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Jedes dritte Unternehmen hat hybride Arbeitsmodelle etabliert

Hybrides Arbeiten
Etwa jeder vierte Berufstätige gibt an, dass es in seinem Unternehmen hybride Arbeitsmodelle gibt. Foto: © aleutie-stock.adobe.com

Aktuell verfügt gut jedes vierte Unternehmen hierzulande über hybride Arbeitsmodelle, die bei Bedarf auch ein erneutes Umschalten in den Remote-Modus ermöglichen. In kleineren Betrieben ist das deutlich seltener der Fall als in mittleren und großen Firmen. Zu viel digitales Arbeiten bringt jedoch auch Nachteile mit sich: Vielen Beschäftigten fehlt die informelle Kommunikation im Job.

Wechsel von Homeoffice und Präsenzarbeit: große Firmen weiter

Nachdem die Unternehmen hierzulande ihren Mitarbeitenden bereits im ersten Halbjahr dieses Jahres Telearbeit anbieten mussten – sofern das möglich war und keine betriebsbedingten Gründe dagegen sprachen –, trat die zwischenzeitlich ausgesetzte Homeoffice-Plicht Ende November erneut in Kraft. Laut der Studie “Hybride Arbeitsmodelle in deutschen Unternehmen” sei zu vermuten gewesen, dass sich die Unternehmen inzwischen darauf eingerichtet hätten, tatsächlich hätten jedoch erst 27 Prozent der Arbeitgebenden ein hybrides Arbeitsmodell verabschiedet. Rund jeder dritte Betrieb (34 Prozent) hat ein solches Modell noch nicht etabliert. Bei gut einem Drittel (36 Prozent) ist der Wechsel zwischen Homeoffice und Präsenzarbeit grundsätzlich nicht möglich. Für die repräsentative Studie im Auftrag von Hirschtec, eine Agentur für digitale Arbeitsplätze, befragte Yougov Mitte September dieses Jahres 508 Arbeitnehmende ohne Führungsverantwortung.

Unterschiede je nach Firmengröße und Region

Ob Unternehmen über hybride Arbeitsmodelle verfügen, hängt von verschiedenen Faktoren auf. So sind solche Modelle in mittleren und größeren Firmen mit 36 Prozent doppelt so häufig verbreitet wie in kleinen und Kleinstbetrieben (18 Prozent). Auch zeigt sich, dass die Unternehmen in den westlichen und südwestlichen Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Nordrhein-Westfalen hybrides Arbeiten mit 33 Prozent am häufigsten anbieten, dicht gefolgt von den nördlichen Ländern Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit 30 Prozent. Dagegen ermöglichen in den nordöstlichen und östlichen Ländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen lediglich unterdurchschnittliche 22 Prozent solche Modelle und in den südlichen Ländern Bayern und Baden-Württemberg sind es nur 21 Prozent. Die Unterschiede führt die Studie unter anderem darauf zurück, dass Homeoffice aufgrund der stark vertretenen Automobilindustrie im Süden in der Produktion nicht möglich ist, genauso wenig wie im landwirtschaftlich und touristisch geprägten Osten und Nordosten. Interessant ist, dass die Befragten auch je nach Alter unterschiedliche Angaben machten: So sagten von den Studienteilnehmenden unter 45 Jahren 35 Prozent, dass ihr Unternehmen hybride Modelle eingeführt hat, während dies von der Altersgruppe 45plus nur 23 Prozent berichteten. Die Studie gibt dazu keine Erklärung. Denkbar wäre, dass hybrides Arbeiten bei den Jüngeren beliebter ist und sie sich deshalb bei ihren Arbeitgebenden eher über diese Möglichkeit informiert haben.

Knapp jeder Dritte in Entwicklung von Hybridmodellen involviert

In den Unternehmen, die bereits hybride Arbeitsmodelle eingerichtet haben, wurde knapp ein Drittel der Befragten (30 Prozent) umfassend in die Entwicklung einbezogen – in mittleren und großen Unternehmen bestätigte dies jedoch nur rund ein Viertel (24 Prozent). Größenübergreifend gaben 39 Prozent der Beschäftigten an, dass sie etwas beteiligt wurden, und rund ein Viertel (24 Prozent) war gar nicht involviert. Mitarbeitende ab 45 wurden mit 43 Prozent überdurchschnittlich häufig mitbeteiligt. Das lasse vermuten, dass ältere Berufstätige womöglich aufgrund ihrer langjährigen Berufserfahrung oder einer höheren Position mit ins Boot geholt werden, so die Studie.

In der digitalen Arbeitswelt fehlt der informelle Austausch

Die Studienteilnehmenden wurden auch danach gefragt, was sie bei einer rein digitalen Zusammenarbeit, etwa von zu Hause aus, am meisten vermissen. Fast die Hälfte (48 Prozent) sagte, dass der informelle Austausch mit Kollegen und Kolleginnen fehle. Von den Männern nannten 51 Prozent und von den Frauen 46 Prozent diesen Aspekt. Die Älteren ab 45 vermissen die Kommunikation untereinander mit 49 Prozent etwas öfter als die unter 45-Jährigen (46 Prozent). Am zweithäufigsten – aber mit großem Abstand – fehlt den Beschäftigten der Zugang zu Informationen, die für die korrekte Durchführung ihrer Aufgaben notwendig sind; zwölf Prozent gaben dies an. Weitere sieben Prozent sagten, ihnen fehle die Befähigung zum Umgang mit neuen digitalen Arbeits-Tools. Außerdem nannten neun Prozent sonstige Aspekte, die sie vermissen, beispielsweise den persönlichen Kundenkontakt oder Unterlagen, die per Post im Firmenbüro eintreffen.

Räume für persönlichen Austausch wird es immer geben müssen. Nur so wird ein starkes Wir-Gefühl erzeugt,

kommentiert Lutz Hirsch, CEO von Hirschtec, die Befragungsergebnisse. Nur so könnten auch Ideen und Innovationen vorangetrieben werden. Er ist der Meinung, dass eine rein digitale Zusammenarbeit keine zukunftsfähige Lösung ist. Den passenden Mix aus Präsenz- und Digitalarbeit müsse aber jedes Unternehmen für sich selbst finden.

Die Studienergebnisse können > hier kostenlos zum Download angefordert werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.