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Mindestlohn führt zu kürzeren Arbeitsverhältnissen

Die Praktikanten in Deutschland haben kaum etwas auszusetzen an ihren Arbeitsbedingungen. Gut jeder Zweite ist auch mit dem Gehalt zufrieden.
Foto: © Karin & Uwe Annas/Fotolia.de
Die Praktikanten in Deutschland haben kaum etwas auszusetzen an ihren Arbeitsbedingungen. Gut jeder Zweite ist auch mit dem Gehalt zufrieden.
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Bei den Teilnehmern haben Praktika jedoch insgesamt einen guten Ruf.

Nach Einführung des Mindestlohns in Deutschland verdienen Praktikanten mehr: Ihr Durchschnittsgehalt stieg gegenüber dem Vorjahr um 10,6 Prozent von 859,27 Euro auf 950,43 Euro brutto im Monat. Mindestlohnrelevante Praktika werden im Schnitt sogar mit 1.240,18 Euro entlohnt. Überproportional stiegen die Gehälter bei Master-Studenten. Sie erhalten mit 1.079,82 Euro monatlich nun 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Anzahl nicht mindestlohnrelevanter Praktika verdoppelt

Viele Arbeitgeber passen ihre Praktika offenbar den neuen Bedingungen an und setzen verstärkt auf Arbeitsverhältnisse, die vom Mindestlohngesetz ausgenommen sind. So werden Praktika deutlich kürzer. Die Anzahl der dreimonatigen Praktika, die vom Mindestlohn ausgenommen sind, verdoppelte sich und stieg anteilig an der Gesamtzahl der Praktika von elf auf 21 Prozent. Die durchschnittliche Praktikumsdauer fiel 2015 von rund sechs auf rund fünf Monate. Das geht aus dem aktuellen Praktikantenspiegel von > Clevis hervor. Für die Studie wurden 6.200 Praktikanten befragt.

Berufserfahrungen wichtiger als Gehaltshöhe

Mit 78 Prozent befürwortet die Mehrheit der Praktikanten prinzipiell die Einführung eines Mindestlohnes und für 81 Prozent ist dieser auch ein Merkmal für faire Arbeitgeber. Allerdings finden es drei Viertel aller Praktikanten wichtiger, relevante Erfahrungen zu sammeln als angemessen zu verdienen. Die allgemeine Zufriedenheit mit dem Gehalt nahm gegenüber dem Vorjahr von 52,4 auf 55,7 Prozent zu. Die Zahl der explizit Unzufriedenen fiel von 22 auf 19 Prozent.

Zufrieden und zu Überstunden bereit

87 Prozent der Befragten sind oder waren mit ihrem Praktikum zufrieden. Besonders hoch ist der Grad der Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen (89 Prozent), der Aufgabengestaltung (81 Prozent) sowie dem Teamklima (81 Prozent). Entsprechend hoch wird auch die Qualität der Work-Life-Balance von Praktikanten eingestuft: Auf einer Skala von eins (sehr schwach) bis sieben (sehr hoch) ordnen sie dieser einen Wert von 5,76 zu. Dabei absolvieren immerhin 39 Prozent der Praktikanten Überstunden – im Durchschnitt arbeiten sie 39,3 Wochenstunden.

Am meisten Arbeitszeit verbringen Praktikanten in Unternehmensberatungen (43,8 Stunden), Personalberatungen (41,1 Stunden) sowie in der Konsumgüterindustrie (40,6 Stunden). Vergleichsweise kürzere Arbeitswochen haben Praktikanten in den Branchen Maschinenbau (37 Stunden), Telekommunikation (37 Stunden) und Finanzen (36,5 Stunden) – Bereiche, die besonders stark vom Mangel an Fachkräften betroffen sind.

Unternehmen aus Branchen, die dem “War for talents” besonders stark ausgesetzt sind, sind bemüht, ihren Praktikanten, die nach ihrem Studium meist begehrte Kandidaten für eine Festanstellung sind, ein möglichst optimales Praktikum zu bieten, um sie nicht schon frühzeitig zu verprellen,

interpretiert Studienleiterin Kristina Bierer die Ergebnisse.

Praktikanten sind wenig mobil

Fast die Hälfte (48 Prozent) der Befragten absolviert ein Praktikum am eigenen Wohnort. Nur ein Drittel wagt sich weiter als 200 Kilometer von zu Hause weg. Das Ausland lockt für ein Praktikum kaum: Während 48,5 Prozent aller Praktikanten in der Schule oder im Studium bereits mindestens sechs Monate im Ausland waren, haben nur 13 Prozent ihr Praktikum außerhalb Deutschlands gemacht.