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Jeder Siebte in Deutschland hat innerlich gekündigt

Gelangweilter unmotivierter Mitarbeiter wirft im Büro Papierflugzeuge
Hierzulande fühlen sich 15 Prozent der Berufstätigen dem Arbeitgeber emotional nicht verbunden.
Foto: © diego cervo/Fotolia.de

Hierzulande fühlt sich nur knapp jeder siebte Mitarbeiter emotional hoch an seinen Arbeitgeber gebunden und ist entsprechend motiviert bei der Arbeit. Genauso viele haben schon innerlich gekündigt. International liegt Deutschland damit im Mittelfeld. In der Europäischen Union ist der Anteil der Mitarbeiter, die bereits innerlich gekündigt haben, mehr als doppelt so hoch.

In Deutschland weisen lediglich 15 Prozent der Berufstätigen eine hohe Bindung zum Arbeitgeber auf. 70 Prozent geben eine geringe Bindung an und die restlichen 15 Prozent fühlen sich überhaupt nicht ans aktuelle Unternehmen gebunden. Damit stehen die Unternehmen noch vergleichsweise gut da: In der EU sind im Schnitt nur elf Prozent aller Arbeitgeber emotional hoch gebunden und ein Viertel (25 Prozent) fühlt sich dem Unternehmen gar nicht mehr verpflichtet. Im DACH-Vergleich liegt Deutschland bei den hoch gebundenen Mitarbeitern etwas vor der Schweiz mit 13 und Österreich mit zwölf Prozent. Gar keine Bindung an den Arbeitgeber zeigen in Österreich 18 Prozent und in der Schweiz zwölf Prozent. Das geht aus der Vergleichsstudie “State of the Global Workplace” von > Gallup hervor, für die zwischen 2014 und 2016 je 1000 repräsentativ ausgewählte Erwachsene in 155 Länder befragt wurden.

USA und Kanada im Engagement Index an der Spitze

Eine Gegenüberstellung der sieben führenden Industrienationen zeigt, dass die USA mit einem Anteil von 33 Prozent emotional hoch gebundener Mitarbeiter den Spitzenplatz einnimmt, gefolgt von Kanada mit 20 Prozent. Deutschland folgt im G7-Ranking auf Platz drei. In den USA fühlen sich allerdings mit 16 und in Kanada mit 14 Prozent ungefähr genauso viele Mitarbeiter gar nicht an ihren Arbeitgeber gebunden wie hierzulande. Schlusslichter in punkto emotionale Gebundenheit im G7-Vergleich sind Italien mit 30 Prozent nicht gebundenen und nur fünf Prozent hoch gebundenen sowie Frankreich mit 25 Prozent emotional ungebundenen und lediglich sechs Prozent hoch gebundenen Beschäftigten. Auch in Japan beträgt der Anteil emotional hoch gebundener Mitarbeiter nur sechs Prozent; fast jeder vierte Berufstätige (23 Prozent) hat innerlich bereits gekündigt. Zwischen Deutschland und Japan rangiert Großbritannien mit einem Anteil von elf Prozent hoch gebundenen und 21 Prozent gar nicht ans Unternehmen gebundenen Arbeitnehmern.

Mitarbeiterbindung ist ein entscheidender Hebel für die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen,

mahnt Marco Nink, Senior Practice Consultant bei Gallup Deutschland. Wenn sich in hoch entwickelten Industriestaaten ein substantieller Teil der Beschäftigten in die innere Kündigung zurückziehe, gefährde das den Erfolg der gesamten Volkswirtschaft. Allein in Deutschland verursache die innere Kündigung zwischen 80 und 105 Milliarden Euro.

Führungsqualität belohnen und Mitarbeiterbindung zur Kennzahl machen

Laut Gallup lässt sich ein Mangel an emotionaler Mitarbeiterbindung zumeist auf Schwächen in der Unternehmenskultur und auf Defizite in der Personalführung zurückführen. Aus motivierten Mitarbeitern würden Verweigerer, wenn ihre zentralen Bedürfnisse bei der Arbeit ignoriert werden. Zu diesen Bedürfnissen gehörten etwa Erwartungsklarheit und das Setzen von Prioritäten, eine passende Zuordnung von Aufgaben sowie regelmäßiges konstruktives Feedback, also auch Lob und Anerkennung für gute Leistung. Daher sollten sollten Führungskräfte bei den Aspekten Zugänglichkeit, Zuständigkeit und Zielorientierung ansetzen. Außerdem empfiehlt Marco Nink den Unternehmen, ein Performance Management aufzubauen, das Führungsqualität honoriert und Mitarbeiterbindung zur entscheidenden Kennzahl macht.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.