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Jobbedingte Krankschreibungen und aktuelle Sorgen

Frau in niedergeschlagener Haltung auf dem Sofa
Depressionen und Stress sind der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen. Foto: © nenetus-stock.adobe.com

2019 waren 16 Prozent der deutschen Berufstätigen nach eigener Angabe infolge von Jobbedingungen krankgeschrieben. Rückenschmerzen waren mit 34 Prozent die Hauptursache. An zweiter Stelle folgte Stress mit 31 Prozent. Frauen waren 14 Prozent häufiger aufgrund von Stress krankgeschrieben als Männer. Auf Platz drei rangierten Migräne und Kopfschmerzen mit 27 Prozent. Es folgen Depressionen mit 19 Prozent sowie sonstige Gelenk-/Muskelverletzungen mit 16 Prozent. Im Schnitt blieben die Mitarbeiter aufgrund einer Erkrankung sieben Tage im Jahr von der Arbeit fern. Das sind Ergebnisse einer Umfrage im Auftrag des Kontaktlinsenherstellers Lenstore. Dafür wurden zwischen dem 29. April und dem 5. Mai dieses Jahres tausend Voll- und Teilzeitbeschäftigte in Deutschland befragt.

HR-Branche auf Platz vier bei Krankschreibungen

Die drei Branchen, in denen die Befragten im vergangenen Jahr am häufigsten krankgeschrieben wurden, sind IT & Telekommunikation mit 31 Prozent, Bildung mit 27 Prozent, sowie Reise & Transport (20 Prozent). Auf Platz vier mit nur mit geringem Abstand (19 Prozent) steht das Personalwesen, gefolgt von Recht, Kunst & Kultur (18 Prozent).

Psychische Belastungen in Düsseldorf, Dortmund und Essen am höchsten

Die Analyse nach Städten zeigt, dass Umfrageteilnehmer aus Berlin und Köln der Firma aus arbeitsbedingten Gründen am längsten ferngeblieben – im Durchschnitt 17,5 Tage. Es folgt Essen mit 12,5 Tagen. In Essen, Frankfurt, München, Hamburg, Stuttgart war der prozentuale Anteil der Berufstätigen, die infolge der Arbeit krankgeschrieben waren, am höchsten. Was eine Krankschreibung aufgrund von Stress und Depressionen betrifft, waren Menschen in Düsseldorf, Dortmund und Essen am meisten betroffen.

Derzeit sehen Arbeitnehmer die Infektionsgefahr durch Corona als größtes Gesundheitsrisiko

Die Teilnehmer wurden auch danach gefragt, welches ihrer Meinung nach die drei häufigsten Gesundheitsrisiken sind, denen sie bei der Arbeit ausgesetzt sind. An erster Stelle mit 38 Prozent steht die Infektionsgefahr. Psychische Belastung folgt mit 32 Prozent. Als dritten Aspekt nannten die Befragten körperliche Verletzungsgefahr mit 30 Prozent.

Beschäftigte sehen Handlungsbedarf seitens des Arbeitgebers

Das Gefühl, dass Arbeitgeber ihre Gesundheit nicht ernst nehmen, haben vor allem Arbeitnehmer, die in der Verkaufs-, Medien- und Marketingbranche (29 Prozent), in Rechtsabteilungen (27 Prozent), im Einzelhandel, in der Gastronomie und der Freizeitbranche (jeweils 16 Prozent) tätig sind. Im Gesundheitswesen sind es mit 14 Prozent etwas weniger, aber angesichts von Corona sind 60 Prozent der dort Beschäftigten wegen des Infektionsrisikos besorgt.

42 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass ihr Unternehmen die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz verbessern könnte, indem sie das Thema ernster nehmen. Lediglich 16 Prozent sehen hier keinen Handlungsbedarf seitens ihres Arbeitgebers. 31 Prozent wünschen sich die Schaffung einer Kultur, in der Mitarbeiter offen und ehrlich Verbesserungsvorschläge äußern können. Außerdem würden es 30 Prozent begrüßen, wenn der Arbeitgeber sollte die Belegschaft befragt, um eine ehrliche Meinung zu erhalten.

Jeder Dritte erwartet negative Folgen der Corona-Krise für Mitarbeiter

Die Berufstätigen wurden außerdem gefragt, wie sich die Corona-Epidemie ihrer Meinung nach auf die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz auswirken wird. Ein Drittel der Beschäftigten (33 Prozent) rechnet mit negativen Folgen und vermutet, dass sich die Unternehmen in der Folge eher auf ihren Cashflow konzentrieren werden als auf die Mitarbeiter. Gleichzeitig erwartet knapp jeder Vierte (23 Prozent) positive Effekte und glaubt, dass Gesundheit und Sicherheit im Job künftig ernster genommen werden.

Eine Übersicht der Studienergebnisse gibt es > hier.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.