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Persönliche Zufriedenheit über Erreichbarkeit entscheidend

Zur Life Balance gehört auch Zeit, die man nur für sich verwenden kann und in der das Handy beruflich tabu sein darf.
Foto: © Martin Hahn/Fotolia.de
Zur Life Balance gehört auch Zeit, die man nur für sich verwenden kann und in der das Handy beruflich tabu sein darf.
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Mobile Kommunikationstechnologien bringen Nachteile mit sich wie ständige Erreichbarkeit, Unterbrechungen der aktuellen Tätigkeit und Stress. Es gibt jedoch auch positive Aspekte: Fast drei Viertel (74 Prozent) der Mitarbeiter gestalten die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben durchlässig und empfinden die dadurch gewonnene Flexibilität als Vorteil. So können sie Leerlaufzeiten effizient nutzen, unkompliziert zwischen beruflichen und privaten Themen wechseln und beides besser vereinbaren. Das zeigt eine aktuelle Studie der Technischen Universität Darmstadt.

“Me-Time” für die Life-Balance

Weitere erste Ergebnisse der Studie kommen zudem zu dem Schluss, dass die bisherige Definition von Work-Life Balance überholt sei. Neben dem Arbeits- und Privatleben bringen die Wissenschaftler als neuen Begriff die “Me-Time” ins Spiel und sprechen von Life Balance statt von Work-Life-Balance.

Für eine gute Life Balance genügt es nicht, Rollen wie die der fürsorglichen Eltern oder des kompetenten Beschäftigten zu erfüllen. Menschen brauchen auch Zeiten, in denen sie etwas für sich tun, frei von Erwartungen anderer,

sagt Prof. Dr. Ruth Stock-Homburg, Leiterin des Forschungsteams. Verzichten Menschen zu lange auf “Me-Time”, verschlechtere sich die Life Balance, so die Wissenschaftlerin.

Erreichbarkeit per so ist weder positiv noch negativ

Außerdem, so die Forscher, kommt es bei der Beurteilung mobiler Kommunikation auf die Rahmenbedingungen der Nutzung an. Können Mitarbeiter frei darüber entscheiden, wann, wie lange und wie oft sie beruflich kommunizieren, überwögen die Vorteile. Darüber hinaus sind laut Studie aber nicht das Ausmaß der Erreichbarkeit an sich und der Stresslevel entscheidend für die Life-Balance, sondern die persönliche Zufriedenheit mit der Erreichbarkeit. Deshalb sei das generelle Abschalten von E-Mail-Servern, wie es einzelne Unternehmen praktizieren, auch keine Lösung.

Mitarbeiter fühlen sich vom Chef geforderter als sie sind

Dass Mitarbeiter zwischen gewünschter und tatsächlicher Erreichbarkeit oft eine Diskrepanz empfinden, könnte, so die Studie, an einem unzureichenden Erwartungsmanagement liegen. Eine Befragung von Führungskräften und Kollegen der Studienteilnehmer zeigt, dass 36 Prozent der befragten Arbeitnehmer die Erwartungen ihrer Führungskraft an ihre Erreichbarkeit außerhalb der Arbeit höher einschätzen als die Führungskraft selbst. Dagegen unterschätzt fast die Hälfte (47 Prozent) die Erwartungen der Kollegen. Ein möglicher Grund für diese Fehleinschätzungen ist nach der Ansicht der Forscher, dass 85 Prozent der Befragten weder mit ihrem Vorgesetzten noch mit Kollegen Absprachen zur Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeiten getroffen haben. Stock-Homburg empfiehlt Unternehmen daher, solche Absprachen zu fördern, um mehr Transparenz über die tatsächlichen Erwartungen zu schaffen und damit Mitarbeiter wirklich abschalten können.

Die Studie wird im Fachgebiet Marketing und Personalmanagement am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der > TU Darmstadt durchgeführt. Bisher wurden mehr als 550 Personen befragt. Das Forschungsprojekt wird im Rahmen der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert.

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