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Migranten – öfter arbeitslos, öfter überqualifiziert

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben 16,5 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund. Zwei Drittel von ihnen sind im Ausland geboren, die allermeisten leben seit mehr als zehn Jahren in der Bundesrepublik. Ein Drittel der Menschen mit Migrationshintergrund ist hier geboren, zählt also zur sogenannten zweiten Generation.

Gut ausgebildete Migranten, aber auch viele ohne Berufsausbildung

Unter den Zugewanderten gibt es viele gut ausgebildete Menschen: Migranten aus West- und Nordeuropa sind mit einem Akademikeranteil von 36 Prozent besonders häufig hoch qualifiziert, aber auch Zuwanderer aus der EU-Ost sind mit einem Akademikeranteil von 19 Prozent überdurchschnittlich oft gut gebildet, bei Menschen aus vielen Drittstaaten sind es 24 Prozent. Andererseits ist aber auch der Anteil von Personen ohne Abschluss deutlich höher als bei Einwohnern ohne Migrationshintergrund.

Zugewanderte sind fast doppelt so häufig erwerbslos

Die Erwerbslosenquote von Migranten liegt insgesamt bei fast zehn Prozent, damit liegt sie etwa doppelt so hoch wie beim Rest der Bevölkerung. Und diejenigen, die eine Arbeit finden, sind häufig in weniger angesehenen Jobs tätig. Selbst unter den qualifizierten Einwanderern mit Berufsabschluss ist der Anteil prekär Beschäftigter vergleichsweise hoch. Bei Männern ohne Berufsqualifikation, die in Deutschland geboren sind und zumindest ein Elternteil aus der Türkei oder dem ehemaligen Jugoslawien haben, ist die Wahrscheinlichkeit von Erwerbslosigkeit fast doppelt so hoch wie bei Männern ohne Migrationshintergrund. Bei Frauen der zweiten Generation mit türkischem Hintergrund ohne Berufsabschluss sieht es genauso aus. Das zeigt eine Untersuchung aus dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, für die die neuesten verfügbaren Daten aus dem Mikrozensus ausgewertet wurden.

Auch mit Abschluss schlechtere Aussichten auf einen Job

Wer eine Ausbildung abgeschlossen hat, findet zwar eher Arbeit. Doch männliche Zuwanderer aus Drittstaaten mit mittlerer Qualifikation sind mit fast dreimal so hoher Wahrscheinlichkeit von Erwerbslosigkeit betroffen wie Männer ohne Migrationshintergrund. Akademiker haben zwar bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, aber auch hier gibt es einige Gruppen, die benachteiligt sind. So sind Hochschulabsolventen aus Drittstaaten mit drei- bis fünfmal so hoher Wahrscheinlichkeit arbeitslos wie die Referenzgruppe. Unter hochqualifizierten Aussiedlerinnen und Aussiedlern, Männern mit türkischem Migrationshintergrund, Frauen der ersten Generation aus dem ehemaligen Jugoslawien und Zugewanderten beiderlei Geschlechts aus dem Osten der EU liegt die Wahrscheinlichkeit mehr als doppelt so hoch.

Die Wissenschaftlerinnen halten es für notwendig, nicht nur Neuzuwanderung zu fördern und zu regeln, sondern die Aufmerksamkeit sehr stark auch auf eine bessere Unterstützung der bereits seit langem in Deutschland lebenden Migranten zu richten. Sie fordern, dass mehr Geld in die Qualifizierung von Zuwanderern aus Drittstaaten fließt. Außerdem müssten Maßnahmen gegen Diskriminierung schon am Ausbildungsmarkt ergriffen werden.

Die Untersuchung “Die Arbeitsmarktintegration von Migranten und Migrantinnen in Deutschland. Ein Überblick nach Herkunftsländern und Generationen” ist in Ausgabe 5/2015 der WSI-Mitteilungen erschienen. Weitere Informationen gibt es > hier.

Ausländer mit Abschluss öfter unter ihrem Niveau beschäftigt als Deutsche

Nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben in Deutschland 7,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine ausländische Staatsangehörigkeit. Sie sind im Durchschnitt etwas seltener überqualifiziert beschäftigt (14,7 Prozent) als Deutsche (15,3 Prozent). Dies lässt sich laut IAB darauf zurückführen, dass ausländische Arbeitnehmer öfter keine abgeschlossene oder anerkannte Ausbildung haben, also keine Tätigkeit unterhalb ihrer formalen Qualifikation annehmen können. Ausländische Beschäftigte mit einem beruflichen Abschluss sind aber mit 22,5 Prozent mehr als doppelt so häufig überqualifiziert tätig wie vergleichbare Deutsche. Auch bei Meistern, Technikern und Akademikern sind die Anteile überqualifizierter Ausländer etwas höher.

Der Bericht “Formale Überqualifizierung von Ausländern” steht zum > Download bereit.