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Lebensläufe in HR: „Konstruktiv mit Menschen arbeiten“

Besonders geradlinig ist Ihr Lebenslauf nicht: vom
Bankkaufmann zum Polizeikommissar, dann ins Psychologiestudium und von
dort zu HR.

Die Frage überrascht nicht, bin ich diese
von deutschen Kollegen gewohnt, weit weniger jedoch von Kollegen aus dem
asiatischen oder angloamerikanischen Raum. Auf den ersten Blick mag
mein Lebenslauf in der Tat nicht geradlinig erscheinen. Er spiegelt
jedoch meine persönliche Entwicklung wider und nahezu alle Kompetenzen,
die ich mir in den HR-untypischen Berufsfeldern sowie dem später
absolvierten Studium an der LMU München angeeignet habe, kann ich heute in dem komplexen und vielfältigen Verantwortungsbereich als Personaler sehr gut einsetzen.
Die Ausbildung hat mir zur weiteren beruflichen Orientierung gedient
und war im Wesentlichen ein sinnvoller erster Schritt ins Berufsleben,
nachdem ich mein Abitur an einem Gymnasium mit Schwerpunkt Wirtschaft
absolviert hatte.

Spannend liest sich insbesondere Ihre dreijährige Station als Polizeikommissar. Sind Sie Krimi-Fan?
In
der Tat lese und schaue ich gerne Krimis, besonders die subtileren.
Neben dem, dass das Studium extrem spannend war, konfrontiert Hamburg
als Stadtstaat einen Polizisten im Besonderen mit einem vielschichtigen
Aufgabenspektrum und der ganzen Bandbreite sozialer Schichten und deren
Problemfelder. Das hat insbesondere mein reges Interesse nach aufregenden neuen Erfahrungen befriedigt.
Schlussendlich waren es die vorwiegend repressiven Aufgabenstellungen,
die Einschränkung der geografisch beruflichen Veränderungsmöglichkeiten
sowie das Ziel, meine zukünftigen Karrieremöglichkeiten zu erweitern,
die den notwendigen Anstoß geliefert haben, die Sicherheit des
Beamtenstatus auf Lebenszeit aufzugeben und mich in der Wirtschaft
beruflich neu zu orientieren.

Was hat Sie zu Ihrem zweiten Studium, dem der Psychologie
bewogen? War da das Ziel, in die HR-Welt einzusteigen, schon in Ihrem
Kopf?

Der Entschluss, Pädagogische Psychologie in
Kombination mit Organisationpsychologie und interkultureller
Kommunikation zu studieren, war sukzessive während der Zeit als
Polizeibeamter gereift. Ich kam zu der Erkenntnis,
ressourcenorientiert und konstruktiv mit Menschen arbeiten zu wollen.
Letztlich wollte ich nach dem Studium an der LMU als Trainer arbeiten.
Während des Studiums war ich dann als Werkstudent bei einer kleinen
Trainingsfirma in München tätig und ich war mir sicher, dass ich mich
nur dann authentisch im Trainingsmarkt behaupten könnte, wenn ich mir
vorher in der Wirtschaft meine Sporen verdient hätte. Daher startete ich
nach dem Studium bei Hugo Boss.

Sie sind sowohl bei Hugo Boss als auch jetzt bei Puma dem Bereich Talent Management treu geblieben. Was reizt Sie daran?
Mich
reizt einerseits die Vielschichtigkeit und Komplexität von Talent
Management, insbesondere im Kontext einer internationalen Organisation.
Andererseits, neben der unstrittig strategischen Bedeutung, empfinde
ich es auf einer ganz persönlichen Ebene als äußerst befriedigend,
Mitarbeiter verschiedener Hierarchieebenen gezielt zu fördern,
durch veränderte Herausforderungen der Position oder Aufgaben an das
Unternehmen zu binden und dabei die positiven Auswirkungen auf das
Business zu erleben. Die Erfahrung bei Puma zeigt, dass globales Talent
Management die Organisation in gesunden Stress versetzt und damit als
entscheidender Impulsgeber bezüglich der Veränderungs- und
Innovationsfähigkeit der Gesamtorganisation fungiert.

Hatten Sie auf Ihrem beruflichen Weg einen Mentor?
Auf
meinem beruflichen Weg haben mich weniger Mentoren als vielmehr Coaches
begleitet. Den ersten professionellen Coach habe ich während meines
Studiums an der LMU in Anspruch genommen. Auch heute reflektiere ich mein Handeln und wo ich aktuell stehe regelmäßig mit Unterstützung von Coaches. Da ich selbst systemischer Coach bin, weiß ich um die Kraft und Effektivität dieser Methode.

Beschreiben Sie Ihren Lebenslauf mit drei Adjektiven.
Aufgeschlossen, ungewöhnlich, vielfältig.

Sie sind noch in der Blüte Ihres Berufslebens. Dürfen wir
noch etwas ganz anderes von Ihnen erwarten oder geht es jetzt eher
geradlinig weiter?

Etwas gänzlich anderes ist nach
jetziger Einschätzung nicht von mir zu erwarten. Dafür bietet das
moderne Personalmanagement eine zu facettenreiche Spielwiese und wird
außerdem weiterhin an Bedeutung zunehmen. Hieraus resultiert vielmehr mein persönliches Ziel, als nächsten Schritt die Rolle des Gesamtpersonalleiters eines Unternehmens einnehmen zu wollen.

Dieser Beitrag ist in Ausgabe 07/2017 erschienen. Sie können das komplette Heft in unserem › Archiv lesen.