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Dax-Unternehmen: Investoren stellen neue Anforderungen an HR-Berichte

Human Capital Management.
Laut einer Studie erwarten Investoren von den Dax-Unternehmen eine ausführlichere Berichterstattung zum HR-Management.
Foto: Vitalii Vodolazskyi-stock.adobe.com

Die nicht-finanzielle Berichterstattung der führenden börsennotierten Unternehmen in Deutschland zum Human Capital Management (HCM) lässt nach Ansicht von Investoren zu wünschen übrig. Diese legen den Fokus bei Investmententscheidungen verstärkt auf die Themen Nachhaltigkeit und Governance und erwarten künftig mehr Kennzahlen.

Der “HCM Monitor Dax 2021” hat die Geschäfts-, Nachhaltigkeits- und Personalberichte der Das-30-Unternehmen für das zurückliegende Geschäftsjahr analysiert. Die Studie wurde von der Unternehmensberatung > HKP Group unter Mitwirkung der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP), des DIRK – Deutscher Investor Relations Verbands und der Academy of Labour durchgeführt.

Investoren kritisieren Timing und Vollständigkeit der HR-Reports

Aktuell liegt der Anteil der HCM-Darstellungen in Geschäftsberichten bei rund 14 Prozent des Gesamtinhalts. Ein Drittel der DAX-Unternehmen berichtet integriert, das heißt, ausschließlich im Geschäftsbericht. Die meisten Firmen veröffentlichen ihr Nachhaltigkeits- oder Personalberichte später, teilweise erst nach drei Monaten oder mehr. Auch variiert der Umfang der Reportings stark je nach Unternehmen. Viele Firmen stellen ihre HCM-Strategie laut Studie nicht gesamthaft dar. Während die Berichte einige Themen durchgängig aufgreifen, werden andere Bereiche gar nicht oder nur in Teilaspekten ausgeleuchtet.

Vergütungsangaben okay, aber mit Optimierungspotenzial

Das Thema Compensation, Incentives & Benefits thematisieren alle Unternehmen in ihren HR-Reports. Abgesehen von den regulierten Angaben zur Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung berichten viele Firmen auch über Initiativen für eine faire, geschlechtergerechte Vergütung. Allerdings weisen bisher erst zwei Unternehmen den Gender Pay Gap als KPI aus. Angaben zu Tarifstrukturen und zur Vergütung von AT-Mitarbeitern sind selten zu finden und Benefits werden außer der betrieblicher Altersversorgung kaum thematisiert.

Bericht zum Mitarbeiterengagement könnte ausführlicher sein

Auch Aus- und Weiterbildung und Qualifizierung sind in den Berichten als Themen sehr präsent. Die meisten Unternehmen berichten über digitale Kompetenzen und die Zukunftsfähigkeit sowie über digitale Lernangebote. Über das Thema Mitarbeiterengagement berichten die Firmen weniger ausführlich, obwohl nahezu alle DAX-Unternehmen regelmäßig entsprechende Befragungen durchführen und daraus KPIs ableiten, die beispielsweise das Engagement und die Mitarbeiterzufriedenheit anzeigen.

Beim Thema Diversity erwarten Investoren mehr Details

Diversität, Chancengleichheit und Diskriminierungsfreiheit sind heute zentrale Inhalte von Geschäftsberichten, wobei der Fokus meist auf dem Gender-Aspekt liegt. Wenig berichtet wird zum Beispiel über die demografische Zusammensetzung der Belegschaft und auch Ländervergleiche kommen nach Ansicht der Investoren zu kurz.

Stiefkind Datensicherheit

Als insgesamt dürftig beurteilt die Studie das Thema Data Security in der Berichterstattung; zumeist würden lediglich allgemeine und pauschale Aussagen getroffen. Es gebe nur wenige Aussagen, die tragfähige Rückschlüsse auf den Stellenwert von Datenschutz und Informationssicherheit erlauben und es fänden sich auch nur wenige KPIs.

Der Stand der HCM-Berichterstattung entspreche nicht mehr den derzeitigen Anforderungen der Investoren, heißt es in der Studie.

Die Stoßrichtung institutioneller Investoren ändert sich massiv. Lag der Fokus zunächst auf der finanziellen Performance, rückten dann Governance-Fragen und eine breitere Sicht auf Nachhaltigkeit in den Blickpunkt. Mittlerweile werden durch Investoren Themen des Human Capital Managements (HCM) stärker denn je priorisiert, zum Beispiel Mitarbeiterfluktuation, Menschenrechte, Diversität oder Frauenquoten,

sagt Michael H. Kramarsch, Managing Partner der HKP Group. Die aktuelle nicht-finanzielle Berichterstattung zu HCM-Themen sei nicht zielführend im Sinne einer Kommunikation zu Wertschöpfung und Risikomanagement. Laut Studie fordern Investoren mehr Informationen, um die Verknüpfung von Geschäftsaktivitäten mit der HCM-Strategie nachvollziehen zu können. Die Studie hat auf Basis internationaler Rahmenwerke eine Taxonomie mit 16 GCM-Kategorien entwickelt, die dazu beitragen soll, die HCM-Berichterstattung im Sinne der Investoren zu standardisieren.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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