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Vernetztes Denken ist Trumpf

Wer kommt wie rein in die Firma? Und wie ist eine Personaleinsatzplanung zu steuern und Sicherheit zu gewährleisten, wenn Beschäftigte zeit- und ortsflexibel arbeiten können? Je mehr technische Möglichkeiten sich für Unternehmen und Mitarbeiter bieten, desto wichtiger werden Fragen wie diese. Reichte es früher vielleicht noch, den Eingang abzusichern und Anwesenheitszeiten zu registrieren, kommt man damit heute nicht mehr weit. Die Vernetzung sorgt für neue Chancen, aber auch Risiken. Über beide sprach die Personalwirtschaft beim Round Table “Zeit und Zutritt” mit neun Branchenexperten. 

+++Die wichtigsten Zitate unserer Experten finden Sie in der › Bilderstrecke+++ 

Eine gute Nachricht vorweg: Die meisten Unternehmen scheinen sich der Folgen der neuen Arbeitswelt durchaus bewusst. Die Anbieter berichten von einer mehr als guten Auftragslage, die nun schon seit längerer Zeit anhält. Sie ist zum einen dem immens gestiegenen Sicherheitsbedürfnis geschuldet, zum anderen aber auch neuen regulatorischen Vorgaben. Hinzu kommen die zunehmend komplexer werdenden Arbeitsumgebungen an sich. Technische Systeme helfen heute vielfach auch bei Aufgaben wie der Prozessautomatisierung, dem Besuchermanagement oder der Zufahrtssteuerung. Nachgefragt werden außerdem immer mehr Services und gemanagte Dienstleistungen rund um diese Systeme. 

Cloud ist zum Alltag geworden

Das Thema Cloud ist bei den Kunden mittlerweile als selbstverständliche Alternative oder Ergänzung zu On-Premise-Lösungen akzeptiert. Entscheidend ist hier die Frage der Leistungsfähigkeit der Lösung. Während die einen Standardprozesse auslagern, um sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren, halten andere sie lieber (noch) im Haus.

So oder so bietet sich für HR die Chance, mit der Einführung oder dem Ausbau moderner Systeme zur Zeit- und Einsatzplanung zu punkten. Mobile Lösungen bieten den Mitarbeitern Mehrwert, wenn diese etwa Urlaube auch von unterwegs beantragen oder Schichten wechseln können. Gleichzeitig zahlen sie auf die Arbeitgeberattraktivität ein, unabhängig von der Unternehmensgröße. Bei einem Start-up mag es anfangs vielleicht noch Wichtigeres geben als Arbeitszeiten exakt zu messen. Die Erfahrung der Experten zeigt aber, dass es ab einer gewissen Unternehmensgröße und Grad der Performance kaum mehr ohne Strukturen geht. Niemand arbeitet auf Dauer für Ruhm und Ehre allein – außer vielleicht der Gründer selbst. 

Die Qual der Wahl 

Bei der Suche nach passenden Systemen für Zeit und Zutritt bietet der Markt den Unternehmen eine große Auswahl. So lassen sich in der Regel gute Lösungen finden, die dem gewünschten Einsatzzweck am nächsten kommen – unabhängig von meist ebenfalls möglichen individuellen Anpassungen. Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete und vernetztes Denken auch hier Trumpf: HR mit seiner Querschnittsfunktion ist gut beraten, frühzeitig auch die Anforderungen anderer Abteilungen mit abzufragen. Keine Abteilung ist eine Insel: Der Trend zeigt klar in Richtung integrierter Lösungen.

Der nächste Tipp klingt einfach, wird in der Praxis aber oft vernachlässigt: Im Mittelpunkt sollte zunächst nicht die Art der Umsetzung stehen, sondern ein gemeinsames Verständnis darüber, welches Ziel man mit der Lösung überhaupt erreichen will. Ebenfalls beachtet werden sollte ihre Investitionssicherheit beziehungsweise ihre Fähigkeit, mit anderen, eventuell auch schon vorhandenen Systemen kommunizieren zu können. Richtig, es geht um Schnittstellen. Den neun Fachleuten am Runden Tisch zufolge sind sie technisch meist leicht beherrschbar. Dass es in der Praxis mitunter trotzdem Probleme gibt, liege oftmals eher daran, dass die Beteiligten nicht an einem Strang ziehen oder Standard-Schnittstellen von den Unternehmen auf sehr unterschiedliche Weise genutzt werden. 

An der Zukunft wird bereits gearbeitet

Und was ist mit Künstlicher Intelligenz, von der heute doch jeder spricht? Die Technologie – die viele unterschiedlich definieren – steckt noch in den Kinderschuhen. Spricht man etwas weniger trendig von Datenanalyse, wird das Zukunftspotenzial greifbarer. Vorausschauende Wartung wird bereits heute eingesetzt, ebenso sind schon digitale Assistenten im Einsatz. Bald wird es beispielsweise Bedarfsplanungen mit viel höherer Treffsicherheit der Vorhersagen geben, als sie heute möglich sind. Es wird spannend sein, zu sehen, inwieweit die Systeme mit der weiter zunehmenden Vernetzung und Verfügbarkeit von Daten Schritt halten können – und welche neuen Services und Produkte die Anbieter daraus entwickeln. Gelingt es ihnen, könnte es dem Markt weiteren Schub verleihen. 

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.