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NZZ-Rant über HR-Abteilungen: Exzess einer Institution

HR zwischen Schrecken und Stöhnen – liebe NZZ, welche Laus ist Euch denn über die Leber gelaufen? Was da unlängst in der eigentlich geschätzten schweizerischen Zeitungsinstitution an Polemik über Personalerinnen und Personaler ausgeschüttet wurde, ist starker Tobak – und kam entsprechend gut in den sozialen Netwerken an, jedenfalls, was die reine Zahl der Reaktionen angeht.

„HR-Exzesse“, so heißt es dort, seien eher Hemmschuh denn Hilfe für Unternehmenserfolg und Mitarbeiterzufriedenheit, im Personalbereich werde verschleppt, gemobbt und gebremst. „Why Human Resources is dead“ zitiert der Beitrag aus einem (sieben Jahre alten!) Blogeintrag und würde damit am liebsten gleich die Totenglocken für die ganze Profession läuten. Der NZZ-Rant erinnert an Wutausbrüche der Vergangenheit: Von „Fast Company“ bis zum „Harvard Business Manager“ haben schon verschiedenste Wirtschaftsblätter der Personalabteilung ein jähes Ende gewünscht.

Offenes Ohr und strategisches Handeln

HR, die Wurzel allen Übels, als Abteilung am Ende und als solches ohnehin überflüssig? Die Fachabteilungen erledigten doch Recruiting, Führung, Bindung und Entwicklung der Mitarbeitenden nahezu selbst, heißt es gern. Wer sich ein wenig auskennt und in den Personalabteilungen umschaut, weiß, dass dies nicht weiter entfernt von der Realität sein könnte.

Personalerinnen und Personaler sind in der überwältigenden Mehrheit hochmotiviert und haben ein offenes Ohr nicht nur für die Belange der Belegschaft, sondern auch für die Unternehmensführung und mithin für den wirtschaftlichen Erfolg. Viele denken strategisch und „wurschteln“ nicht vor sich hin, wie der Artikel suggeriert, sondern arbeiten mit Engagement und Leidenschaft. Der Vorwurf, HR sei weniger dem Personal verpflichtet als vielmehr der Geschäftsleitung, der es unterstellt ist, ist nicht nur weitgehend unzutreffend, er ist fast schon böswillig.

Nicht im Klein-klein verlieren

Geht es nach der Autorin, sollten sich Personalerinnen und Personaler am besten auf ihre „Kernkompetenzen“ beschränken, ein wenig Vergütung hier, ein wenig betriebliches Gesundheitsmanagement da. Dabei verkennt sie, dass die Arbeitswelt heute viel komplexer als in den Anfangstagen der Personalabteilungen ist. „Agile Workforce“ und „fluide Strukturen“ sind keine Buzzwords, die von HR ersonnen wurden, um die eigene Bedeutungslosigkeit zu kaschieren. Sie sind Realität, Ausfluss einer gewandelten (Arbeits-)Welt. HR ist nicht das Bürokratiemonster, als das es in dem Artikel dargestellt wird.

Mit einem hat die Autorin sicher recht: Die Personaler-Profession darf sich nicht im Klein-klein verlieren und dabei ihre Kernaufgabe, das Wohl der Mitarbeitenden, aus den Augen verlieren. Das und der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens schließen sich allerdings nicht aus, sie bedingen einander. Kluge Entscheider wissen dies und kennen die Bedeutung einer Personalabteilung für den Erfolg – und sie wissen, dass auch eine renommierte Zeitung wie die NZZ mal übers Ziel hinaus schießen kann.

Ist Redakteur der Personalwirtschaft. Er ist spezialisiert auf die Themen Arbeitsrecht und Outsourcing und verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.