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Studentinnen – bescheidenere Erwartungen an Geld und Karriere?

Surreale Landschaft, sitzende Frau und gehender Mann in Rückansicht
Der männliche akademische Nachwuchs hat etwas ambitioniertere Erwartungen an die Zukunft als der weibliche.
Foto: © Archmotion.net/StockAdobe

Als häufigsten Grund für ein Studium nennen Frauen und Männer die guten Karriere- und Arbeitsmarktchancen. Allerdings spielt die Karriere als Motiv bei Studenten eine etwas größere Rolle als bei Studentinnen: Von den Männern nennen 69 Prozent diesen Grund, von den Frauen 60 Prozent. Auch der Anteil der männlichen Studenten, die sich wegen der guten Gehaltsaussichten für ein Studium entschieden haben, liegt mit 44 Prozent höher als bei den weiblichen Studenten, von denen nur 35 Prozent diese Motivation angeben. Das geht aus dem CampusBarometer 2018 hervor, für das die Deutsche Bildung 6917 Studentinnen und Studenten befragt hat.

Frauen rechnen mit niedrigeren Einstiegsgehältern als Männer

Im Durchschnitt erwarten die Nachwuchsakademiker nach dem Studium ein Einstiegsgehalt von 42 130 Euro brutto im Jahr. Männer rechnen mit 5328 Euro mehr als ihre weiblichen Kommilitonen, das entspricht einer Differenz von 13 Prozent. Zwar ist der Unterschied in den letzten Jahren kleiner geworden – 2015 lag er noch bei 6417 Euro – , doch er ist immer noch vorhanden. Betrachtet man nur Bachelor-Studenten, fällt der Abstand etwas geringer aus: Männer erwarten im Schnitt 44 087 Euro, Frauen 39 780 Euro. Insgesamt erklären sich die unterschiedlichen Erwartungen möglicherweise nicht nur durch ein größeres Selbstbewusstsein der Männer, sondern auch durch die Fächerwahl: Männer studieren öfter MINT-Fächer, in denen die Eingangsgehälter höher sind als in einigen anderen Fächergruppen, etwa den Geisteswissenschaften, die häufiger von Frauen gewählt werden.

Studentinnen sehen sich später seltener in einer Führungsposition

Laut Studie ist es aber ein Fakt, dass Frauen sich weniger zutrauen als Männer. So sehen sich männliche Studenten später eher in einer Führungsposition oder halten dies für möglich als es bei weiblichen Studenten der Fall ist. Frauen können sich auch seltener vorstellen, sich selbstständig zu machen. Was die Führungsposition betrifft, so sagen 42 Prozent der Männer, dass sie es für gut möglich halten, im Laufe ihres Berufslebens dorthin zu gelangen. Von den Frauen geben dies 36 Prozent an. 24 Prozent der Studenten sehen sich auf jeden Fall in einer Führungsposition gegenüber lediglich zehn Prozent der Studentinnen. Stattdessen geben mehr Frauen an, dass sie sich “eventuell” in einer solchen Position sehen (32 Prozent) als Männer (22 Prozent). “Eher nicht” antworten 18 Prozent der Frauen und neun Prozent der Männer. Eine Führungsposition rigoros auschließen wollen von beiden Geschlechtern nur jeweils zwei Prozent.

Dass Frauen sich immer noch seltener in führenden Positionen sehen, ist ein alarmierendes Ergebnis,

sagt Anja Hofmann, Vorstandsmitglied der Deutschen Bildung, zu den Befragungsergebnissen. Natürlich habe eine Absolventin jedes Recht, sich bewusst gegen eine Führungsposition zu entscheiden, gezieltes Coaching, könne jedoch helfen, die Motivation dahinter genau zu hinterfragen und gegebenenfalls Mut zu machen. Um Studentinnen zu fördern, brauche es auch Soft-Skill-Training, die passenden Netzwerke und Kontakt zu inspirierenden Vorreiterinnen, so Hofmann.

Weitere Informationen über das CampusBarometer 2018 können > hier heruntergeladen werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.