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Irgendwas mit 4.0…

Jeder Kongress, jede Veranstaltung seit 2014 hat ein “4.0-Thema”. Die Teilnehmer sind verunsichert, denn die “Digitalisierung” liefert Paradoxa ohne Ende. Kennen Sie Carl Frey und Michael Osborne? Das sind die Jungs, die mit ihrer im Herbst 2013 veröffentlichten Studie “The Future of Employment” gezeigt haben, dass knapp die Hälfte der Jobs in den USA durch die Digitalisierung gefährdet ist. Das gab Aufregung!

Unser Bundesarbeitsministerium hat daher das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in 2015 beschreiben lassen, dass das ja auf Deutschland nicht zutrifft. Nein! Hier, so das ZEW, wird nur knapp jeder Achte betroffen sein. Na solch ein Glück: nur fünf Millionen unserer mehr als 40 Millionen Erwerbstätigen. Da muss man ja nicht weiter drüber reden. Zum Glück sind die neuen kollaborativen (aus dem Schutzkäfig befreiten) Roboter nicht gefährdet. Sie werden heute schon als Springer für kranke Mitarbeiter eingesetzt und können locker 24 Stunden durchspringen. Sie benötigen keine Pausen nach Arbeitszeitgesetz. Aber keine Sorge: Wenn der vormals kranke Kollege zurückkommt, wird der Roboter wieder in den Schrank gesperrt. Oder?

Das nächste Paradoxon: Massiver Personalabbau trifft auf gleichzeitig entstehende viele neue Jobs, die aber völlig neue Qualifikationen erfordern. Künftig gibt es nur noch zwei Sorten von Beschäftigten: die, die den Computern sagen, was sie zu tun haben – und die, denen die Computer sagen, was sie zu tun haben. Vor allem: Anders als bei dem “üblichen” Strukturwandel werden das mittlere Management und die mittlere Facharbeiterebene massiv betroffen sein. Wo, wenn nicht bei einem solchen Strukturwandel, hätte der Human Resources-Bereich eines Unternehmens eine wirkliche Aufgabe?

Das nächste Paradoxon ist aber: HR ist bei diesem Umbruch sowohl Begleiter wie auch potenziell Betroffener. Da wird’s ekelig. Bisher haben wir begleitet – waren aber relativ sicher. DAS liebe HRler, ändert sich massiv. Viele HR-Routineprozesse können locker von Computern oder Robotern übernommen werden, auch wenn viele HRler, die daran mit Herzblut und ihrem Job hängen, es so nicht sehen. HR diskutiert das Ganze noch zu sehr unter der Partikular-Brille von “Personalentwicklung 4.0”, “Führen 4.0”, “Betriebsrat 4.0” oder “Reisekosten 4.0”.

Ja, unsere analog denkende Wirtschaft tut sich schwer mit der Antizipation der Digitalisierung. Disruptiv-exponentiell verlaufende Entwicklungen, verursacht durch Plattformen und vollkommen neue Geschäftsmodelle, wischen momentan zum Beispiel die schwerfälligen Zahlungssysteme der Banken weg oder machen nicht nur den analogen Einzelhandel, Reisebüros oder Partnervermittlungen fast obsolet. Das Ganze geht vor allem schneller als die in Analog-Firmen dazu eingerichteten Arbeitskreise überhaupt einen Starttermin finden.

Reale HR-Spezialisten können nicht durch “Betriebsverfassungs- App”, “CSR-Plattform” oder HR-Roboter mit einprogrammierter Betroffenheit in der Stimme ersetzt werden. Zeigen wir, dass HR bei diesem Umbruch eine wichtige Rolle einnimmt!

Sind Sie auf “4.0” vorbereitet? Schreiben Sie uns!

Autor: Jobst R. Hagedorn