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So treiben Sie Intrapreneurship voran

HR-Werkstatt zu Intrapreneurship

Frage an die HR-Werkstatt: “Wie identifizieren und befähigen wir Mitarbeiter für Innovationsprozesse?”

Es antwortet: Rotraud Diwan, Geschäftsführerin von “Hi! Employer Strategies”

Intrapreneure sind unternehmerisch denkende Mitarbeiter, die hoch motiviert sind und ein Gespür für Trends und Nischen haben. Diese Menschen können zur treibenden Kraft für Veränderung werden, neue Prozesse in Gang setzen und einen Wandel in der Organisation auslösen. Wie gelingt es Ihnen, Personen im Unternehmen zu identifizieren und zu befähigen, langfristig ihren Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Organisation beizusteuern? Dazu gebe ich fünf konkrete Tipps.

Tipp 1: Passen Sie Ihr Talent Management an

In enger Zusammenarbeit mit Ihren Führungskräften sollten Sie ein Talent Management Programm entwickeln, das neben den “klassischen Karrieren” die besonderen Kompetenzen der Intrapreneure berücksichtigt. Dazu braucht es erstens eine Definition der spezifischen persönlichen und fachlichen Kompetenzen. Zweitens ist ein strukturierter Prozess erforderlich, in dem Sie diese Personen zuverlässig identifizieren, ausgewählen und in der Organisation platzieren. Drittens ist eine individuelle Förderung notwendig, die sicherstellt, dass Intrapreneure ihre hohe intrinsische Motivation ausleben können und Raum bekommen für die eigene Weiterentwicklung.

Tipp 2: Entwickeln Sie neue Führungskultur

Wer Intrapreneure will, kann klassische Top-Down-Führung vergessen. Freie Geister sind in streng hierarchischen Organisationen an vielen Stellen unbequem. Sie stellen Fragen und geben sich nicht mit den üblichen Antworten zufrieden. Sie halten sich auch nicht immer an Regeln, deren Sinnhaftigkeit für sie nicht nachvollziehbar ist. Und häufig sind Intrapreneure nicht diejenigen, die in Meetings ihre Ideen laut und plakativ platzieren. Es ist also eine sensible Führungskraft gefordert, die erkennt, wer an den richtigen Stellen die richtigen internen Kontakte zusammenbringt, die richtigen Fragen stellt und überraschende Ideen anreißt. Eine Führungskraft also, die sich als Dienstleister für ihr Team versteht und eine Umgebung schafft, in der Intrapreneure ihr Potenzial entfalten können.

Tipp 3: Fehler bringen Sie und alle Beteiligten voran

Neues wagen heißt auch Fehler machen. Je eher, desto besser. Denn umso steiler ist die Lernkurve im dezidierten Entwicklungsprozess. Wer in einer offenen Fehlerkultur über Prozesse, Annahmen und Ergebnisse diskutieren und Fehler aufzeigen kann, darf und will, befeuert damit den gemeinsamen Lernprozess. Nur in einem offenen Szenario können die Fehler des einen Teams das andere Team inspirieren und in der nächsten Iterationsschleife zur Lösung beitragen. Ein derart offenes Miteinander erfordert ein hohes Maß an psychologischer Sicherheit als Grundlage – nicht nur im direkten Team, sondern in der gesamten Organisation. Hier ist wieder die Führungskultur gefordert: Auch in der Führung Fehler zuzugeben, sich verletzlich zu machen und über Alternativen zu diskutieren macht den Grad der Ernsthaftigkeit jeder Führungsleitlinie oder Kulturthematik erlebbar.

Tipp 4: Etablieren Sie Beteiligung von unten nach oben

Viele gute Ideen entstehen dort, wo die operative Arbeit stattfindet. Dieses Wissen liegt in vielen Organisationen brach. Denn die Innovationswerkstatt, das Lab oder der der Innovation Hub sind an einem eigenen Standort angesiedelt. Für die Mitarbeit ist ein akademischer Abschluss erforderlich. Eine Durchmischung mit der ursprünglichen Organisation ist häufig nicht gegeben. Genau die ist aber essenziell: Erst die Beteiligung quer durch die gesamte Organisation, ihre Bereiche und Abteilungen, stellt sicher, dass vorhandenes Wissen in den Innovationsprozess einfließen kann. Dabei geht es nicht nur darum, die Labs-Experten zur Feldforschung z.B. in die Produktion zu schicken. Das ist sicher ein guter Schritt, viel wichtiger wäre es jedoch, die Produktionsmitarbeiter in die Labs zu holen – und dauerhaft in den Innovationsprozess einzubinden. Denn Intrapreneure gibt es in jedem Bereich eines Unternehmens.

Tipp 5: Geben Sie Innovation Zeit und Raum

Im Rahmen der normalen Arbeit gilt es, ganz gezielt Freiräume zu schaffen fürs interdisziplinäre Denken. Fürs Ausprobieren. Für Austausch. Es müssen nicht gleich die schon so oft zitierten 20 Prozent von Google sein. Wichtig ist nur, dass Sie ein Format etablieren, das Abstand zum üblichen Arbeitsalltag bietet. Das kann ein Innovations-Event pro Jahr sein, ein Hackathon oder ein anderes kollaboratives Format. Hier öffnet sich eine der spannenden Schnittstellen zwischen Geschäftsentwicklung, interner Kommunikation und HR. Egal, welcher dieser Stakeholder ein solches Projekt ins Leben ruft – wichtig ist, dass sich alle im Vorfeld über die möglichen Auswirkungen auf die Bindung von Mitarbeiter im Klaren sind. Ideen wollen aufgegriffen und umgesetzt werden. Hier entsteht zumindest Kommunikationsbedarf, den Sie decken sollten.

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