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Mitarbeiter systematisch befragen – und entsprechend handeln

©geschmacksRaum® - stock.adobe.com
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Wie geht es unseren Mitarbeitern im Homeoffice? Was brauchen sie dort, um einen guten Job zu machen? Wie erleben sie Führung auf Distanz? Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie, in denen Mitarbeiter nur selten im Büro oder auf dem Flur anzutreffen sind, sind gezielte Befragungen wichtig, um einen Stimmungscheck zu machen beziehungsweise nach erfolgskritischen Themen wie Leadership, Führung und Motivation zu fragen. Anderenfalls werden in den unsicheren und herausfordernden Zeiten Warnzeichen nicht früh genug erkannt und Regelungen für das “New Normal” über die Köpfe der Mitarbeiter hinweg – und damit oftmals an ihren Bedürfnissen vorbei – entwickelt. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Mitarbeiterbefragungen lassen sich mit den heutigen Tools und Feedbacksystemen schneller, unkomplizierter und zielgerichteter durchführen als je zuvor. So können sich die Mitarbeiter zum Beispiel per Smartphone beteiligen, die Auswertung erfolgt weitgehend automatisiert.

Auf Umfragen müssen Taten folgen

Idealerweise geht es bei den Umfragen um ganz gezielte Fragestellungen, damit aus den Antworten auch möglichst konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können: Wer etwa aus der Mitarbeiterschaft erfährt, dass viele Beschäftigte mindestens zwei Tage pro Woche im Homeoffice arbeiten möchten, sollte auch eine neue Homeoffice-Richtlinie einführen. Wenn die Mitarbeiter mit der Art der Führung auf Distanz nicht zufrieden sind, sollte über dieses Thema zeitnah diskutiert werden. Bislang herrscht in den wenigsten Unternehmen eine solche Systematik und toolgestützte, kontinuierliche sowie event-basierte Feedbackkultur. Viel mehr sind die oftmals routinemäßig einmal im Jahr durchgeführten Umfragen meist nicht spezifisch genug, geben keine Handlungsimpulse und landen oftmals ungenutzt in der Schublade. Damit verpuffen sie nicht nur wirkungslos, sondern führen darüber hinaus zu enttäuschten Erwartungen.

Unternehmen jedoch, die ihre Befragungsergebnisse anschließend in passende Instrumente, Konzepte und Maßnahmen überführen, kommen nicht nur besser durch die aktuelle Krise. Sie machen auch insgesamt einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der Employee Experience – kurz EX. Unter diesem Schlagwort wollen sich die Firmen grundsätzlich stärker und vor allem systematischer als bisher darauf konzentrieren, wie zufrieden die Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen sind – und zwar vom ersten Kontakt bei der Bewerbung an über das Onboarding und Development bis hin zum Ausscheiden aus dem Unternehmen – also entlang der gesamten Employee Journey. Und auch hier ist eines der zentralen Anliegen: die Mitarbeiterzufriedenheit in strategisch ausgewählten Bereichen messen, um gezielte Maßnahmen – etwa zum Thema Leadership oder Purpose – ableiten zu können und deren Wirkung mit erneuten Befragungen nachhalten und belegen zu können. Mögliche Fragestellungen wären: Verstehst Du die Werte des Unternehmens? Oder: Wie kundenorientiert ist unser Unternehmen?

Die ideale Umfrage ist schnell und zielgerichtet

Besonders große Resonanz ist zu erwarten, wenn die Umfragen kurz gehalten werden. Idealerweise dauern sie nicht länger als fünf Minuten. Leichtigkeit und Schnelligkeit lautet die neue Devise – auch im Hinblick auf eine Belegschaft, die das schnelle Bewerten per Smartphone bereits aus anderen Lebensbereichen gewohnt ist. Ebenfalls sehr gut funktionieren Umfragen, wenn die Mitarbeiter die Auswirkungen ihrer Bewertungen ganz unmittelbar erleben können. Wenn sie etwa direkt nach einer Veranstaltung ihre Bewertung abgeben und bei der nächsten schon sehen, dass ihre Vorschläge umgesetzt wurden. So gilt es insgesamt, sinnvolle Events zu bestimmen, die man bewerten lässt: Mitarbeitergespräche zum Beispiel, Workshops oder Rekrutingprozesse. Bei allen Umfragen ist es wichtig, dass die Fragestruktur kritisch durchleuchtet wird, so dass aus den Antworten auch tatsächlich konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können. Hierzu braucht es erfahrene Mitarbeiter, die jedoch auch von den einschlägigen Umfrage-Tools immer besser unterstützt werden. So bieten diese für bestimmte Umfragezwecke Templates an, die sich auf das jeweilige Unternehmen und an die spezielle Situation der Befragten anpassen lassen. 

Sich an der Mitarbeiterzufriedenheit messen lassen

Schließlich gibt es noch ein weiteres schlagkräftiges Argument für auf diese Weise systematisch und regelmäßig durchgeführte Befragungen, das die HR-Abteilung selbst betrifft. So können Personaler durch die damit einhergehende Messbarkeit der Mitarbeiterzufriedenheit ihren eigenen Beitrag zum Geschäftserfolg sehr viel besser beziffern. Denn auch gerade hier zeigen sich überzeugende Korrelationen: So steigern “Great Place to Work”-Unternehmen ihr Umsatzwachstum um mehr als 106 Prozent verglichen zu anderen Unternehmen über einen Zeitraum von vier Jahren. Eine Steigerung des Engagement Level der Mitarbeiter um ein Prozent steigert die Umsatzrendite durchschnittlich um 3,7 Prozent innerhalb von drei Jahren.

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(Autor) Mark Saul, Associate Partner und Andreas Thomas Fütterer, Senior Consultant HR Transformation und Change Management bei der Unternehmensberatung EY.

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