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Nachgefragt: die Arbeitssituation in Corona-Zeiten

Eine Studie hat untersucht, wie sich die Corona-Krise aus Mitarbeitersicht bislang auf ihre Arbeitswelt ausgewirkt hat. Im Mittelpunkt standen die Arbeit im Homeoffice, die Digitalisierung und das Verhältnis zu den Führungskräften. Die Antworten der Arbeitnehmer zeigen, dass es sowohl Licht- als und Schattenseiten gibt.

Frau am Laptop in Küche im Homeoffice
Der Arbeitsalltag hat sich seit Corona stark verändert. Viele sehen das positiv, doch mehr als jeder Dritte fühlt sich durch digitale Tools gestresst. Foto: © kasto-stock.adobe.com

Vier von zehn Berufstätigen in Deutschland (42 Prozent) geben an, dass sie sich schon einmal Sorgen um ihren derzeitigen Arbeitsplatz gemacht haben. Junge Mitarbeiter zwischen 25 und 34 Jahren sind am besorgtesten. Als Grund für diese Befürchtungen nennen 62 Prozent und damit die meisten Arbeitnehmer die gesamtwirtschaftliche Lage. Der zweithäufigste Grund für Sorgen ist Kurzarbeit (43 Prozent), dicht gefolgt von drohenden Entlassungen im Unternehmen (41 Prozent). Das zeigt der “Future of Work Report 2021” der Job-Plattform Indeed und des Marktforschungsunternehmens Appinio. Dafür wurden zwischen dem 3. und 11. Dezember des vergangenen Jahres 2000 Berufstätige im Alter von 18 bis 65 Jahren repräsentativ befragt.

Jeder Zweite, der keine Homeoffice-Möglichkeit hat, ist neidisch

Zum Zeitpunkt der Befragung arbeitete ein Drittel der Studienteilnehmer (33 Prozent) im Homeoffice. Jeder Zehnte hatte zwar die Erlaubnis, von zuhause aus zu arbeiten, ging seinem Job aber weiter im Firmenbüro nach. Etwa jeder Achte (13 Prozent) könnte seine Tätigkeit zwar in den eigenen vier Wänden ausüben, bekam dafür aber bislang vom Arbeitgeber nicht die Zustimmung. Für mehr als vier von zehn Arbeitnehmern (43 Prozent) ermöglicht der Beruf jedoch keine Telearbeit; sie müssen ihren Job trotz Corona außerhalb verrichten. Mehr als jeder Zweite (54 Prozent), für den Remote Work nicht machbar ist, gibt an, die von zuhause aus arbeitenden Berufstätigen zu beneiden. Etwas mehr als jeder Dritte (35 Prozent) wäre sogar dazu bereit, den Beruf zu wechseln, um die Chance auf Homeoffice zu bekommen. Fast genauso viele (34 Prozent) halten den Wechsel des Arbeitgebers für eine Option.

Mehrheit sieht die Veränderung des Arbeitsalltags durch digitale Tools positiv

Aufgrund der Tatsache, dass die Heimarbeit im letzten Jahr zugenommen hat, ist die Digitalisierung vorangeschritten, auch wenn Telefon und E-Mail bei der Kommunikation mit Kollegen und Vorgesetzten noch überwiegen. Erst danach folgen Messenger-Dienste. Rund die Hälfte der Befragten (53 Prozent) gibt an, der Arbeitsalltag habe sich durch digitale Tools wie Zoom oder Slack tendenziell verändert. Die Mehrheit – 83 Prozent – empfindet das als positiv. 44 Prozent sagen, dass sie zufriedener sind. Jeweils 40 Prozent berichten, dass sie jetzt motivierter sind und vielfältigere Aufgaben haben. Knapp jeder Dritte (32 Prozent) bekommt häufiger Feedback zu seinen Leistungen. Was die inzwischen häufiger genutzten Videokonferenzen betrifft, ist die Meinung der Arbeitnehmer gespalten: 49 Prozent finden sie eher nervend, 51 Prozent nicht. Dass viele Unternehmen wegen Corona auch Bewerbungsprozesse digitalisiert haben, stößt bei 82 Prozent der Studienteilnehmer auf Zustimmung.

Wermutstropfen: mehr Stress, Überforderung und Kontrolle

Obwohl die meisten Befragten den stärker digitalisierten Arbeitsalltag generell positiv sehen, gibt es auch negative Bewertungen. So sagen fast vier von zehn Berufstätigen (37 Prozent), sie seien durch digitale Tools gestresst – bei den 35- bis 44-Jährigen sind es sogar 43 Prozent. Über alle Altersgruppen hinweg fühlt sich ein Drittel (33 Prozent) von Vorgesetzten stärker kontrolliert. Etwa genauso viele (32 Prozent) geben an, durch die Digitalisierung überfordert zu sein.

Acht von zehn Mitarbeitern mit Beziehung zum Vorgesetzten zufrieden

Wie steht es in der geänderten Arbeitssituation um das Verhältnis der Mitarbeiter zu ihren Vorgesetzten? Knapp jeder Vierte (23 Prozent) stellt fest, dass es sich geändert hat – nach Ansicht der großen Mehrheit zum Positiven. 87 Prozent der Befragten geben an, das Verhältnis zu ihren direkten Vorgesetzten sei eher bis sehr positiv. Mitarbeiter, die ihre Führungskräfte als wertschätzend oder vertrauensvoll wahrnehmen, haben am häufigsten ein gutes bis sehr gutes Verhältnis zu ihnen. Insgesamt finden 29 Prozent der Berufstätigen, dass ihre Arbeit seit Corona mehr wertgeschätzt wird.

Der komplette Report kann > hier zum Download angefordert werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.