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Wie sehr haben sich die Dax-Vorstände gewandelt?

Im 9. Dax-Vorstandsreport wird die oberste Ebene der 30 größten börsennotierten Unternehmen unter die Lupe genommen. (Foto: Adobe Stock)
Im 9. Dax-Vorstandsreport wird die oberste Ebene der 30 größten börsennotierten Unternehmen unter die Lupe genommen. (Foto: Adobe Stock)

Die Vorstandsmitglieder von Dax-Unternehmen sind in ihren Charakteristika innerhalb der vergangenen zwei Jahre weitgehendst gleich geblieben. Das Durchschnittsalter sowie der Frauenanteil in Dax-Vorständen sind leicht gestiegen. Die Zahl der Vorstandsmitglieder mit ausländischer Herkunft ist stagniert, der Anteil der Promovierten gesunken. Das geht aus dem neunten Dax-Vorstandsreport der internationalen Personalberatung Odgers Berndtson hervor.

Für den Report wurden 191 Vorstandsprofile der 30 größten börsennotierten Unternehmen analysiert und mit den Ergebnissen aus den Jahren zuvor verglichen. Dabei zeigte sich, dass die Dax-Vorstandsmitglieder derzeit durchschnittlich 54 Jahre alt sind. Im Vergleich zu 2019 ist das Durchschnittsalter um 0,2 Prozent leicht gestiegen. Das jüngste Mitglied ist mit Thomas Saueressig von SAP 36 Jahre alt. Bei der Berufung in den Vorstand waren die Mitglieder durchschnittlich 49 Jahre alt. Damit werden seit 2014 kontinuierlich immer ältere Professionals in den Vorstand von Dax-Unternehmen berufen.

Frauenanteil leicht gestiegen

Jeder vierte Neuling in Dax-Vorständen war im Jahr 2021 eine Frau. Derzeit besetzen 33 Frauen Vorstandspositionen in den 30 größten börsennotierten Unternehmen (17 Prozent). Diese Zahl ist seit 2019 um drei Prozent gestiegen. In sechs Vorständen sitzen allerdings immer noch keine Frauen und es gibt mit Belén Garijo López, CEO beim Chemie- und Pharmaunternehmen Merck, nur eine weibliche Dax-Chefin. Dennoch sieht Katja Hanns-Terrill, Personalberaterin bei Odgers Berndtson, eine Wirkung der neu eingeführten Frauenquote: “Die neue Frauenquote in Vorständen kann nach unserer Analyse tatsächlich mehr Diversität bringen.”

In den Personalvorständen sieht die Lage besser aus. Dort haben Frauen rund zwei Drittel der aktuellen Positionen inne. Die Personalvorstände sind zudem mit einem Durchschnittsalter von 48 Jahren etwas jünger als ihre Kollegen und Kolleginnen in anderen Ressorts.

Diverser sind die Vorstände hinsichtlich der nationalen Herkunft nicht geworden. Erstmals seit zehn Jahren stagniert der Anteil der Vorstände, die ursprünglich aus anderen Ländern kommen. Er bleibt bei rund 35 Prozent, wobei die meisten Vorstände mit ausländischen Wurzeln aus Großbritannien und den USA stammen. Bei den Frauen ist der Anteil mit 54 Prozent etwas höher als bei den Männern (32 Prozent).

“Eigengewächsquote” könnte sich zukünftig verringern

Einen Branchensprung haben rund ein Viertel der derzeitigen Dax-Vorstände hingelegt. Die meisten Dax-Vorstände haben zudem für viele Jahre in ihrem jetzigen Unternehmen gearbeitet, bis sie in den Vorstand aufstiegen (rund 60 Prozent). Frauen brauchen für diesen Aufstieg weniger Zeit in dem Unternehmen – 30 Prozent der Vorständinnen haben die längste Zeit ihrer beruflichen Karriere in dem Betrieb verbracht, bei dem sie nun im Vorstand sind. Diese Zahlen könnten sich laut den Studienverfassern zukünftig verringern. Denn: Neulinge im Vorstand wurden im Jahr 2021 häufiger von außen angeworben als intern befördert.

Was klassische Qualifikationen betrifft, haben rund 20 Prozent der Vorstände einen MBA-Abschluss (Master of Business Administration). Über einen Doktortitel verfügen immer weniger. Seit 2005 ist der Anteil der Vorstandsmitglieder mit einer Promotion um mehr als 50 Prozent gesunken und liegt nun bei 29 Prozent.

Die Merkmale der Vorstände unterscheiden sich je nach Branche. Der Automobilsektor ist laut dem Report mit Abstand der konservativste. Dax-Vorstände sind dort durchschnittlich 56 Jahre alt, die Frauenquote liegt bei 16 Prozent. Hinsichtlich Diversität schneidet dahingegen die Energie- und Technologiewirtschaft gut ab. Dort sind die Mitglieder der Vorstandsgremien im Durchschnitt fünf Jahre jünger als über alle Branchen hinweg. Zudem arbeiten hier mehr Vorstände mit ausländischen Wurzeln und solche, die ursprünglich aus einem anderen beruflichen Feld kommen. “Die Branche musste bereits strukturelle Veränderungen eingehen und hat auch in ihren Führungsgremien erste Schritte hin zu einem kulturellen Wandel eingeleitet”, so die Studienverfasser.

 

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.

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