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So können Unternehmen Vertrauen stärken

Frage an die HR-Werkstatt: Wofür ist Vertrauen im Unternehmen wichtig und wie lässt es sich stärken?
Es antwortet: Antje Heimsoeth, Business- und Mental-Coach

Kennen Sie die wertvolle weiche Währung in Unternehmen? Eine Währung, jenseits von Kennzahlen und Budgets, die sich nicht messen lässt? Es ist Vertrauen. Informationen fließen aus Vertrauen. Kunden tätigen Käufe aus Vertrauen. Kooperationen setzen Vertrauen voraus. Vertrauen ist ein hohes Gut, fragil und kostbar, es macht verletzlich und weckt Erwartungen. Menschen machen Zugeständnisse aus Vertrauen. Wir vertrauen in Kollegen, Mitarbeiter, Vorgesetzte und Geschäftspartner, in Organisationen, in Produkte, in Marken, in Geschichten, in Dienstleistungen. Dabei verlangt die zunehmende Komplexität nach Vorschuss, nicht nach Vorsicht.

Erfolgreich führen mittels einem hohen Vertrauensniveau

Es gibt kein Erfolgsrezept für funktionierende Teams und Teammitglieder, die sich vertrauen. Beides entwickelt sich in einem Prozess. Und dieser Prozess hängt entscheidend von der inneren Haltung und dem Führungsstil des oder der Vorgesetzten ab. Dabei wirken immer zwei Punkte unserer Persönlichkeit auf andere: unser jeweiliges Welt- und Menschenbild – also das Vertrauen in die Welt – und das Selbstbild – also das Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten. Gerade der zweite Aspekt fördert die Selbstsicherheit, die wiederum nach außen strahlt und ebenfalls das Vertrauen der Mitarbeiter in die Führungskraft fördert.

Beides sind wesentliche Voraussetzungen und entscheidende Grundlagen für den gemeinsamen Erfolg. Insbesondere beim Führen von agilen Teams ist es ein Schlüsselkriterium. Gelingt es der Führungskraft, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der Mitarbeitende Vertrauen aufbauen und bewahren können, ist viel gewonnen. Der Einzelne ist emotional ans Unternehmen gebunden – angesichts des herrschenden Fachkräftemangels in der Wirtschaft gerade heute ein essentieller Faktor.

Wie viel Dispo hat Ihr Vertrauenskonto?

In Führungssituationen beeinflussen sich Vorgesetzte und Mitarbeitende gegenseitig. Und diese Beeinflussung findet Niederschlag in der „sozialen Buchführung“. Nehmen wir an, Vertrauen ließe sich auf einem Konto verbuchen. Wann und durch was zahlen Sie auf Ihr Vertrauenskonto ein? Wann und womit heben Sie etwas davon ab? Sie ahnen es sicher bereits: Einzahlungen schaffen Vertrauen, Abhebungen erzeugen Misstrauen. Vor allem aber: Das alles beruht auf Gegenseitigkeit. Führungskräfte sollten in Sachen Vertrauen immer den ersten Schritt machen und so ihre Vorbildfunktion leben. Leichter gelingt dies, wenn sie folgende fünf Bausteine berücksichtigen:

Baustein Nr. 1: Reflektieren Sie sich selbst

Wer misstrauisch ist, braucht sich nicht wundern, wenn ihm Misstrauen zurückschlägt. Oft äußert sich dieses Misstrauen bei Führungskräften durch erhöhte Kontrollen, im schlimmsten Fall einem regelrechten Kontrollzwang. Umgekehrt sind es in der Führung oft viele kleinere Vergehen und Unstimmigkeiten, die das Vertrauen bei Mitarbeitenden langsam aber sicher schwinden lassen – bis nichts mehr davon vorhanden ist. Ein nicht eingehaltenes Versprechen, mangelnde oder bewusst falsch gestreute Informationen sowie fehlende Kompromissbereitschaft führen unweigerlich zu einem stetigen Vertrauensverlust. Wichtig für Führungskräfte ist es deshalb, sich immer wieder selbst zu reflektieren: Was verstehe ich unter Vertrauen? Welche Erwartungen habe ich an eine vertrauensvolle Beziehung? Und was bin ich bereit einzubringen?

