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Plädoyer für Bereinigung des Arbeitsmarkts?

Porträt Sven Hennige
Sven Hennige, Manager bei Robert Half, denkt, dass Kurzarbeit in der Corona-Krise auf Dauer keine Lösung darstellt. Foto: Robert Half

Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist in der Corona-Krise stark zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote lag laut Bundesagentur für Arbeit im August bei 6,4 Prozent – 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Derzeit sind 2 955 000 Menschen hierzulande arbeitslos gemeldet. Die mittel- und langfristigen Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt sind noch gar nicht absehbar.

Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & France beim Personaldienstleister > Robert Half, ist der Ansicht, dass sich der Arbeitsmarkt in Deutschland trotz der Einbrüche verhältnismäßig robust verhält, vor allem im internationalen Vergleich. Das untermauere auch eine aktuelle Umfrage von Robert Half. Danach arbeiten rund zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) weiterhin genauso viel wie vor der Pandemie. Bei einem Fünftel (21 Prozent) wurde die wöchentliche Arbeitszeit reduziert. Sechs von zehn Deutschen (61 Prozent) machen sich auch weiterhin keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz.

Wovon jedoch sicher auszugehen ist: In den kommenden Monaten wird trotz großer Bereitschaft der Betriebe, ihre Mitarbeiter zu halten, die Arbeitslosigkeit weiter zunehmen und die Beschäftigung zurückgehen,

so Hennige.

Zwar habe Kurzarbeit oder die Anpassung der Sozialleistungen vielen Unternehmen und Arbeitnehmern in der Krise Luft verschafft, beides könne jedoch auf Dauer keine Lösung sein.

Wichtig ist jetzt zu identifizieren, welche Fähigkeiten in Zukunft am dringendsten benötigt werden und die Bereiche in Unternehmen zu bestimmen und zu stärken, die nach der Pandemie für Wachstum sorgen können,

so die Sichtweise des Personaldienstleisters. Es müsse ein enger Austausch zwischen Politik und Arbeitgebern stattfinden, damit die passenden Weiterbildungen angeboten und Anreize gesetzt werden, um neue Jobs zu schaffen.

Durch die Krise beschleunigte Digitalisierung bringt Aufschwung für IT-Jobs

Unternehmen müssten zudem für sich austarieren, mit welchem Personal-Mix aus temporären und festangestellten Mitarbeitern sie am besten aufgestellt sind. Hier seien für Unternehmen und Mitarbeiter Flexibilität und Agilität gefragt. Überdies hätten die durch die Krise schneller fortschreitende Digitalisierung und Veränderungen bei den Kompetenzanforderungen einen entscheidenden Einfluss darauf, wie sich der Arbeitsmarkt künftig entwickle. Es sei davon auszugehen, dass in der IT-Branche infolge des technologischen Fortschritts neue Arbeitsplätze entstehen, so Hennige.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.