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Agile Methoden – genutzt, aber nicht konsequent

Im Hintergrund Mann, der auf das Wort Scrum in der Mitte zeigt
Gut neun von zehn Großunternehmen hierzulande setzen bereits die agile Methoge Scrum ein.
Foto: © wladimir1804/StockAdobe

Die Unternehmen in Deutschland investieren jedes Jahr mehr in digitale Technologien und neue softwarebasierte Produkte. Bei der Entwicklung digitaler Lösungen sind agile Methoden wie Scrum schon recht verbreitet. Allerdings, so eine aktuelle Studie, sind die Firmen von agilen Organisations- strukturen noch weit entfernt.

92 Prozent der Großunternehmen und Konzerne hierzulande nutzen das agile Vorgehensmodell Scrum, insbesondere bei der Entwicklung von digitalen Lösungen. Modelle wie Scrum und DevOps kommen vor allem bei Themen zum Einsatz, die einen hohen Softwareanteil und einen direkten Bezug zum Kunden oder zum User in den Fachbereichen haben. So setzen bei der Entwicklung von digitalen Services (Apps, Webportale, E-Commerce, IoT-Lösungen etc.) bereits 96 Prozent der Unternehmen überwiegend auf agile Vorgehensweisen. Geht es um die Anpassung der Software-Frontends (UX), haben inzwischen 88 Prozent der Firmen überwiegend auf agile Methoden umgestellt. Bei der Digitalisierung der Kundenschnittstellen arbeiten 76 Prozent überwiegend agil. Im Programmmanagement hat lediglich gut ein Viertel der Unternehmen (27 Prozent) auf agile Prozesse umgestellt und bei der Steuerung des Projektportfolios nur knapp jede vierte Firma (24 Prozent). Das sind Ergebnisse der Studie “Scalable Agility – Von der agilen zur digitalen Transformation” von Lünendonk in Zusammenarbeit mit BridgingIT. Dafür wurden CIOs und Manager von 26 Großunternehmen und Konzernen befragt.

Optimierungspotenzial bei der Zusammenarbeit mehrerer agiler Teams

Laut Studie sind agile Methoden jedoch gerade beim Programmmanagement und der Steuerung des Projektportfolios besonders wichtig, da diese beiden Bereiche viele Projekte und Teams steuern und den Gesamterfolg eines Vorhabens verantworten. Überhaupt gebe es noch Handlungsbedarf bei der Zusammenarbeit zwischen mehreren agilen Teams, die alle an einem übergeordneten Thema arbeiten: Bislang hat nicht einmal jedes dritte Unternehmen bereits Methoden implementiert, mit denen die Zusammenarbeit mehrerer Scrum-Teams zielorientiert so gesteuert werden kann, dass jedes Teammitglied den Erfolg des gesamten Projektes im Fokus hat. So komme es zu doppelter Arbeit und die erhofften Vorteile agiler Methoden wie schnellere Kundenorientierung und eine höhere Produktqualität und eine klare Zielorientierung stellten sich noch nicht vollends ein, so die Untersuchung. Allerdings forcieren inzwischen zwei Drittel der Unternehmen (67 Prozent) ihr Change Management, um die Unternehmenskultur und Kommunikationsinstrumente auf die Anforderungen agiler Modelle auszurichten. Außerdem bauen 58 Prozent ihre Schulungsmaßnahmen zur Qualifizierung der Mitarbeiter für die neuen agilen Projektmanagementmethoden aus.

Es fehlt noch an geeigneten Frameworks zur besseren Kollaboration

Dass viele Unternehmen noch Probleme haben, agile Vorgehensmodelle richtig zu nutzen, liegt unter anderem daran, dass bei 80 Prozent bislang passende Frameworks und Fähigkeiten zur Umsetzung komplexer und abteilungsübergreifender Projekte fehlen. Weil immer mehr Scrum-Teams innerhalb eines Gesamtvorhabens zusammenarbeiten und dafür neue Methoden bräuchten, müsse Scrum die einzelnen Teams skalieren, so die Studie. Dafür werden häufig Skalierungs-Frameworks wie Scrum@Scale, SAFe oder LeSS genutzt. Mit der zunehmenden Zahl agiler Teams planen die befragten Unternehmen verstärkt, Skalierungs-Frameworks einzusetzen.

Steigender Softwareeinsatz bedingt neue Projektmanagementansätze

Der Druck zur Veränderung der Ablauforganisation und der Unternehmenskultur ist hoch, so die Studie, denn durch den steigenden Anteil von Software in Produkten und Dienstleistungen verändere sich die Art der Projektplanung und -umsetzung und für die Projekte stünde auch weniger Entwicklungszeit zur Verfügung Klassische Projektmanagementansätze aus der Vergangenheit stießen hier an ihre Grenzen und unterstützten auch die Zusammenarbeit mehrerer Teams nicht gut.

Bei der Entwicklung digitaler Lösungen kommt es (…) sehr stark darauf an, dass sie konsequent auf die Anforderungen der Nutzer ausgerichtet sind und sie in hoher Geschwindigkeit entwickelt und ausgerollt werden,

so Mario Zillmann, Studienautor und Partner bei Lünendonk. Entsprechende Entwicklungsprojekte seien daher durch tägliche Abstimmungsmeetings, Sprints und mehrere Iterationsschleifen gekennzeichnet.

Nach Ansicht von Zillmann ist bei der Umstellung der Organisation und der Unternehmenskultur auf agile Vorgehensmodelle dringende Eile geboten, da die Komplexität für das klassische Portfoliomanagement durch die Digitalisierung stark zunehme. Dies werde vor allem bei der Softwareentwicklung deutlich. Der DevOps-Ansatz erfordere eine komplett neue Kultur in der Zusammenarbeit zwischen Entwicklern, Testmanagern und dem IT-Betrieb. Hier sei, so Zillmann, vor allem Change Management gefragt, um alle Mitarbeiter in der IT-Abteilung bei der agilen Transformation mitzunehmen.

Die Studie steht > hier zum Download zur Verfügung.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.