugunsten der Vereinbarung von Beruf und Familie. Wie insbesondere KMU mit dem Wiedereinstieg umgehen, hängt von vielen Faktoren ab: Zum Beispiel von der Branche, dem Standort, also eher städtisch oder ländlich, und der gelebten Unternehmenskultur.

Inwiefern spielen diese Faktoren für den Wiedereinstieg eine Rolle?
Ein KMU in einer mittelgroßen Stadt hat andere Möglichkeiten, kommunale Angebote zu nutzen als ein kleines Unternehmen in einem ländlichen Gebiet, das oft begrenztere finanzielle Spielräume hat. Ob Wiedereinstiegsangebote gemacht werden, hängt sicherlich auch davon ab, wie sehr die Branche vom Fachkräftemangel bedroht ist: Es überrascht nicht, dass in pflegenden Berufen auch gestaffelte Teilzeitformate wie 60- oder 70-prozentige Stellen oder Springer-Modelle angeboten werden, die in der Werbe- und Kommunikationsbranche eher noch selten sind.

Individuelle Lösungen müssten doch gerade im Mittelstand möglich sein, der oft näher an den Mitarbeitern dran ist.
Stimmt genau. Sitzen zum Beispiel Chef und Mitarbeiterin in einem gemeinsamen Büro, können sie auf unkompliziertem Wege vereinbaren, dass bestimmte Tätigkeiten auch im Home Office erledigt werden. Doch gerade in kleinen Handwerksbetrieben beobachten wir, dass es immer noch starre Anwesenheitskonzepte gibt, ganz nach dem Motto:

Wir haben schon immer von 8 Uhr bis 16 Uhr gearbeitet – warum sollten wir das ändern?

Diese Steinzeit-Mentalität muss aufgebrochen werden zugunsten einer größeren Arbeitszeitflexibilität.

Welche Arbeitszeitmodelle eignen sich denn für KMU?

Viele haben nur Teilzeit- und Gleitzeitmodelle auf dem Schirm. Auch über Telearbeit und Lebensarbeitszeitkonten, die sich der Familiensituation anpassen, sollte man nachdenken: So könnte eine Wiedereinsteigerin in den ersten Monaten Plusstunden aufbauen, die sie zu einem späteren Zeitpunkt, zum Beispiel bei der Einschulung des Kindes, einlöst. Auch das ist eine Form der Wertschätzung. Und die Mitarbeiterin gibt sie zurück, und zwar durch großes Engagement und eine hohe Loyalität. 

Wie kann man darüber hinaus den Wiedereinstieg mit relativ wenig finanziellem Aufwand fördern?
Manche Personaler glauben, einen eigenen Betriebskindergarten einrichten zu müssen. Das ist in den meisten Fällen gar nicht nötig. Es gibt alternative Möglichkeiten in Sachen Kinderbetreuung: Zum Beispiel könnten sich mehrere Unternehmen in einem Gewerbegebiet zusammenschließen, um gemeinsam eine Kinderbetreuung, auch während der Ferienzeiten von Kitas, anzubieten. Auch Kommunen und IHKs machen gute Angebote. Als Arbeitgeber ist man nicht verantwortlich, alles selbst zu stemmen. Wichtig ist, gute Netzwerke zu bilden und seinen Mitarbeitern zu vermitteln: Ich unterstütze Dich, also lass uns über Lösungen sprechen, die sich für Deine Situation eignen.

Das Interview führte Annette Neumann.

› Noch mehr Wissenswertes finden Sie in unserem Themenspecial Wiedereinstieg.

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