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Mitarbeiter sehen ihre Unternehmenskultur eher positiv

Arbeitskollegen am Tisch, gute Stimmung
Foto: © REDPIXEL-stock.adobe.com

Seit 2019 veröffentlicht die Arbeitgeber-Bewertungsplattform > Kununu den “Kulturkompass”. Er zeigt auf den Unternehmensprofilen die Kulturdaten aus Mitarbeitersicht. Nun hat > Neo Culture 153 000 der auf Kununu durchgeführten Kultur-Assessments für Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) untersucht. Ausgewertet wurden Datensätze, die zwischen September 2019 und Mai 2020 erhoben wurden.

Für den Kompass als Kultur definiert wurden die im Arbeitsalltag eines Unternehmens erlebbaren Werthaltungen und erkennbaren Handlungsmuster. Grundlage des Verfahrens sind 160 Wertbegriffe, aus denen die Bewerter jeweils bis zu 40 Begriffe auswählen können, die am besten zu ihren Erfahrungen passen. Die aktuelle Auswertung zeigt, dass zwei Drittel (67 Prozent) der mit den jeweiligen Arbeitgeberkulturen verbundenen Begriffe positiv belegt sind und auf Stärken von Arbeitgebern hinweisen. Der Durchschnittsscore auf der Plattform liegt derzeit bei 3,4 von fünf möglichen Punkten.

Aus Sicht der Mitarbeiter ist das Glas also mehr als halb voll,

sagt Timm Richter von Neo Culture.

Hilfsbereitschaft und kollegiales Verhalten am wichtigsten für positiv empfundene Kultur

Die Kollegen spielen für die Unternehmenskultur offenbar eine wesentliche Rolle. Am häufigsten wählten Mitarbeiter für den Kulturkompass den Wertbegriff “Kollegen helfen” aus; 55 Prozent entschieden sich dafür. Gleich an zweiter Stelle mit 48 Prozent steht “sich kollegial verhalten”. Kollegen sorgten für ein Heimatgefühl in Unternehmen, sagt Richter. Die zwei Begriffe, die am häufigsten auf Schwächen in der Kultur hinweisen, sind “Mitarbeiter klein halten” mit immerhin 25 Prozent der Nennungen sowie “Mitarbeiter über Richtung im Unklaren lassen” mit 23 Prozent.

Moderne Arbeitskultur erhält etwas mehr Zustimmung als traditionelle

Der Kulturpass unterscheidet außerdem Wertbegriffe, die mit “klassischem Arbeiten” (Maschinenmodell – Funktionieren – Organisation) von solchen, die eher mit “neuem Arbeiten” (Netzwerkmodell – Entdecken – Interaktion) assoziiert sind, wobei die beiden Kategorien als grundsätzlich wertneutral betrachtet werden. Die Analyse zeigt, dass Mitarbeiter die Begriffe, die mit modernen Arbeitskulturen verknüpft sind, mit einem Anteil von 53 Prozent etwas häufiger wählen als jene, die auf eine traditionelle Kultur hinweisen (47 Prozent). Dabei seien Mischformen von Altem und Neuem derzeit nicht die Ausnahme, sondern die Regel, so Richter. Beide Ausprägungen seien für den Unternehmenserfolg unerlässlich. Allerdings verbinden 40 Prozent der Bewerber “klassisches Arbeiten” mit negativen Begriffen, während dies bei “neuem Arbeiten” nur bei 26 Prozent der Fall ist.

Unternehmensgröße und Branche machen den Kulturunterschied

Der Ländervergleich ergab, dass es bei Arbeitnehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kaum Unterschiede bei der Wahrnehmung der Unternehmenskultur ihrer Arbeitgeber gibt. Entscheidend für Kulturunterschiede sind laut Studie eher die Unternehmensgröße und die jeweilige Branche. So identifizieren zum Beispiel Mitarbeiter des Bankensektors überdurchschnittlich oft die Kulturbegriffe “vorsichtig sein” sowie “formell und korrekt sein” mit ihren Unternehmen. Dagegen erleben Mitarbeiter der Internetwirtschaft in ihrem Berufsalltag häufiger die Handlungsmuster “einfach mal machen” und “schnell sein”.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.