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Studie: Fast jeder zweite Angestellte möchte überwacht werden

Beim Thema Mitarbeiterüberwachung gehen die Meinungen auseinander. Für manche widerspricht die Überprüfung der Arbeit und ihrer Leistungen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Einer neuen Studie zufolge stimmen viele Angestellte der Überwachung aber auch zu, weil sie Vorteile für sich oder den Arbeitgeber darin sehen. 

Das Unternehmen Capterra, ein Online-Marktplatz für die Softwareauswahl, hat im Februar 2022 etwas mehr als 700 Arbeitnehmer online befragt. Bei fast jedem vierten Befragten kommt demnach Mitarbeiterüberwachung zum Einsatz, wobei sie in sechs Prozent der Fälle während der Pandemie eingeführt wurde. Bei 17 Prozent der Unternehmen kam sie vorher schon zum Einsatz. Und 14 Prozent der Mitarbeitenden wissen nicht, ob sie überwacht werden. 

Von Anwesenheitskontrolle bis GPS-Tracking 

Die drei häufigsten Aktivitäten der Überwachung liegen im Bereich der Anwesenheit, des Zeitmanagements und des Arbeitslastmanagements, etwa durch Kontrolle der Arbeitspläne oder Leistungskennzahlen. Bei nur jedem Zehnten geht es um Mausbewegungen oder der Überwachung der Audiogespräche. Noch seltener wird der Standort durch GPS oder Fahrzeugverfolgung getrackt (5 Prozent). Bei immerhin 13 Prozent wird der Arbeitsbereich durch Webcams überwacht, Zeitrafferfotos oder Screenshots erstellt. 

Bedenklich ist die Kommunikation und Information über die Überwachung: Zwar wurde die Mehrheit schriftlich informiert oder es gab Schulungen dazu, einem Viertel wurde die Maßnahme aber nur mündlich mitgeteilt und 16 Prozent wurden gar nicht informiert. „Mangelnde Kommunikation kann dazu führen, dass Mitarbeiter das Schlimmste über die Verwendung der durch Überwachung gesammelten Daten durch ihr Unternehmen annehmen“, sagt Ines Bahr, Senior Analystin bei Capterra. 

Fehlende oder falsche Kommunikation in einigen Unternehmen belegen auch die Antworten auf eine weitere Frage. So fühlte sich ein Drittel der Befragten bei der Einführung unter Druck gesetzt oder war unsicher, inwiefern eine Ablehnung der Maßnahme überhaupt möglich ist. 14 Prozent geben zu, es akzeptiert zu haben, weil sie sich dazu gezwungen fühlten. Inwiefern sie unter Druck standen, wurde in der Studie nicht erfragt. Bei Audio- oder Videoaufzeichnungen der Belegschaft ist in der Regel eine Zustimmung der Betroffenen notwendig, da es in den Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte eingreift.

Das Für und Wider der Mitarbeiterüberwachung 

Etwa die Hälfte der Befragten hat die Überwachung aber auch ausdrücklich befürwortet. Aber warum? Um auch diese Frage zu beantworten, hat Capterra die überwachten und unüberwachten Mitarbeitenden auch nach ihrer Zustimmung zu vorgegebenen Vor- und Nachteilen gefragt. Die höchste Zustimmung für genannte Vorteil gab es für Aspekte der Transparenz: „Arbeitgeber haben einen besseren Überblick darüber, wer besonders viel oder wenig Arbeit leistet“ (42 Prozent). Fast jeder Dritte findet es aber auch gut, dass das Unternehmen dann Arbeitsnachweise für Angestellte hat – die Erhöhung der eigenen Arbeitsplatzsicherheit wird erhofft. Genauso viele sind der Meinung, dass Manager Arbeitsaufgaben einfacher anhand der Arbeitsbelastung von Angestellten verteilen können. 

Auf der anderen Seite sind das Eindringen in die Privatsphäre (65 Prozent) und negative Auswirkungen auf das Vertrauen (63 Prozent) die größten Bedenken, gefolgt von mehr Stress für das Personal und negativen Auswirkungen auf die Arbeitsmoral (jeweils 51 Prozent).

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft und schreibt off- und online. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Arbeitsrecht, HR-Start-ups und Recruiting.