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Lebensläufe in HR: „Ich finde gerne Lösungen“

Personalwirtschaft: Diplom-Informatikerinnen haben bis heute Seltenheitswert. Was hat Sie zu dem Studium bewogen? Und wie haben Kommilitonen auf Sie reagiert?

Ina Bourmer: Oh das ist schon lange her. Aber auch heute noch liebe ich, dass die Mathematik in der Regel deterministisch und klar ist. Ich mag die Analytik und finde gerne Lösungen – das hat einfach gut gepasst. Es war einer der ersten Informatik-Studiengänge überhaupt und wir waren anfangs vier Frauen bei 200 Studierenden. Beendet haben es damals nur zwei Frauen, eine heutige Informatik-Professorin aus Trier und ich. Von Informatik-Kollegen habe ich damals gehört, dass ich eher ungewöhnlich für eine Informatikerin sei. Ich gehe davon aus, dass das als Kompliment gemeint war, denn ich war tatsächlich eine der wenigen, die nicht in Herrensandaletten und weißen Tennissocken herumlief.

Nach vielen Jahren als selbstständige Personalberaterin sind Sie in ein Angestelltenverhältnis gewechselt. Was gab den Ausschlag?

Es war Ende 2008 und nach vielen Jahren des Hypes hatten einige unserer Personalberatungskunden einen Headcount-Freeze. Bei einem Akquise-Gespräch mit der Telekom, für die ich eigentlich als Personalberater arbeiten wollte, lernte ich dann meinen späteren Chef kennen. Er überzeugte mich davon, dass die Telekom mich für den Aufbau einer modernen internen Recruiting-Abteilung benötigen würde und weniger als externe Personalberaterin. Meine Aufgabe bestand darin, aus den damals eher administrativ orientierten Mitarbeitern meines Teams ergebnisorientierte “interne Personalberater” zu machen. So zumindest hat mein Team das formuliert. Die Aufgabe war einfach zu spannend, um sie nicht zu machen. Wir haben 2009 proaktiv Kandidaten ohne Personalberater angesprochen und so das “Active Sourcing” aus den USA erstmalig in Deutschland etabliert. Heute ist das natürlich eine Selbstverständlichkeit. Microsoft war dann einfach der nächste logische Schritt mit deutscher Gesamtverantwortung, nachdem bei der Telekom das Recruiting “modernisiert” war.

Was bedeutet Ihnen die Malerei?

Malen heißt für mich, abzuschalten und kreativ zu sein. Ich mache das immer für mich ganz allein. Im Gegensatz zum Alltag ist das für mich eine sehr entspannende Situation.

Wo liegen Ihre Talente?

Ich bin sehr neugierig und pragmatisch. Wenn etwas irgendwie geht, packe ich es an.

Warum haben Sie sich 1997 für den Wechsel ins Personalfach entschieden? Was reizt Sie an Personalarbeit?

Ich hatte bereits einige Jahre lang – damals noch unentgeltlich – ITler aus meinem Umfeld vermittelt, nach der Devise: “Kennst Du nicht jemanden?” Als ich dann bei der Ley GmbH unter anderem für die Beschaffung von neuem Personal zuständig war, arbeitete ich mit Headhuntern zusammen, die Verständnisschwierigkeiten mit den genauen Anforderungen im IT-Umfeld hatten und dennoch ziemlich hohe Honorare verlangten.

Da habe ich nicht lange gefackelt, sondern erkannt, dass ich in dem Umfeld durch meine damalige IT-Expertise eine richtig gute Personalberaterin sein konnte.

Das habe ich auch sofort bei zwei großen amerikanischen Konzernen unter Beweis gestellt. Das war mein Einstieg in das HR-Business.

Welche zentralen Lehren aus dem Studium haben Ihnen im Berufsleben wirklich weitergeholfen?

Das Informatikstudium hat mir vor allem in meiner Anfangsphase beim Rekrutieren von ITlern enorm geholfen. Mit meinem Fachwissen konnte ich in der Auftragsklärung punkten, während mir für die “Augenhöhe” bei den Gesprächen mit den Fachbereichen mehr als einmal das “Diplom- Informatikerin” auf der Visitenkarte geholfen hat, nach dem Motto: “Sie sind ja vom Fach …”

Wie würden Sie einem Außenstehenden erklären, was Esailors macht und welche Rolle Sie dabei spielen?

Unsere Firma ist der interne Full-Service-Dienstleister für das börsennotierte Unternehmen Zeal Network und seine Tochtergesellschaften, darunter Marken wie Tipp24 oder Mylotto24. Als Unternehmen bieten wir unterschiedlichste Lotterie-Dienstleistungen im B2B- und B2C-Bereich an. Ich bin die HR-Leiterin der gesamten Zeal-Gruppe mit Offices in London, Madrid und Hamburg.

Gab es Irrwege oder Sackgassen, in die Sie geraten sind?

München war und ist als Urlaubsort für mich prima. Dort als Rheinländer zu wohnen, ist eine andere Sache – die Bayern mögen es mir bitte verzeihen.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.