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Zwischen agilem Feedback und langfristigem Wandel

Sterne werden von einer Hand nebeneinander platziert.
Foto: stmax89/istock

+++ Die wichtigsten Aussagen der Experten finden Sie in der › Bilderstrecke +++

Vorneweg: Trotz aller technischen Entwicklungen und dem Trend hin zu flexibleren Prozessen hat die große, klassische Mitarbeiterbefragung nicht ausgedient. Mitunter stellten die Teilnehmer des Round Tables der Personalwirtschaft sogar eine steigende Nachfrage nach ihr fest. Was sich jedoch geändert hat: Sie wird zunehmend Teil von sogenannten Survey Landscapes, also Befragungslandschaften mit verschiedenen Formaten, Methoden und Vorgehensweisen sowie verschiedenen Zielen, Ausrichtungen und Zyklen für unterschiedliche Zielgruppen im Unternehmen. Der Werkzeugkasten ist in den vergangenen Jahren voller geworden. Vom kurzfristigen Stimmungsbild bis zum “großen Blutbild” ist alles möglich, muss aber hier wie da gut vorbereitet sein. Wer die Befragungen allerdings nur als Komfortzonenabfrage versteht, unterschätzt sie maßlos. Es braucht Know-how oder Beratung, um das richtige Tool für den richtigen Einsatzzweck auszuwählen.

Selfservices mit Vorsicht genießen

Kein Wunder also, dass die Experten Selfservice-Tools zwar nicht in Bausch und Bogen verdammen, sie aber zumindest kritisch sehen. Diese mögen zwar kostengünstig sein, aber mit wenig Kompetenz und Erfahrung angewendet, sind sie wenig wert. Im schlimmsten Fall führen sie zu Fehldiagnosen. Dabei wird die Digitalisierung an sich durchaus als Gewinn gesehen, kann sie Abläufe doch unter anderem effizienter gestalten und für einen Zeitgewinn sorgen, der in die gewissenhafte Interpretation der Ergebnisse und das Aufsetzen von Nachfolgeprozessen fließen kann. Manchmal aber liegt das Problem ganz woanders: In einigen Unternehmen gibt es immer noch keine Feedback-Kultur, die ein sinnvolles Arbeiten mit den Ergebnissen überhaupt ermöglicht.

Die DSGVO verunsichert

Zwiespältig beurteilten die Teilnehmer des Runden Tischs die Europäische Datenschutz- Grundverordnung (DSGVO) und ihre Folgen. Dass die Sicherheit der Daten oberste Priorität hat, ist unbestritten, doch war das bei den Anbietern auch schon vor der DSGVO der Fall. Manche Vorgaben in der Verordnung sind aber so schwammig formuliert, dass Rechtssicherheit wohl erst bestehen wird, wenn Gerichte über die Auslegung bestimmter Passagen entschieden haben. Es gibt Unternehmen, die aus Unsicherheit Mitarbeiterbefragungen zunächst auf Eis gelegt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben haben.

Benchmarking – eine Wissenschaft für sich

Erschwert werden können durch die DSGVO auch Vergleiche, insbesondere mit externen Daten. Benchmarks aber sind für viele Unternehmen das Salz in der Suppe, wollen die Führungskräfte doch wissen, wie sie hinsichtlich bestimmter Kennziffern im Wettbewerb abschneiden. Das kann mitunter jedoch eine Wissenschaft für sich sein, vor allem bei externen Benchmarks. Ihre Zusammensetzung ist oft nicht genau bekannt, und darunter leidet auch die Vergleichbarkeit – von kulturellen Unterschieden etwa bei internationalen Vergleichen ganz zu schweigen. Während manche der Berater sie, nicht zuletzt auf häufigen Kundenwunsch hin, anbieten, lassen andere weitgehend die Finger davon.

Wesentlich positiver fällt das Urteil zu internen Benchmarks aus, zumal, wenn sie über das bloße Vergleichen von Zahlen hinausgehen. Benchmarking bedeutet nämlich unter anderem auch, die Ergebnisse in einen Kontext zu stellen und daraus Ergebnisse abzuleiten. Historische Benchmarks haben sich aus der Erfahrung heraus als besonders geeignet dafür erwiesen. Sie zeigen eine Entwicklung auf, und machen deutlich, ob durch in der Vergangenheit durchgeführte Maßnahmen eine positive Veränderung erzielt wurde.

Neue Chancen, neue Risiken

Wer sich als Arbeitnehmer mit seinem Arbeitgeber identifiziert, will die Entwicklung des Unternehmens positiv beeinflussen und bleibt motiviert, wenn er merkt, dass gute Vorschläge auf offene Ohren stoßen. Dank der neuen technischen Möglichkeiten, wie zum Beispiel Tools für agiles Feedback, kann heutzutage jeder nahezu beliebig oft zu jedem Thema befragt werden. Nicht alles, was möglich ist, ist aber auch sinnvoll. Der Trend zu individuell abgestimmten Befragungslandschaften erscheint vielversprechend, um situativ flexibel reagieren zu können. Umso mehr ist aber auch das Wissen der Berater gefragt, sofern entsprechende Fachkompetenz nicht im Betrieb vorhanden ist.

+++ Die wichtigsten Aussagen der MAB-Experten hier noch einmal im › Bild +++

Den ausführlichen Bericht zum Round Table lesen Sie im aktuellen Sonderheft „Mitarbeiterbefragung” (› jetzt bestellen).

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.