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Mehr Druck und Belastung des Privatlebens

Die Digitalisierung geht mit einem hohen Arbeitstempo einher, das viele Menschen erschöpft. 
Foto: © denisismagilov/Fotolia.de
Die Digitalisierung geht mit einem hohen Arbeitstempo einher, das viele Menschen erschöpft.
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Viele Berufstätige sehen die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt zwar als positiv an. Dennoch fühlen sie sich belastet, vor allem in Verbindung mit ständiger Erreichbarkeit. Das kann sich negativ auf die Gesundheit und das Familienleben auswirken, wie eine neue Studie zeigt.

Die Digitalisierung ist inzwischen voll in der arbeitenden Bevölkerung angekommen. Dabei sind die Unterschiede zwischen einzelnen Berufen und Branchen eher gering. Spitzenreiter beim sogenannten Digitalisierungs-Score sind IT- und naturwissenschaftliche Berufe mit 62 Prozent. Schlusslicht sind Reinigungsberufe mit immerhin noch 37 Prozent.

Jüngere Berufstätige sind der Technik gegenüber aufgeschlossener

Die Mehrheit der Berufstätigen in Deutschland steht der Digitalisierung optimistisch gegenüber. Von den 18- bis 29-Jährigen äußerten sich knapp zwei Drittel (65 Prozent) positiv über den digitalen Wandel, in der Gruppe der über 60-Jährigen rund die Hälfte (51 Prozent). Das geht aus der aktuellen Studie “Auswirkungen der Digitalisierung der Arbeit auf die Gesundheit von Beschäftigten” der Universität St. Gallen hervor. Für die Studie wurden im Juli und August dieses Jahres mehr als 8000 deutsche Arbeitnehmer befragt. Die Untersuchung entstand im Auftrag der Barmer GEK.

Angst vor Arbeitsplatzverlust ebenfalls bei Jüngeren größer

Dennoch spüren viele Arbeitnehmer, vor allem Führungskräfte und jüngere Berufstätige, einen überdurchschnittlichen Digitalisierungsdruck, zum Beispiel durch ein erhöhtes Arbeitstempo und die Informationsflut. Mit zunehmendem Alter nimmt die Angst vor Arbeitsplatzverlust durch Technik jedoch ab: Während in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen 27 Prozent der Befragten diese Sorge umtreibt, sind es bei den über 60-Jährigen noch 12 Prozent.

Alarmsignal: Jeder Vierte fühlt sich ausgebrannt

Nach Angaben von Studienleiter Prof. Dr. Stephan Böhm geht die Digitalisierung der Arbeitswelt mit einer Reihe von Herausforderungen einher, darunter Einschlafschwierigkeiten, Kopf- und Rückenschmerzen sowie emotionale Erschöpfung. Außerdem, so Böhm, hingen 18 Prozent aller Konflikte zwischen Arbeit und Familie mit der Digitalisierung zusammen. Insgesamt fast ein Viertel (23 Prozent) der Studienteilnehmer gab an, sich durch ihre Arbeit ausgebrannt zu fühlen. Das wirkt sich auch auf die Zeit außerhalb der Arbeit aus: Jeder Vierte sagte, dass die Arbeitsanforderungen generell das Privat- und Familienleben beeinträchtigen. Bei jenen, die stark unter dem Digitalisierungsdruck leiden, liegt der Anteil bei 39 Prozent und damit erheblich höher.

Die Wissenschaftler machten anhand der gesammelten und ausgewerteten Daten Verhaltensweisen und Rahmenbedingungen aus, die den unerwünschten Begleiterscheinungen entgegenwirken:

Flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte, Sport, Verzicht auf Diensthandy und Dienstcomputer in der Freizeit und eine gute Beziehung zur Führungskraft gehen einher mit verringerten Arbeits- und Familienkonflikten sowie weniger emotionaler Erschöpfung,

sagte Böhm.

Gegensteuern mit BGM und neuen Flexibilitätskompromissen

Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, forderte Unternehmen auf, gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung in ihrem betrieblichen Gesundheitsmanagement rechtzeitig entgegenzuwirken. Anlässlich der Präsentation der Studie sagte Andrea Nahles (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales, es gelte, neue Flexibilitätskompromisse zu verhandeln, die sowohl den Anforderungen der digitalen Arbeitswelt als auch den familiären und gesundheitlichen Bedürfnissen der Beschäftigten Rechnung tragen. Dieses Thema treibe sie im Dialogprozess Arbeiten 4.0 weiter voran.

Die Studie steht als > PDF-Datei zur Verfügung.