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Kleine Lügen sind im Arbeitsleben normal

Mitarbeiter telefoniert und gestikuliert beschwichtigend
“Klar, Chef, ich bin da dran” – auch wenn’s nicht stimmt: Mitarbeiter schützen sich oft mit Lügen vor Sanktionen. Foto: © Elnur-stock.adobe.com

45 Prozent der Berufstätigen hierzulande greifen gelegentlich auf kleine Lügen im Job zurück. 28 Prozent tun dies regelmäßig. Diese Art von Lüge erfolgt eher beiläufig, um gut über die Runden zu kommen und dient oft der Beschönigung à la “Ich bin da dran”. Von den Männern ist jeder zweite (51 Prozent) der Ansicht, dass kleine Lügen einfach zum Berufsleben dazu gehören. Von den Frauen sehen dies mit 45 Prozent etwas weniger so. Mehr als die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer (54 Prozent) ist überzeugt, dass Ehrlichkeit im Job nur Ärger nach sich zieht.

Grobe vorsätzliche Lügen setzt weniger als jeder Zehnte ein

Große Lügen, die vorsätzlich vorgebracht werden und Tatsachen grob verdrehen wie zum Beispiel “Ich habe den Großkunden gewonnen!” kommen zwar auch zum Zuge, allerdings lediglich bei acht Prozent der Berufstätigen. Sechs Prozent setzen sie regelmäßig ein, um sich im Job durchzusetzen. Die Männer mit acht Prozent nehmen es hier etwas weniger genau als die Frauen mit vier Prozent. Für die Mehrheit der Frauen (90 Prozent) und Männer (80 Prozent) haben vorsätzliche Lügen im Arbeitsleben nichts zu suchen. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Arbeitgeberbewertungsplattform > Glassdoor. Dafür wurden im März 1054 deutsche Berufstätige ab 18 Jahren befragt.

Die meisten wollen mit Lügen Fehler und Misserfolge verheimlichen

Die Studie zeigt übrigens, dass die Befragten Freunde und Familie deutlich häufiger anlügen als ihre Vorgesetzten: 38 Prozent geben an, ihren Lebenspartner oder ihre Lebenspartnerin schon einmal belogen zu haben. Und wenn im Job geflunkert oder gelogen wird, worum geht es dabei? Der Hauptgrund ist, Fehler und Misserfolge zu verbergen; 27 Prozent der Befragten geben dies an. 21 Prozent haben schon einmal die Unwahrheit gesagt, weil sie vermuten, dass ihre Chefs keine abweichende Meinung akzeptieren. An dritter Stelle mit zwölf Prozent steht das Motiv, Strafen und Sanktionen zu entgehen. Unabhängig von den Gründen sagen nur 15 Prozent, bereits einmal ihren Vorgesetzten angelogen zu haben. Gegenüber dem CEO wagten das nur fünf Prozent.

Die Tatsache, dass sich zahlreiche Berufstätige dann und wann mit einer Notlüge behelfen, ist nicht weiter kritisch. Schwierig wird es dann, wenn sie in einem Unternehmen arbeiten, in dem sie es vielleicht müssen, weil Fehler und Misserfolge nicht toleriert werden und Sanktionen drohen,

kommentiert Felix Altmann, Arbeitsmarktexperte bei Glassdoor, die Umfrageergebnisse. Seiner Meinung nach sollte es sich herumgesprochen haben, dass ein offener Umgang mit Fehlern dafür sorgen kann, dass Berufstätige kreativer und mutiger werden. Wer am Arbeitsplatz ständig lügen oder sich verstellen müsse, sollte überlegen, ob er dort noch richtig aufgehoben ist, so Altmann.

Jeder fünfte Berufstätige gibt sich nicht authentisch im Job

A propos “sich verstellen”: Immerhin gut jeder fünfte Befragte (22 Prozent) gibt an, sich am Arbeitsplatz nicht authentisch zu verhalten. Fast jeder Dritte (32 Prozent) sagt, dass er sogar niemals Gefühle im Job zeigt – laut Studie ein recht ernüchterndes Bild der Arbeitswelt mit der Frage, wie viel Raum da für erfrischende Ehrlichkeit bleibe.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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