Baustein Nr. 2: Gehen Sie in Vorleistung

Natürlich ist es nicht einfach, „blind“ zu vertrauen. Die Angst vor dem Unbekannten lässt uns zögern. Außerdem ist Vertrauen immer verbunden mit der Gefahr, enttäuscht oder gar betrogen zu werden. Doch einmal mehr gilt im Leben: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Im Gefüge Führungskraft und Mitarbeiter sind Sie als Führungskraft am Zug, den ersten Schritt zu gehen. Machen Sie sich bewusst, dass andere auch etwas können. Manchmal anders, vielleicht sogar besser als Sie selbst. Sie stehen nicht in Konkurrenz mit Ihren Mitarbeitern. Ganz im Gegenteil! Jeder hat seine Stärken und gemeinsam eingesetzt können diese viel bewegen. Nehmen Sie Ihr Ego getrost zurück, gemeinsam schaffen wir doch so viel mehr.

Baustein Nr. 3: Kommunizieren Sie informell

Vergessen Sie bei aller Vorbildfunktion und allem Sendebewusstsein Ihre Aufgabe als Empfänger nicht. Oftmals sind wir zu sehr mit uns selbst, unseren Aufgaben und Pflichten beschäftigt, dass schlichtweg Kapazitäten fehlen, um die Äußerungen unseres Gegenübers in einem Gespräch fokussiert aufzunehmen oder darüber nachzudenken. Dabei ist es genau dieser persönliche Austausch, der Missverständnisse vermeidet, Erwartungen beidseits offenlegt und Vertrauen wachsen lässt. Im vorgegebenen Rahmen ist eine offene Kommunikation nicht immer möglich. Führungskräfte sollten deshalb Chancen nutzen, um sich auch einmal spontan mit Mitarbeitern auszutauschen. In der Kaffeeküche, auf dem Flur oder dem Weg zum Mittagessen spricht es sich manchmal leichter – und einfach nur von Mensch zu Mensch.

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Baustein Nr. 4: Verhalten Sie sich immer fair

Auch Führungskräfte machen Fehler, schließlich sind sie auch nur Menschen. Dann heißt es vor allem, diese nicht zu vertuschen, sondern dazu zu stehen. Gerechte Beurteilungen anderer und eigene Zusagen einzuhalten – das alles wird von Mitarbeitern als fair empfunden und sorgt dafür, dass die eigene Vertrauenswürdigkeit nicht in Frage gestellt wird. Wenn ich mir als Führungskraft das Vertrauen meines Teams verdienen möchte, muss ich in Vorleistung gehen. Ich muss zeigen, dass ich verlässlich und authentisch bin. Dass ich zu dem stehe, was ich sage. Dass ich Werte, die ich einfordere, selbst lebe. Indem die Führungskraft in Vorleistung geht zum Aufbau vertrauensvoller Beziehungen, fungiert sie als Vorbild – und sät das Korn für Commitment.

Baustein Nr. 5: Seien Sie kongruent!

Neben Authentizität, Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit ist die Vertrauenswürdigkeit das wichtigste Gut von Führungspersönlichkeiten, um Mitarbeiter für sich und ihre Anliegen zu gewinnen. Sind Vorgesetzte nicht kongruent, spüren Mitarbeiter das meist sehr schnell. Sie sind verunsichert, ihr Vertrauen schwindet – zunächst noch punktuell, wenn es um einzelne Entscheidungen geht, dann aber meist auch generell. Vertrauen wird zum Misstrauen. Beginnen Sie bei sich selbst und gehen mit gutem Beispiel voran: Je kongruenter Sie als Führungskraft auftreten, je besser das, was Sie sagen und wie Sie es sagen und letztlich natürlich auch tun, zusammenpassen, umso eher sind Mitarbeiter bereit, Ihnen zu vertrauen.

Die Qualität der Führung trägt einen erheblichen Teil dazu bei, Vertrauen im Unternehmen zu etablieren und die Unternehmenskultur auch langfristig darauf auszurichten. Das zahlt nicht zuletzt auf die Mitarbeiterbindung und den Geschäftserfolg ein.

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