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Jeden Tag ein bisschen besser

Vogelschwarm in Form eines Pfeils
Bild: LoveTheWind/istock

Nach Jahren der Expansion, einer zunehmenden Regulierung sowie den Veränderungen der Bankwelt durch die Digitalisierung war es für die Schweizer Privatbank Julius Bär an der Zeit, die Organisation weiterzuentwickeln. Dieser Veränderungsdruck war insbesondere im Operations-Bereich der Bank zu spüren – also bei den mehr als 1.200 Mitarbeitenden der IT, der Sicherheit, der Rezeption oder der Kasse.


Mit der Unterstützung des Beratungsunternehmens EY führte die Bank deshalb ein Projekt zum Kulturwandel durch. Es sollte den Mitarbeitern Raum zur Rückbesinnung auf die Werte des traditionsreichen Bankinstituts geben und ihnen gleichzeitig neue Instrumente und Arbeitsweisen vermitteln.

Eines der zentralen Anliegen des Projektes war es, einen sogenannten Purpose zu entwickeln, also ein gemeinsames Ziel respektive einen gemeinsamen Leitspruch. In Workshops beschäftigten sich die Führungsmannschaft und einige ausgewählte Mitarbeiter mit den neuen Marktanforderungen und den drei Unternehmenswerten Care, Passion und Excellence. Der in diesen Workshops gemeinsam erarbeitete Leitsatz “Making the bank a little bit better every day” stieß im gesamten Operations-Bereich auf großen Zuspruch. Alle konnten sich hinter ihm versammeln, und er signalisierte deutlich, dass es überall und für jeden vorangeht.

Nach dem Leitsatz folgt die Feinarbeit in den Teams

Anschließend durchliefen Teams, die auch im Arbeitsalltag zusammenarbeiten, jeweils ein siebenwöchiges Programm, um diesen definierten Leitsatz in konkreten Verhaltensweisen umzusetzen und die angestoßenen kontinuierlichen Verbesserungen eigenständig zu erzielen – nicht von oben herab verordnet, sondern von innen heraus vorangetrieben.
Dazu gehörte beispielsweise, Kernprozesse, welche die Teams täglich ausführen, unter die Lupe zu nehmen und zu verbessern. Der Fokus lag aber auch auf den Mitarbeitenden, beispielsweise durch das Schärfen des Bewusstseins für die eigenen Stärken und die der Teamkollegen sowie durch die Förderung einer konstruktiven Feedback-Kultur.

Die ersten Erfolge stellten sich rasch ein, was sich positiv auf die Akzeptanz dieses Change-Projektes im gesamten Operations-Bereich von Julius Baer auswirkte:
• Die Mitglieder der am Programm teilnehmenden Operations-Teams waren besser informiert und fokussierter.
• Ihre Arbeitslast wurde gleichmäßiger verteilt, und das gegenseitige Vertrauen stieg ebenso wie die Eigenverantwortung.
• Dies erhöhte nicht zuletzt auch Zufriedenheit der Mitarbeitenden, was wiederum einen positiven Einfluss auf die Dienstleistungsqualität der Kundenberater hatte.  

Der “Kipp”-Punkt war erreicht, als ungefähr 20 Prozent der Operations-Teams das Programm absolviert hatten. Ab da entstand ein Schneeball-Effekt, und Teams aus dem gesamten Operations-Bereich wünschten die Teilnahme an diesem Programm. Das rasche Erreichen erster Erfolgsgeschichten war aber vor allem auch dafür entscheidend, dass inzwischen auch Teams aus allen anderen Bereichen der Bank Julius Bär an “Better every day” teilnehmen möchten. Aber die Verantwortlichen wissen: Trotz aller Erfolge muss das Programm stets kritisch begleitet und nachjustiert werden. Deshalb soll der begonnene Kulturwandel vom Projekt in die Linie gebracht werden und eine Nachhaltigkeit der ersten Schritte definiert werden, damit man zu einem echten Wandel im täglichen Verhalten kommt. Aus dem Sprint muss ein Marathon werden – und auf diesen arbeitet die Bank nun hin.  

Die Autoren: Dr. Ludwig Ressner, Julius Bär sowie Tobias Sattler und Jörg Thews, EY.

Die Langversion des Beitrags ist in der Ausgabe 10/2017 der Personalwirtschaft erschienen.

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