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Schöne Flexibilität oder Selbstverpflichtung?

Endlich Wochenende, der Garten ruft! Aber vielleicht ruft auch die Firma? Schnell nochmal die Mails checken...
Foto: © oocoskun/Fotolia.de
Endlich Wochenende, der Garten ruft! Aber vielleicht ruft auch die Firma? Schnell nochmal die Mails checken…
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Eine gute Work-Life-Balance – ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Job und Privatleben oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – wünschen sich viele Berufstätige. Doch seit einiger Zeit ist auch der Begriff Work-Life-Blending in aller Munde, die Verschmelzung von Arbeit und Freizeit. Und diese Entwicklung gefällt nicht jedem.

Die Mehrheit der Arbeitnehmer in Deutschland (rund 67 Prozent) wünscht sich eine strikte Trennung von Job und Privatleben. Doch im Alltag findet diese Trennung oft nicht mehr statt: 51 Prozent der Mitarbeiter haben den Eindruck, dass ihr berufliches und privates Leben bereits miteinander verschmelzen. Das ergab eine Umfrage des > Randstadkorrespondenten zum Thema Work-Life-Blending. An der Befragung “Verschmelzung von Arbeits- und Privatleben” haben über 2.000 Arbeitnehmer teilgenommen.

Zwei von drei Arbeitnehmern checken in der Freizeit Firmenmails

Gut zwei Drittel (68,4 Prozent) der befragten Arbeitnehmer lesen oder schreiben nach Feierabend berufliche E-Mails oder führen geschäftliche Telefonate. Weniger als zwei Prozent geben an, dass dies vertraglich vereinbart ist. 29,8 Prozent sagen, das werde von ihnen erwartet. Die Mehrheit allerdings (68,3 Prozent) checkt Firmenmails freiwillig oder telefoniert nach der Arbeitszeit, ohne dass das Unternehmen es erwartet.

Auch im Urlaub telefoniert mehr als jeder Zweite beruflich

Ähnlich verhält es sich mit dem Arbeitsverhalten im Urlaub: Über die Hälfte der Mitarbeiter (58,4 Prozent) führt auch dann berufliche Telefonate oder checkt Mails, die mit dem Job zu tun haben. Auch hier geschieht das bei zwei Dritteln der Arbeitnehmer freiwillig, ohne dass der Chef dies voraussetzt oder wünscht. Dieses Verhalten erscheint zunächst widersprüchlich, da sich die meisten Berufstätigen eine Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit wünschen.

Belastung ja oder nein?

Auch sind die Arbeitnehmer gespaltener Meinung, ob sie die Verschmelzung von Arbeits- und Privatleben als Belastung empfinden: Rund 59 Prozent kreuzten die Antwort “teils, teils” an. Petra Timm, Director Communications bei Randstad Deutschland, erklärt die Umfrageergebnisse damit, dass Work-Life-Blending auch den Vorteil von mehr Flexibilität mit sich bringt. In einigen Branchen könnten die Mitarbeiter ihre Arbeitszeit zunehmend selbst organisieren und so sei es schon selbstverständlich geworden, dass E-Mails auch außerhalb des klassischen Achtstundentags abgerufen werden.

Andersherum werden auch private Dinge während der Arbeitszeit erledigt. Zum Nachteil wird es dann, wenn die flexible Arbeitszeit zu Lasten der Arbeitnehmer ausgeweitet wird und somit ein Abschalten vom Job gar nicht mehr möglich ist,

so Timm. Die Umfrageergebnisse zeigen auch, dass circa 61 Prozent der Befragten regelmäßig unbezahlte Überstunden leisten.